Kicken und Boxen in der Schule erlaubt

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"Manche Kinder können heute nicht einmal mehr rückwärts laufen", sagt Seyed Hassan Nourani. Eine solch unterentwickelte Motorik habe er bei seinen Glinder Schülern zwar nicht erlebt, aber auch unter ihnen hätte sich der eine oder andere einige der Bewegungen im Training nicht zugetraut, sagt der gebürtige Iraner.

An der Sönke-Nissen-Schule leitet er im Rahmen der offenen Ganztagsschule einen Kick- und Punch-Fitness-Kursus.

Dabei lernen die Schüler ihren Bewegungsapparat kennen. "Die wissen oft gar nicht, was alles in ihnen steckt", berichtet Nourani. "Das schaffe ich nicht, diesen Sprung kann ich nicht machen", das habe er zu Beginn des Nachmittagsangebots im September oft zu hören bekommen. Kick- und Punch-Fitness ist besonders beliebt bei den Schülern, darum bietet der Hamburger Verein Kaengado Sport gleich zwei Kurse parallel an der Sönke-Nissen-Schule an. Der 53-jährige Nourani bringt noch an zwei weiteren Schulen Kindern und Jugendlichen diese Kampfsporttechnik bei, mit der sie sich im Ernstfall verteidigen können.

Dabei handelt es sich um eine Abwandlung des Kickboxens und Taekwondo. Die Kinder lernen Blocken, also ihr Gesicht vor Schlägen zu schützen, kontrolliert hinzufallen, ohne sich zu verletzen, sich aus dem Schwitzkasten eines Angreifers zu befreien und ihm auszuweichen. Dabei treten sie mit ihren Füßen und schlagen mit den Fäusten. "Das sieht brutaler aus als es ist", sagt Nourani. Beim Fußball gebe es mehr Verletzungen.

Sich selbst zu verteidigen, wollte auch Daniela Moreira lernen, als sie sich für das Angebot entschied. "Ich hatte mal ein Negativ-Erlebnis", erzählt die 13-Jährige. Sie wurde von drei Mädchen verprügelt, konnte sich gegen die Überzahl nicht wehren. "Jetzt kann ich mich verteidigen", sagt sie überzeugt. Die Gewissheit, sich zur Wehr setzen zu können, mache die Schüler selbstbewusster, betont Nourani.

Das Training diene aber auch der Prävention, erläutert er. Denn dabei würden Aggressionen abgebaut. "Die Kinder haben viel Energie, die können sie nicht beim Fernsehen rauslassen. Bevor sie es auf dem Schulhof tun, ist es besser, sie machen es beim Sport", meint Seyed Hassan Nourani. Nach 40 Jahren im Training sagt er: "Mir hat der Kampfsport geholfen." Er habe weniger Streit gehabt, Konflikte beruhigen können und sei einfach selbstbewusster durchs Leben gegangen.

"Beim Fußball gibt es mehr Verletzungen."

Trainer Seyes Hassan Nourani

( (sab). )

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