Leserbrief

"Mit Stolz auf Mut des Kindes hinweisen"

Betr.: "Schülern droht nach Demo Zeugniseintrag", Glinde-Seite vom 19. 11. 2008

Da wird aber mit gewaltigen Kanonen auf kleine Piepmätze geballert: "Missbilligung und unentschuldigter Fehltag" als "ernste Konsequenz", Missbilligung wegen Schwänzens - aus diesem Grund?

Unentschuldigte Fehltage machen sich in der Tat schlecht im Bewerbungszeugnis - das kann man jungen Leuten gar nicht oft genug sagen. Aber: Ein vernünftiger Arbeitgeber, bei dem der Jugendliche einen sonst guten Eindruck hinterlassen hat, wird eine solch kleinliche Eintragung wegen Schwänzens hinterfragen. Und wenn er dann erfährt, dass dieser junge Mensch seine demokratischen Rechte als demokratische Pflichten erkannt hat, gegen offenbar eklatante Missstände, für die Politiker verantwortlich sind, auf die Straße zu gehen, dann wird er, sofern er ein vernünftiger Arbeitgeber ist, dem jungen Bewerber zu dieser Eintragung gratulieren und ihm sagen: "Mach' weiter so, mein Junge, hebe Dich aus der Masse dieser Duckmäuser und Jasager heraus." Und er wird vielleicht, so es die Mutter des Betroffenen ist, der guten Frau Mut machen, nicht anonym bleiben zu wollen, sondern mit ganzem Stolz auf den Mut ihres Kindes hinzuweisen und mit ihr Bettina Wegeners Lied "Sind so kleine Hände" singen: "Menschen ohne Rückgrat haben wir schon zu viel".

Holger Maruhn, Kirchwerder Hausdeich 294, 21037 Hamburg

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