Sommersaison

Wird das Freibad Poggensee doch noch gerettet?

| Lesedauer: 5 Minuten
Finn Fischer
Das Freibad Poggensee in Bad Oldesloe ist seit Jahrzehnten ein beliebter Ausflugsort für Menschen aus der Region.

Das Freibad Poggensee in Bad Oldesloe ist seit Jahrzehnten ein beliebter Ausflugsort für Menschen aus der Region.

Foto: HA

Bisher kein Betreiber für Oldesloer Badestelle gefunden. Durch Bauverzögerung in Bargeheide könnte Personal frei werden.

Bargteheide/Bad Oldesloe.  Weil der bisherige Dienstleister den Vertrag mit der Stadt Bad Oldesloe nicht verlängert hat und es dadurch an Rettungsschwimmern fehlt, droht dem Freibad Poggensee die Schließung. Hilfe könnte jetzt aus Bargteheide kommen. Die Sanierungsarbeiten in dem dortigen Freibad dauern, wie berichtet, länger als erwartet, sodass sich der Saisonstart erheblich verzögern oder die Öffnung in diesem Jahr sogar komplett ausfallen könnte. Sollte das der Fall sein, hat die Kreisstadt angeboten, die Rettungsschwimmer einzusetzen.

Seit Jahrzehnten ist die Badestelle im Oldesloer Ortsteil Poggensee ein beliebter Ausflugsort für Menschen aus der Kreisstadt und dem Umland. Die Schließung wäre für viele Familien eine kleine Katastrophe. Bis 2020 hatten die Stadtwerke Wahlstedt als Dienstleister das Personal für die Bewachung der Badestelle gestellt, nach der Saison aber den Vertrag nicht verlängert.

Der Betrieb ist finanziell ein kalkuliertes Verlustgeschäft

Seitdem sucht die Stadt nach einem Nachfolger. Doch die Suche verlief bislang ohne Erfolg. „Leider ist es nicht so, dass sich bei einer Ausschreibung dutzende Interessenten melden und wir dann die Wahl haben“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke. Bis auf einen Dienstleister gab es nur solche, die aus dem Freibad einen Campingplatz machen wollten. Doch das gibt derzeit weder der Bebauungsplan her noch ist eine Umwidmung politisch gewollt.

Wir haben auch ein Angebot von einem Dienstleister bekommen, der Personal gestellt hätte – aber das wäre für die Stadt sehr teuer geworden.“ Bislang kostet der Betrieb die Stadt jährlich rund 50.000 Euro. Der Bewerber verlangte einen mittleren sechsstelligen Betrag. Um diese Mehrkosten zu kompensieren, hätten die Eintrittspreise von derzeit ein bis zwei auf rund zehn Euro pro Tag angehoben werden müssen. So seine Kostensteigerung bei den Ticketpreisen will die Stadt jedoch vermeiden, weil das Bad von Menschen genutzt wird, die sich keinen Sommerurlaub leisten können. Dadurch ist der Betrieb finanziell ein kalkuliertes Verlustgeschäft.

Für Campingplatz müsste ein neuer Bebauungsplan her

Eine Umwidmung zu einem Campingplatz kommt zumindest derzeit nicht in Frage. Lembke: „Wir sind auch für so etwas grundsätzlich offen, aber das wäre ein längerer Prozess. Der Bebauungsplan müsste geändert werden, und letztendlich ist das eine Entscheidung, die die Politik treffen muss.“ Die Badesaison 2021 könnte dadurch nicht gerettet werden. Sämtliche Gespräche mit möglichen Dienstleistern verliefen ergebnislos. Auch bei Vereinen wie der DLRG fragte die Stadt an. Hintergrund war, dass der Oldesloer Ortsverein der DLRG seit Jahren ohnehin ein neues Vereinsheim sucht. Politisch gab es daher die Anregung, bei den Lebensrettern anzufragen, ob diese das Freibad als neues Domizil nutzen wollen und im Gegenzug die Aufsicht übernehmen. Doch mit ausschließlich ehrenamtlichen Rettungsschwimmern hätte das Freibad nicht an sieben Tagen in der Woche überwacht werden können.

Bargteheider Freizeitbad wird nicht rechtzeitig fertig

Vor etwa einer Woche kam dann die Meldung aus Bargteheide: Das dortige Freizeitbad kann nicht rechtzeitig zum Saisonbeginn freigegeben werden, weil sich der Abschluss der Sanierungsarbeiten verzögert. Was für dortige Schwimmer ärgerlich sein dürfte, könnte für Bad Oldesloe zu einem Glücksfall werden. „Wir sind da in Gesprächen und können uns vorstellen, das Personal für diese Saison zu beschäftigen“, sagt Bürgermeister Lembke, der mit seiner Amtskollegin Birte Kruse-Gobrecht aus der Nachbarstadt bereits Kontakt aufgenommen hat.

Eine Fertigstellung des Bauvorhabens in Bargteheide war laut anfänglichem Zeitplan für Mitte Juli 2021 vorgesehen. Wie das ausführende Architekturbüro mitteilte, kam es aufgrund der Witterungslage im Februar mit Frost und Schnee zu einer Verzögerung. Rund vier Wochen ist die Sanierung hinter dem ursprünglich aufgesetzten Zeitplan, so dass mit einer Fertigstellung nicht vor Mitte August zu rechnen ist. Ergänzend hierzu ist zu berücksichtigen, dass bereits zwei Gewerke signalisiert haben, dass aktuell mit längeren Lieferfristen bestimmter Baumaterialien zu rechnen ist. Das könnte dazu führen, dass auch eine Öffnung einen Monat nach Saisonbeginn nicht eingehalten werden kann.

Sommerferien enden bereits Anfang August

Da die Sommerferien in diesem Jahr in Schleswig-Holstein besonders früh beginnen und bereits am 1. August enden, ist es fraglich, ob sich eine Öffnung überhaupt lohnt. „Die Besucherzahlen sind erfahrungsgemäß nach den Ferien deutlich geringer. Theoretisch ist somit eine Badesaison von vier Wochen möglich“, sagt die Bargteheider Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht.

Letztendlich werden die Stadtvertreter in Bargteheide entscheiden, wie in diesem Jahr mit der Öffnung des Freizeitbades umgegangen wird. In der Sitzung am 25. März wird dann auch der Vorschlag aus Bad Oldesloe auf den Tisch kommen und beraten werden.

Doch auch wenn die Bargteheider Politik dem Angebot aus Bad Oldesloe zustimmt, ist das nur eine temporäre Lösung. Voraussichtlich würden die drei Rettungsschwimmer und ein Azubi weiterhin über die Stadt Bargteheide angestellt sein und Bad Oldesloe die für die Saison anfallenden Personalkosten ersetzen. Wie es dann im nächsten Jahr weitergeht ist völlig unklar.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn