Hygienevorschriften

In Delingsdorf gibt’s Baumkauf ohne Glühwein und Wurst

| Lesedauer: 5 Minuten
Filip Schwen
Enno Glantz verkauft Nordmanntannen auf seinem Erdbeerhof in Delingsdorf. In diesem Jahr machen ihm die Corona-Auflagen zu schaffen.

Enno Glantz verkauft Nordmanntannen auf seinem Erdbeerhof in Delingsdorf. In diesem Jahr machen ihm die Corona-Auflagen zu schaffen.

Foto: Filip Schwen

Corona-Auflagen bringen Einschränkungen für Kunden und Händler. Weihnachtsmarkt fällt aus. Enno Glantz rechnet mit höherer Nachfrage.

Delingsdorf.  Kaum ist die erste Kerze auf dem Adventskranz angezündet, beginnt sie in vielen Familien aufs Neue: Die Suche nach dem perfekten Weihnachtsbaum. Nicht selten wird der Baumkauf zum Gemeinschaftsausflug, bei dem auch der Becher Glühwein und die Bratwurst in der Hand nicht fehlen dürfen. In diesem Jahr ist wegen der Corona-Auflagen vieles anders: Nicht nur die Baumsuchenden müssen sich umstellen, auch die Händler stellt die Pandemie vor Herausforderungen. „Glühweinausschank und Bratwurstbude sind in diesem Jahr nicht möglich“, sagt Enno Glantz, Inhaber des gleichnamigen Erdbeerhofs in Delingsdorf.

Einige Besucher bringen Glühwein in Thermoskanne mit

Während des Lockdowns dürfen Speisen und Getränke derzeit nur zum Mitnehmen verkauft werden. Glühwein- und Grillstände zählen nicht zum Außer-Haus-Verkauf, weil der Verzehr meist direkt vor Ort erfolgt. „Da spielt es leider keine Rolle, dass die Gäste bei uns draußen sind, wo die Ansteckungsgefahr ohnehin deutlich geringer ist als in geschlossenen Räumen“, sagt Glantz. Viele Gäste bedauerten den Wegfall des kulinarischen Angebotes. Glantz: „Die Leute wollen ein Event.“ Der Hofbesitzer beobachtet, dass viele Besucher sich selbst Abhilfe schaffen: „Einige bringen sich ihren Glühwein einfach in der Thermoskanne mit.“

Er habe in regelmäßigem Kontakt mit dem Gesundheitsamt gestanden, um noch eine Lösung für die Verkaufsstände zu finden. „Wir hätten uns das mit Hygieneauflagen zugetraut“, betont Glantz. Dem Delingsdorfer geht durch den Lockdown ein großer Teil der Einnahmen aus dem wichtigen Weihnachtsgeschäft verloren. „Es sind nicht nur die Verkaufsstände, auch unser traditioneller Weihnachtsmarkt muss ausfallen, das Glantz & Gloria bleibt beschlossen“, sagt er.

Die Erdbeerernte war in diesem Jahr besonders gut

Bereits während der Spargel- und Erdbeerzeit im Frühjahr habe das Hofrestaurant nicht öffnen können. „Das sind die Zeiträume, in denen wir einen großen Teil unseres Geschäfts machen“, betont Glantz. „Nur mit der Erdbeerernte, die in diesem Jahr besonders gut war, haben wir ein bisschen was wieder rausgeholt.“ Mit kreativen Ideen möchte der Erdbeerhof zumindest einen Teil des Weihnachtsgeschäftes retten. Eine davon ist die „Gans to go“. Glantz: „Das Gansessen im Restaurant ist Tradition, da haben wir uns gedacht, dann gibt es das jetzt einfach zum mitnehmen.“

Wochentags zwischen 16 und 18 Uhr kann das Menü inklusive Beilagen bis Weihnachten telefonisch geordert werden, am folgenden Wochenende steht es dann zur Abholung bereit. Den Wintergarten des Restaurants hat Glantz kurzerhand umfunktioniert, um die Verkaufsfläche des Dekorationsgeschäftes „Glantz Haus“ zu erweitern. Hier bietet der Hof jetzt einen Teil der Stücke an, die sonst auf dem Weihnachtsmarkt verkauft worden wären. In das Weihnachtsbaumgeschäft setzt Glantz große Hoffungen. „Möglicherweise steigt der Absatz, weil in diesem Jahr kaum jemand über die Feiertage verreist.“

Auf dem gesamten Areal gilt eine Maskenpflicht

Für den Verkauf hat Glantz ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet. Die meisten Tannen hat Glantz in Halterungen mit Abständen aufgestellt, damit es zu keinem Gedränge beim Wühlen zwischen den Bäumen kommt, dazu ein Einbahnstraßensystem eingeführt. Auf dem gesamten Areal gilt die Maskenpflicht. Im Angebot hat der Erdbeerhof ausschließlich Nordmanntannen in Größen zwischen 1,20 und drei Metern. „Die Nordmanntanne bleibt der Weihnachtsbaum Nummer Eins“, sagt Glantz. Daran werde sich wohl in naher Zukunft nichts ändern. „Die Art sticht nicht und fängt erst spät an zu nadeln, das macht sie zum perfekten Tannenbaum.“

Preislich lägen die Tannen in diesem Jahr zwischen 19 und 70 Euro. Selbstschlagen ist in diesem Jahr auf dem Erdbeerhof nicht möglich. „Die Bäume in unserer Plantage müssen noch wachsen“, so Glantz. Wer dennoch selbst aktiv werden möchte, kann zur „Pflückwiese“ gehen. Dort hat Glantz die Bäume in Halterungen in der Erde gesteckt, sodass die Kunden sich ihren Baum „ziehen“ können, als Ersatz für das Sägen.

Hier können Sie Ihren Baum selbst schlagen

Einige Händler in Stormarn bieten Christbaumsuchenden wieder die Möglichkeit, ihre Tanne selbst zu schlagen. Das Abendblatt gibt eine Übersicht ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Ammersbek: Forstbaumschule Dirk Wagner, Lübecker Straße 19 a, geöffnet: bis 24.12. tägl. 9.00–17.00, Preise je Meter: Rotfichte 14 Euro, Blaufichte 18 Euro, Nordmanntanne 20 Euro, Korea-Tanne 20 Euro

Grande: Pferdehof Masler-Puls, Rausdorfer Straße 16, geöffnet: bis 24.12. tägl. 9.00–19.00, Preise je Meter: Rotfichte 7–8 Euro, Blaufichte 12,50 Euro, Nordmanntanne 20 Euro. Hof Rosenau, Rausdorfer Straße 1, geöffnet: bis 24.12. 9.00–17.00, Preise je Meter: Rotfichte 10 Euro, Blaufichte 15 Euro, Nordmanntanne 22 Euro

Reinbek: Weihnachtsbaumverkauf Reinbek, Sachsenwaldstraße 14, geöffnet: bis 23.12. tägl. 10.00–16.30, 24.12. 10.00–12.00, Nordmanntannen und Blaufichten, Preise: jeder Baum 25 Euro. Gut Schönau, Schönauer Weg 22, geöffnet: bis 23.12. tägl. 10.00–16.00, Nordmanntannen in drei Preisklassen nach Größe: 30 Euro, 37 Euro, 60 Euro

Witzhave: Witzhaver Weihnachtsbaumplantage, an der Ecke Möllner Landstraße/Feldweg (direkt an der Abfahrt zur Autobahn 24), geöffnet: bis 24.12. 10.00–18.00, Preise je Meter: Rotfichte 6 Euro, Blaufichte 12 Euro, Frazer-Tanne 15 Euro, Nordmanntanne 20 Euro.

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