Radiologie

Hamburger bauen Strahlentherapie in Reinbek

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René Soukup
Die Kooperation ist besiegelt: Professor Tim Strate (v. l.), Professor Stefan Jäckle und Klinik-Geschäftsführer Björn Pestinger sowie Dr. Christian Giro, Dr. Martin Simon, Dr. Ronald Bischoff und Uwe Pfeifer von der Radiologischen Allianz nach der Vertragsunterzeichnung.

Die Kooperation ist besiegelt: Professor Tim Strate (v. l.), Professor Stefan Jäckle und Klinik-Geschäftsführer Björn Pestinger sowie Dr. Christian Giro, Dr. Martin Simon, Dr. Ronald Bischoff und Uwe Pfeifer von der Radiologischen Allianz nach der Vertragsunterzeichnung.

Foto: St.-Adolf-Stift

Radiologische Allianz kooperiert mit Reinbeks Klinik St.-Adolf-Stift. Dreigeschossiges Gebäude kostet mit Inventar 18 Millionen Euro.

Reinbek.  Im kommenden Jahr soll die Versorgung von Krebspatienten in Reinbek optimiert werden. Dann plant die Radiologische Allianz, eine überörtliche Gemeinschaftspraxis mit 15 Standorten in Hamburg, an denen mehr als 70 Ärzte tätig sind, den Bau einer Strahlentherapie neben dem Krankenhaus St.-Adolf-Stift. Das Gebäude hat drei Geschosse, 18 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Das Grundstück an der Hamburger Straße vergibt die Klinik in Erbpacht an seinen Partner. Es befindet sich in Hanglage. Jetzt wurden die Verträge unterschrieben.

In dem Haus sind sowohl eine ambulante Radiologie, eine nuklearmedizinische Behandlung als auch eine Strahlentherapie und -diagnostik von Patienten vorgesehen. Klinikärzte und niedergelassene Onkologen stimmen sich eng ab. Als Mieter konnte ein histologisches Labor gewonnen werden, damit die Wege bei der Diagnostik von Gewebeproben und Abstrichen verkürzt werden.

Professor Tim Strate, Chefarzt der Chirurgie, sagt: „Aktuell werden sogenannte Schnellschnitte von einer laufenden Operation per Auto in die Pathologie nach Hamburg gebracht, um sicher zu gehen, dass das gesamte Tumorgewebe entfernt wurde. Wenn unser Pathologe seine Zweigstelle bald vor Ort hat, sparen wir wertvolle Zeit und unnötige Transportkosten. Die Patienten erhalten die beste Therapie bei einer kürzeren Operationszeit.“

Linearbeschleuniger geben Strahlung nur auf betroffene Tumorareale ab

Bereits jetzt ist die Tumortherapie im St.-Adolf-Stift ein Schwerpunkt. Ob in der Bauchchirurgie, der Urologie, der Frauenheilkunde, der Endoskopie des Magen-Darm-Traktes, in der Radiologie oder in der Abteilung für Onkologie: Die Spezialisten der Klinik behandeln in enger Verzahnung mit niedergelassenen Ärzten viele Krebspatienten. „Was vor Ort noch fehlte, war eine Strahlentherapie.

Unsere Patienten fahren derzeit nach Hamburg oder gar bis nach Lübeck“, sagt Professor Stefan Jäckle, der Ärztliche Direktor. „Dabei benötigen gerade Krebspatienten während der akuten Behandlungsphase in Krankenhaus und Praxis eine enge Zusammenarbeit und Absprache der behandelnden Ärzte sowie auch im Anschluss in der Nachsorge eine individuelle Betreuung.“

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Dr. Christian Giro, in der Geschäftsführung der Radiologischen Allianz zuständig für den Bereich Strahlentherapie, beschreibt die Arbeitsweise so: „Zunächst ist ein fundiertes medizinisches Wissen durch uns Ärzte sowie durch Medizinphysiker notwendig, die für jeden Patienten sehr individuell die Dosis berechnen und eine ideale Lagerung festlegen. Hinzu kommen Therapie- und Diagnostikgeräte auf neuestem technologischen Stand. Die modernen Linearbeschleuniger geben die Strahlung sehr präzise aus verschiedenen Richtungen und Formen nur auf die betroffenen Tumorareale ab, sodass die umgebenden Organe geschont werden, während der Krebs in der Zellteilung behindert wird.“

Allein die medizinischen Geräte kosten rund 3,5 Millionen Euro

Dr. Ronald Bischoff ist ebenfalls Gesellschafter. Laut dem Arzt kann in einigen Fällen wie bei bestimmten Arten von Prostata- oder Lungenkrebs durch die Strahlentherapie auf eine Operation verzichtet werden. Bischoff bietet schon jetzt ein- bis zweimal pro Woche eine Sprechstunde für ambulante und Krankenhauspatienten in Reinbek an.

Die Radiologische Allianz hat zwei Architekturbüros für das Projekt engagiert. Allein die medizinischen Geräte kosten rund 3,5 Millionen Euro. Weitere drei Millionen Euro sind für den sogenannten Bunker samt Lüftungstechnik und Stromversorgung vorgesehen. Aus Gründen des Strahlenschutzes sind die Wände des Behandlungsraums, in dem das Therapiegerät steht, aus Schwerbeton. Die Bauanträge werden nun gestellt. „Wir haben die meisten Gewerke bereits zusammen“, sagt Giro.

Klinik versorgt pro Jahr rund 19.000 Patienten stationär

Das Reinbeker Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren erweitert, hatte mit dem Umbau im April 2016 begonnen. Außerdem wurden viele Millionen Euro in Geräte investiert. Zum Beispiel in ein strahlungsarmes Herzkatheterlabor, das zu den modernsten in Norddeutschland zählt. Die Klinikleitung warb zudem Mediziner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ab. 2019 wurde das St.-Adolf-Stift von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) ausgezeichnet, erhielt das Zertifikat „Kompetenzzentrum Oberer Gastrointestinaltrakt“. Dabei geht es um die Chirurgie des Magens und der Speiseröhre.

Das Krankenhaus in Stormarns zweitgrößter Stadt ist seit 2014 eine gemeinnützige Gesellschaft im Elisabeth Vinzenz Verbund (EVV), einem bundesweiten Zusammenschluss katholischer Krankenhäuser sowie weiterer Einrichtungen im Gesundheits- und Sozialwesen. Pro Jahr werden im St.-Adolf-Stift 19.000 Patienten stationär und 25.000 ambulant versorgt.

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