Der letzte Stift als Ehrengast

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Jetzt ist sie in Glinde zu sehen, die historische Schau "100 Jahre Südstormarnsche Kreisbahn" vom Kreisarchiv und dem Förderverein Südstormarnsche Kreisbahn. Nach Stationen in Bad Oldesloe, Trittau, Barsbüttel und Großhansdorf eröffneten Bürgermeister Uwe Rehders und Kreisarchivar Dr. Johannes Spallek die Wanderausstellung im Rathaus.

Am 17. Dezember im Jahr 1907 war es, als die Bahn auf ihrer 33,7 Kilometer langen Strecke von Trittau über Lütjensee, Hoisdorf, Siek, Willinghusen, Glinde, Boberg, Havighorst und Schiffbek bis nach Tiefstack feierlich ihren Betrieb aufnahm. Rund 1,75 Millionen Mark hatte der Bau gekostet. Die Kinder hatten an diesem Tag schulfrei, "Ehrenjungfrauen" überreichten dem Stormarner Landrat Joachim von Bonin Blumensträuße, und in Glinde begrüßte ein Transparent die Passagiere: "Endlich ist die Bahn vollendet, fest gefügt liegt Schien an Schien, drum sei heißer Dank gespendet, unserm Landrat von Bonin!"

Nach dem 1. Weltkrieg ging es stetig bergab. Für Unterhalt und Modernisierung fehlte das Geld, hinzu kam die Konkurrenz durch Bus und Lkw. Nur der Bau des Heereszeugamtes und des Krupp-Kurbelwellenwerks in Glinde rettete den Betrieb über die nächsten Jahrzehnte. Am 15. März 1952 ging die Bahn auf ihre letzte Reise. Einzig die Strecke von Glinde nach Tiefstack blieb noch für den Güterverkehr erhalten.

Heinz Schomann (73) trauert noch heute um die Kreisbahn: Er war der letzte Lehrling, der dort eingestellt wurde. Im Jahr 1951 begann er seine Ausbildung zum Maschinenbauer im Betriebswerk Willinghusen. "Ich wollte doch Lokführer werden wie mein Vater", sagt der Pensionär. Doch daraus wurde nichts. Er musste zunächst zur Bergedorf-Geesthachter Eisenbahngesellschaft (BGE) wechseln und dann weiter zu den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH), wo er jahrzehntelang Busse fuhr. Doch die Erinnerung an die Kreisbahn ließ ihn nicht los: Heute ist Schomann Mitglied des Fördervereins. Viele der Exponate und Fotos stammen aus seinem Besitz. Bis zum 17. Dezember sind sie montags und freitags von 8 bis 12 Uhr, mittwochs ab 7 sowie donnerstags von 15 bis 19 zu bewundern.

( (tv). )

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