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So Erlebten „BZ“-Redakteure die Schneekatastrophe zum Jahreswechsel 1978/79

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Christina Rückert (39): Zu jener Zeit hatte meine Familie ein winzig kleines Ferienhäuschen in einem ebenso winzigen Dörfchen in Ostholstein. Die Schneekatastrophe überraschte uns dort. Meine Eltern fürchteten, die Lebensmittel würden nicht lang genug reichen und setzten meine Geschwister und mich (damals 7, 9 und 12 Jahre) wagemutig ins Auto. Hinter einem Traktor mit Schneepflug schafften wir es bis Malente. Von da ab fuhr tatsächlich ein - völlig überfüllter - Zug nach Hamburg. Spät abends kamen wir total ausgehungert in Altona an, mussten dann noch mit der U-Bahn nach Volksdorf.

Klaus Fischer (60): Dieser Winter hat mir richtig Spaß gemacht. Ich war schon damals begeisterter Autofahrer, hatte einen neuen VW Scirocco mit 112 PS - stattlich für damals . . . Endlich konnte ich testen, was der Händler versprochen hatte: Dieses Auto mit seinem Frontantrieb, sagte er, sei besonders im Winter klasse. Und so war es auch. Schneeketten montiert: So pflügte ich über tief verschneite Straßen Hamburgs, holte noch Kollegen ab - drei zwängten sich auf die Rückbank des kleinen Coupés - und wir fuhren zum Zeitung machen nach Bergedorf. Zweimal überkam es mich auch abends: Ich fuhr allein so gut es ging über Landstraßen und träumte dabei wunderbar von der "Rallye Monte Carlo."

André Herbst (48): Ein Landei muss sich zu helfen wissen. Die Straßen in den Harburger Bergen waren tagelang absolut unpassierbar, doch wozu gibt es Langlaufski. An der Schule war die Enttäuschung dann "riesengroß", als der Rektor verkündete, mit kaum 100 von 800 Schülern lohne sich kein Unterricht. Tage später dann ein Riesenspaß - zumindest für uns junge Zuschauer. Weil der Räumdienst nicht durchkam, rückte die Bundeswehr mit Bergepanzern an. Was weder Kommandant noch Fahrer ahnten: Unter der weißen Ebene vor ihnen verbarg sich in Wirklichkeit eine stark abschüssige Straße. Der Berge-Leo verschwand im meterhoch aufgetürmten Schnee. Es musste von einem zweiten Panzer rückwärts aus der Schneewehe geborgen werden.

Susanne Tamm (40): Nie werde ich sie vergessen - die längsten Weihnachtsferien meines Lebens: Wir spielten Expedition zum Polarkreis, mit Begeisterung stapften wir stundenlang mit unseren Schlitten durch den Reinbeker Krähenwald. Als Proviant hatten wir Orangen oder Clementinen dabei und der heiße Kakao hinterher schmeckte herrlich. Alle späteren Weihnachtsferien konnten nur enttäuschen: kaum Schnee und viel zu kurz!

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