Familie

Bei den Lescows werden heute elf Kinder beschert

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Sandra Barth

Havighorst. Weihnachten ist im Hause Lescow eine logistische Meisterleistung. Beschenkt sich jedes Familienmitglied gegenseitig mit einem Präsent, so stapeln sich rein rechnerisch 156 Pakete an Heiligabend unterm Tannenbaum: Die Lescows haben elf Kinder.

Eine riesige Gefriertruhe und ein ebenso großer Gefrierschrank sowie zwei Kühlschränke sind bei der Großfamilie im Dauereinsatz. Für die Festtage wird noch ein dritter angeschmissen. Bereits vor zwei Wochen wurde mit den ersten Einkäufen begonnen, der Rotkohl schon einmal vorgekocht - Stress für die elffache Mutter Sieglinde Lescow: "Ich wusste aber schon immer, dass ich eine große Familie haben möchte. Wir waren zu Hause auch sieben Kinder", sagt die 53-Jährige. Ihr Mann Friedrich war derselben Meinung und so folgten auf Benjamin noch Simone, Christian, Marc, Judith, Alexander, Björn, Deborah, Sarah, Sven-Ole und Jan-Henning. "Kinder sind ein Geschenk Gottes", sagt die Havighorsterin. "Bei uns ist jeder für jeden da, steht für den anderen ein."

An die 2000 Euro braucht die Großfamilie pro Monat allein für Lebensmittel. Vater Friedrich verdient den Lebensunterhalt als Steuerberater. In den Urlaub fahren die Lescows nach Norwegen in ihr Ferienhaus. Wie mit dem Essen verhält es sich mit den Geschenken zu Weihnachten: "Wir tragen die alle in großen Tragetaschen ins Wohnzimmer", berichtet Tochter Judith. 156 Präsente werden es in der Regel nicht. "Einige tun sich bei größeren Anschaffungen zusammen", berichtet die 21-Jährige. Die Eltern packen für jedes ihrer Kinder ein Paket. "Wir versuchen, das so gerecht wie möglich zu machen", betont ihre Mutter. "Jeder soll gleich viel bekommen." Es sei eine Herausforderung, für jeden das Richtige zu finden. "Aber ich möchte glückliche, zufriedene Gesichter haben", erzählt sie. Oft hilft ein Blick auf die elf Wunschzettel. Die sind in Zeiten des Internets auf der familieneigenen Homepage online. "Per E-Mail zu kommunizieren geht sowieso viel einfacher", berichtet Judith. Denn alle Kinder bekommt die Familie meist nur an Weihnachten zusammen. Irgendwer sei sonst immer unterwegs. Auch abends gehen die Interessen auseinander. Während die einen fernsehen, schlafen die anderen schon oder beschäftigen sich alleine auf ihren Zimmern. Davon hat jedes der Lescow-Kinder ein eigenes. Die Familie bewohnt zwei Doppelhaushälften, die nur mit einer Tür verbunden sind. In einem der Häuser besteht das gesamte Parterre aus einer Ess- und Wohnküche mit einem vier Meter langen Tisch. "Da spielt sich alles ab, das ist unser Kommunikationsbereich", berichtet Judith weiter.

Und so läuft der Weihnachtsabend in der XXL-Familie ab: Die ältesten Kinder helfen ihrer Mutter beim Kochen und dabei, das Essen heiß auf den Tisch zu bekommen - bei 13 Tellern echte Kantinenarbeit. Es gibt geräucherte Putenbrust. Sechs Kilo des mageren Fleisches reichen für alle, weiß die erfahrene Großköchin Sieglinde Lescow. Dazu gibt es Herzoginnenkartoffeln, Rotkohl und zum Nachtisch Eis. Danach geht es ins Wohnzimmer in der anderen Doppelhaushälfte. "Da stehen unser Baum und die meisten Sofas", sagt Judith. Gedichte werden aufgesagt, Musikstücke vorgetragen. Danach ist Bescherung. Das Geschenkeauspacken ist klar geregelt. Der Kleinste fängt damit an, seine Präsente zu verteilen. Dann geht es der Reihe nach. Ein großer Sack steht währenddessen bereit, die Unmengen von Altpapier aufzufangen. In einem Karton werden sämtliche Schleifen gesammelt. "Das dauert Stunden", sagt Judith, die selbst noch nicht weiß, ob sie einmal Kinder haben möchte. "Aber wenn, dann nicht nur eines", betont sie.

Der älteste der Lescow-Kinder, der 27-jährige Benjamin, ist bereits von Zuhause ausgezogen. "Man muss loslassen können", sagt die elffache Mutter, die mit ihrem Mann Friedrich vorausschauend gedacht hat: Wenn später einmal alle Kinder aus dem Haus sind, lassen sich die Doppelhaushälften leicht trennen. "Wir verstehen uns alle gut, unsere Kinder kommen bestimmt zu Besuch", sagt Sieglinde Lescow - spätestens wieder zu Weihnachten.

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