Millionenprojekt

LungenClinic Großhansdorf startet Hightech-Neubau

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Harald Klix
Der komplette vordere Bereich (mit Gründächern) der LungenClinic wird neu gebaut. Einzig OP-Zentrum (2014 eröffnet) und Verwaltungstrakt bleiben.

Der komplette vordere Bereich (mit Gründächern) der LungenClinic wird neu gebaut. Einzig OP-Zentrum (2014 eröffnet) und Verwaltungstrakt bleiben.

Foto: Henke+Partner.

Fachkrankenhaus reicht Förderantrag für das 81,4-Millionen-Euro-Projekt ein. Bei laufendem Betrieb wird die Klinik neu gebaut.

Grosshansdorf.  Für die rund 420 Mitarbeiter der LungenClinic Großhansdorf und jährlich etwa 12.000 Patienten (davon gut 6500 stationär) beginnen vier aufregende Jahre. Bei laufendem Betrieb wird das international anerkannte Fachkrankenhaus für schätzungsweise 81,4 Millionen Euro größtenteils neu gebaut. „Übergangsweise müssen jetzt alle enger zusammenrücken, von den Oberärzten bis zum Reinigungsdienst“, sagt die kaufmännische Geschäftsführerin Susanne Quante, deren Bereich seit jeher im Keller untergebracht ist.

Gemeinsam mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Klaus F. Rabe hat Quante diese Woche den mehrere Aktenordner dicken Fördermittelantrag unterzeichnet und nach Kiel geschickt. 69 Millionen Euro erwartet die Klinik, deren Träger die Deutsche Rentenversicherung Nord ist, vom Landesgesundheitsministerium. Ende 2025 soll die Hightech-Klinik fertig sein.

LungenClinic Großhansdorf: Ende 2025 soll die Hightech-Klinik fertig sein

„Wir rücken zusammen“ heißt auch eine Rubrik im Intranet der LungenClinic. Dort berichtet unter anderem ein leitender Oberarzt von seinem Umzug aus dem Einzelzimmer im neunten Stock in ein zum Gemeinschaftsbüro umgewandeltes ehemaliges Patientenzimmer weit unten. „Ich habe die Aussicht in den Wald gegen die Aussicht auf einen modernen Neubau getauscht“, so der Mediziner. Der permanente Austausch mit Kollegen habe zudem etwas Gutes.

Das Lager und die Küche sind bereits ins Ahrensburger Gewerbegebiet Beimoor-Nord ausgegliedert worden. Den Gang zur Cafeteria bauen Handwerker derzeit zur Kantine um. Draußen künden rote Markierungen an vielen Bäumen, dass diese im Weg sind. Nach ersten Planungen sollten 81 Bäume fallen, jetzt sind es noch 58.

„Davon zählen lediglich fünf zur höchsten Schutzklasse“, sagt Susanne Quante. Die Fällgenehmigungen sind bereits beantragt, sodass die Arbeiten mit entsprechender Erlaubnis bis Februar erledigt werden sollen. Als Ersatz werden mehr als 100 Bäume neu gepflanzt. Dabei könnten auch Fichten in einem Wäldchen durch Laubbäume ersetzt werden.

Der alte Vortragssaal bleibt länger erhalten als gedacht

Nach der positiv beschiedenen Bauvoranfrage soll die finale Baugenehmigung Ende dieses Monats beantragt werden. „Dabei erhalten wir in allen Fragen viel Unterstützung aus dem Großhansdorfer Rathaus“, sagt Susanne Quante über die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Aber auch Kommunalpolitiker und Nachbarn ständen dem Projekt positiv gegenüber.

Die Bagger rollen im Januar an. Zu den ersten abzureißenden Gebäuden gehört der Flügel, in dem zuletzt das Corona-Impfzentrum des Kreises untergebracht war. Der alte Vortragssaal (das frühere Kino) kann dagegen noch länger stehen bleiben als zunächst gedacht. „Das ist für alle praktisch, da wir in diesen Pandemie-Zeiten wenigstens einen Raum haben, in dem noch größere Menschenmengen zusammenkommen können“, sagt Quante.

Bettenhaus hat nur noch fünf statt jetzt neun Stockwerke

Herzstück des Neubaus ist das fünfgeschossige Bettenhaus, in dem die Patienten von ihren Zimmern auf Park und Mühlenteich blicken. Das Gebäude ist deutlich niedriger und kompakter als der jetzige, mehr als 60 Jahre alte sogenannte „Turm“ mit neun Stockwerken. „Er wird ganz zum Schluss abgerissen, wenn alle Patienten im Neubau untergebracht sind“, sagt Quante. Ein „Knabberkran“ soll den Altbau von oben nach unten Etage um Etage abbauen. Lediglich die beiden unteren Etagen bleiben stehen.

Die Zahl der Zimmer soll von derzeit 179 auf 211 steigen. Auf Wunsch des Landes ist eine zusätzliche Isolationsstation vorgesehen – eine Lehre aus der Corona-Pandemie. Das Bettenhaus und der Eingangsbereich mit Funktionstrakt werden durch eine verglaste Magistrale verbunden. „Das wird ein Raum der Begegnung, in dem die Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt die Geschäftsführerin. Cafeteria und Vortragssaal sind dort zu finden, sodass auch Tagungen möglich sind.

Von der verglasten Magistrale führt eine Sitztreppe zum Park

Die Planer haben sich bei der Magistrale vom Thema Segel/Luft inspirieren lassen. Eine Sitztreppe führt in den Garten. Der gesamte Neubau erhält ein Gründach. Zudem sind Ladestationen für E-Autos und -Räder geplant sowie E-Car- und -Bike-Sharing für Mitarbeiter geplant.

Die LungenClinic ist auch Lehrkrankenhaus der Universität Lübeck und ein international anerkanntes Forschungszentrum. In Großhansdorf ist die in einem Park am Wöhrendamm gelegene Fachklinik, deren Thoraxchirurgie jährlich mehr als 1000 Operationen ausführt, der größte Arbeitgeber.

Vorläufer war das am 11. Dezember 1900 eingeweihte Genesungsheim mit 50 Betten für „blutarme und bleichsüchtige Rekonvaleszentinnen“ – die Umschreibung für die weit verbreitete Tuberkulose (TBC). 1917 wurde aus dem Krankenhaus ein Genesungsheim für Kinder. 1938 ging der erste OP-Saal in Betrieb, und es wurden wieder Erwachsene behandelt. Von 1958 bis 1961 wurde die heutige Lungenfachklinik gebaut und mehrfach modernisiert. Bis 1970 gab es eine Kinderabteilung mit eigener Schule.

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