Passage

Buntes Treiben auf grauen Pflastersteinen

| Lesedauer: 3 Minuten
Sandra Barth

Glinde. Nur wenige Stunden zuvor waren die letzten Arbeiten an der Passage vorgenommen worden. Der Baustaub lag noch auf dem neuen Pflaster. Pünktlich zum Beginn der Party um 17 Uhr waren die Arbeiter mit ihrem Gerät jedoch abgezogen und hatten den neu gestalteten Verbindungsweg zwischen der Möllner Landstraße und dem Marcellin-Verbe-Haus (Bürgerhaus) Bühne, Buden und Besuchern überlassen. Rund 200 Glinder feierten ausgelassen den Baustellenabschluss.

200 Besucher feiern Bauabschluss in der Passage. 75 000 Euro weniger Kosten als veranschlagt.

Zur Party eingeladen hatten die Stadt und die Gewerbevereinigung Glinde (GVG). "Es ist geschafft, die Passage ist fertig und kann benutzt werden", sagte Bürgermeister Uwe Rehders in seiner Ansprache. "Wenn dann im Frühjahr noch der Marktplatz umgestaltet wird, haben wir in der Innenstadt eine neue attraktive Visitenkarte, die sich sehen lassen kann."

In der neuen Passage ist der Blick auf das Marcellin-Verbe-Haus frei. Wo im Sommer noch Vitrinen und Bäume den Weg versperrten, ist eine behindertengerechte Fußgängerzone entstanden - eingefasst von Granitblöcken mit wechselnden farbigen LED-Lichtlinien im Boden. "In der Mitte geht man, an den Seiten verweilt man", erklärte Landschaftsarchitekt Günter Greis vom zuständigen Planungsbüro arbos. Der 48-jährige Reinbeker freute sich, außerdem vermelden zu können, dass die Baukosten - ursprünglich mit 775 000 Euro veranschlagt - die Stadtkasse spürbar weniger, nämlich mit 700 000 Euro belasten werden.

Nicht nur Geld, auch Nerven hat die Neugestaltung der Passage gekostet. So räumte Rehders in seiner Rede ein, dass die Bauzeit sehr schwierig für Geschäftsinhaber, Bewohner und Passanten gewesen sei und dankte ihnen, der GVG, den Stadtvertretern und den Mitarbeitern der Verwaltung für ihre Unterstützung. Er betonte jedoch: "Wir haben in der Innenstadt kein Ladensterben. Mir soll niemand erzählen, dass ein Geschäft wegen der Bauarbeiten habe schließen müssen." Die Fleischerei Bänsch hatte unter anderem die Baustelle in der Passage für ihre Insolvenz Anfang November verantwortlich gemacht.

Während des Abends hielten sich die Besucher mit Glühwein warm, den die GVG kostenlos ausschenkte. Manche Geschäfte nutzten den Trubel vor ihrer Haustür zur fortgeschrittenen Stunde und ließen ihre Läden zum Teil länger geöffnet. Die Rundhofer Schlosserband mit dem ehemaligen Big-Brother-Container-Insassen Harry Schmidt - genannt Big Harry -, ein DJ-Ötzi-Double und ein Feuerwerk, gestiftet von Unternehmen, sorgten für ausgelassene Stimmung unter den Besuchern, die die neue Anlage begutachteten - durchaus auch kritisch. So bemängelte Dorit Pospiech, dass die Granitblöcke mit Holzauflagen zwar Sitzgelegenheiten böten, aber ohne Lehnen nichts für ältere Menschen seien. "Normale Bänke wären besser gewesen", sagte die 59-jährige Oststeinbekerin. "Aber die Älteren sind unsere Kunden, die Jüngeren fahren nach Hamburg zum Einkaufen", betonte Rosemarie Arens (54), Inhaberin eines Miederwarengeschäfts in der Passage. Und Margrit Kneesch (60) hätte gerne ein paar rötliche Steine in dem "Grau in Grau wirkenden Pflaster" gehabt. Die Kommunalpolitiker zeigten sich versöhnlicher: "Der Kontrast im Pflaster wird noch kommen, wenn es erst einmal 'eingelaufen' ist", prophezeite der CDU-Vorsitzende und Fraktionschef Dr. Ralf Reck. Und SPD-Fraktionsvorsitzende Marietta Exner sagte: "Alles in allem hat die Passage gewonnen."

"Mir soll niemand erzählen, dass ein Geschäft wegen der Bauarbeiten habe schließen müssen."

Bürgermeister Uwe Rehders

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Glinde