Wenn für das Geld fehlt

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Über Kündigungen der Vereinsmitgliedschaft im TSV freut sich Peter Voss, Geschäftsführer und Erster Vorsitzender, nie.

Doch es tut ihm in der Seele weh, wenn er Schreiben von Eltern erhält, die ihren Nachwuchs aus finanziellen Gründen aus dem Verein nehmen. Zuletzt sah die Mutter einer Elfjährigen keinen anderen Ausweg, als ihre Tochter vom Kampfsporttraining abzumelden. Dabei gibt es für Kinder aus einkommensschwachen Familien einen Ausweg: Das Projekt "Rein in den Verein". Voss erzählt: "Für Kinder ist es eine Katastrophe, wenn sie aus der Mannschaft genommen werden. Sie werden aus ihrem sozialen Netz herausgerissen."

Seit eineinhalb Jahren können Jungen und Mädchen, deren Familien von Hartz IV leben, Zuschüsse für den Vereinsbeitrag beantragen. Die Stiftung Stormarn der Sparkasse Holstein steuert 40 Prozent, die Stadt und der TSV jeweils 20 Prozent des Beitrags bei, es bleiben 20 Prozent für den Jungsportler. "Die Mitgliedschaft muss etwas kosten", erläutert Voss, "damit die Wertschätzung erhalten bleibt." Für die Förderung hat der TSV 10 000 Euro im Jahr zur Verfügung.

Zurzeit sind im TSV 1500 Mitglieder unter 18 Jahren alt. Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 26 Jahren können im Projekt gefördert werden. Bisher wurde aber nur für 30 Kinder der Antrag gestellt - dabei leben in der jungen Stadt im Grünen zurzeit 411 Kinder von Hartz IV. "Es ist verdammt schwer, an die Leute heranzukommen", sagt Voss dazu. Er ist davon überzeugt, dass zu wenig Betroffene von "Rein in den Verein" wissen. "Ich habe eine Lehrerin gefragt. Die sagte mir, man erkennt die Hartz-VI-Kinder erst, wenn es um Klassenfahrten geht", erzählt er.

Voss hat bereits dafür gesorgt, dass die Arge und die Sozialämter die Antragsbögen haben. Sie müssen nur mit einem Stempel bestätigen, dass der Antragsteller Leistungen bezieht. Er könne nicht kontrollieren, ob Eltern und junge Leute auf die Möglichkeit hingewiesen werden, doch eines sei sicher: "Wer mit Hartz IV aufwächst und zu Hause rumsitzt, kann ein hohes Aggressionspotenzial entwickeln", mahnt er. Er will als nächstes die Mutter der elfjährigen Kampfsportlerin anrufen und ihr von "Rein in den Verein" erzählen.

( (st). )

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