Einkaufszentrum

Famila kappt Pläne für das Bargteheider Gewerbegebiet

Tristesse am östlichen Eingangstor von Bargteheide: Die nicht mehr zeitgemäße Famila-Filiale am Redder soll einem Neubau weichen.

Tristesse am östlichen Eingangstor von Bargteheide: Die nicht mehr zeitgemäße Famila-Filiale am Redder soll einem Neubau weichen.

Foto: Melissa Jahn

Verkaufsfläche wird noch einmal deutlich verkleinert: Futterhaus und Dänisches Bettlager passen ihre Pläne an neue Gesamtgröße an.

Bargteheide.  Ist das der große Durchbruch in der lang anhaltenden Debatte um die Überplanung der Famila-Fläche im Gewerbegebiet Langenhorst? Wie die Unternehmensgruppe Bartels-Langness (Bela) jetzt mitgeteilt hat, sind die vorgesehenen Verkaufsflächen noch einmal um 700 auf 6000 Quadratmeter reduziert worden. „Wir möchten dadurch die Brisanz aus der politischen Diskussion nehmen und ein rechtssicheres Bauleitplanverfahren im Sinne aller Beteiligten ermöglichen“, sagt Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz.

Erstplanung sah doppelt so viel Verkaufsfläche vor

Möglich geworden sei die Reduzierung, weil das Futterhaus, der Fachmarkt für Tierbedarf, seine Filiale auf eine Verkaufsfläche von 650 Quadratmetern beschränken will. Das Dänische Bettenlager verzichtet hingegen auf 50 Quadratmeter und plant nun mit einer Größe von 1200 Quadratmetern. „In der Addition mit der geplanten Fläche für den Famila-Neubau von 4100 Quadratmetern und dem Außenbereich von 50 Quadratmetern umfasst die Planung nun exakt 6000 Quadratmeter Verkaufsfläche“, so Lahrtz.

Wie bereits mehrfach berichtet, hatte das Kieler Unternehmen am Redder ursprünglich ein Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 10.750 Quadratmetern samt 350 Parkplätzen geplant. Dort sollte die alte Famila-Filiale nicht nur ersetzt und um 1000 auf dann 4200 Quadratmeter erweitert werden, zuzüglich 500 für eine Mall mit Shops in der Vorkassenzone. Zudem waren auf dem weitläufigen Terrain vier flankierende Fachmärkte und eine Tankstelle geplant.

Viele Händler aus dem Stadtzentrum protestierten

Dagegen regte sich von Beginn an massiver Protest, vor allem seitens der Händler im Stadtzentrum. Dennoch hatte der Ausschuss für Planung und Verkehr in seiner Sitzung am 24. September die bauliche Entwicklung auf 6700 Quadratmetern mehrheitlich befürwortet. Dass Bela sein Konzept nun von sich aus erneut modifiziert und verkleinert hat, wird von vielen Fraktionen der Stadtvertretung ausdrücklich gelobt.

„Wir begrüßen, dass Famila die Kritik am ursprünglichen Konzept aufgenommen und sich noch einmal bewegt hat. Es ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagt SPD-Fraktionschef Mehmet Dalkilinc. So sieht es auch sein Pendant bei der Wählergemeinschaft für Bargteheide (WfB), Norbert Muras. „Diese Entwicklung ist hoffentlich jetzt zu aller Zufriedenheit. Damit wird sich zugleich den Landesvorgaben angenähert, die für ein Unterzentrum wie Bargteheide sogar nur Gewerbeprojekte von bis 5000 Quadratmetern vorsehen“, so Muras.

FDP beklagt freiwilligen Verzicht auf Steuereinnahmen

Der Beifall ist indes weit nicht so einmütig, wie der Vorsitzende der WfB-Fraktion glaubt. So sehen die Freien Demokraten (FDP) keineswegs Anlass für Applaus. „Wir haben wenig Verständnis, dass dem Investor hier so viele Beschränkungen auferlegt worden sind, das ist kleinkariert und schädlich“, sagt Gorch-Hannis la Baume. Der Stadt gingen dadurch wertvolle Steuereinnahmen verloren und niederschwellige Arbeitsplätze, die bei der Ansiedlung eines Baumarktes auch möglich gewesen wären.

Für die Grünen hat sich an der grundsätzlichen Problematik der Konkurrenz zum Handel im Zentrum der Stadt unterdessen rein gar nichts verändert. „Das Bela-Projekt wird die Situation in der Rathausstraße nachhaltig verändern, das wurde durch Experten und das Gutachten des renommierten Büros bulwiengesa mehrfach bestätigt“, so die Vorsitzende Ruth Kastner.

Kommunalpolitik soll Wettbewerb nicht verhindern

Dieses Argument mag CDU-Fraktionschef Mathias Steinbuck nicht teilen. „Famila mit Bäcker, Post, Café und Lottoladen, einen Möbelmarkt und eine Tankstelle gab und gibt es an gleicher Stelle doch schon – und niemanden hat es gestört. Wir können die Innenstadtrelevanz der jetzt am Redder vorgesehenen Sortimente nicht sehen“, so Steinbuck. Zumal es nicht Ziel der Kommunalpolitik sein könne, Wettbewerb prinzipiell zu verhindern.

Widerspruch erntet er derweil in seiner eigenen Partei. Der bekannte Immobilienmakler und Projektentwickler Horst Gibbesch etwa konstatiert schon jetzt einen wachsenden Leerstand im Innenstadtbereich und massive Einbußen bei Vermietung und Verpachtung von mehr als 20 Prozent. „Mir fallen auf Anhieb sechs leerstehende Läden und viele ungenutzte Büroflächen ein. Das hat es in diesem Ausmaß in Bargteheide seit vielen Jahren nicht mehr gegeben“, sagt Gibbesch.

Geschäftsführer sieht Fachmärkte als Bereicherung

Seiner Ansicht nach werde sich die Lage absehbar noch verschärfen, da etliche Geschäftsleute ihre Mietverträge entweder nicht verlängern wollten, oder aber deutlich niedrigere Mieten forderten. „Vor diesem Hintergrund sehe ich das Bela-Projekt äußerst kritisch. Es wird die schon jetzt grassierende Verunsicherung im Einzelhandel verstärken“, so Gibbesch. Das gefährde das Einzelhandelsgefüge in der Innenstadt und werde zu Lasten ihrer Lebendigkeit gehen.

Famila-Geschäftsführer Christian Lahrtz lässt sich von solchen Bedenken derweil nicht beirren. „Der Zuzug der beiden Fachmärkte wird eine Bereicherung für Bargteheide sein“, ist der Bela-Manager überzeugt.