Porträt

Als Frauenbeauftragte Pionierarbeit geleistet

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Oststeinbek (sab). Eigentlich sollte Anje Schiffmann in der Gemeindeverwaltung nur für sechs Monate eine Kollegin vertreten. Doch sie blieb 20 Jahre lang. Heute hat die 63-Jährige ihren letzten Arbeitstag.

"Nach dem halben Jahr hat man mir eine Festanstellung angeboten", berichtet sie. Ganz in den Ruhestand will Schiffmann, die seit Kurzem in Dassendorf wohnt, aber nicht gehen. Sie bleibt der Gemeinde als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte erhalten. 1992 war sie die erste Frau in Südstormarn, die dieses Amt übernahm. "Das war Pionierarbeit", erinnert sie sich. Anfängliche sei es darum gegangen, die Frau in die Sprache zu bringen. Auch wenn das ständige "/-in" zu überlangen Satzbildungen geführt habe, seien so die Menschen sensibilisiert worden, dass eine Position sowohl von einem Mann als auch von einer Frau besetzt werden kann, es nur auf die Qualifikation ankomme. Einen Großteil dieser Arbeit nehmen Beratungsgespräche ein. Vier oder fünf Frauen kommen jeden Donnerstag zu ihr in die Sprechstunde. Meist gehe es dabei um Mobbing am Arbeitsplatz, Gewalt in der Familie, Trennung und Arbeitslosigkeit, berichtet Schiffmann.

Mit ihrem Mann Heinrich war sie 1975 nach Neuschönningstedt gekommen. Nach dessen frühem Krebstod wollte die Mutter zweier Söhne wieder in den Beruf. Aber den, den sie erlernt hatte, gab es nicht mehr. Schiffmann, die in Wuppertal aufwuchs, war eigentlich Organisationsprogrammiererin, hatte bei einem großen IT-Unternehmen in Düsseldorf Computer und Großrechner zum Laufen gebracht. "Früher schrieb man extra noch Programme für Betriebssysteme", erklärt sie. Die gebürtige Sächsin stellte sich dennoch im Oststeinbeker Rathaus vor: "Ich hatte keine Ahnung von dem Job", sagt sie, bekam ihn aber und war fortan für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Außerdem organisierte sie Ehrungen, aktualisierte den Ortsplan, kümmerte sich um die Schulausstattung und war als Personalratsmitglied bei Vorstellungsgesprächen dabei.

Anje Schiffmann bleibt den Oststeinbekerinnen nicht nur als Gleichstellungsbeauftragte erhalten, sie will auch in der Verwaltung aushelfen, wenn Not an der Frau ist - dann wird sie wie vor 20 Jahren als Vertretung ins Rathaus kommen.

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