Gedenken

Stolperstein soll an den Oldesloer Robert Kersten erinnern

Ilse Siebel (Bündnis gegen Rechts), Bürgermeister Jörg Lembke (l.) und der Stadtverordneten Torben Klöhn mit Robert Kerstens Stolperstein.

Ilse Siebel (Bündnis gegen Rechts), Bürgermeister Jörg Lembke (l.) und der Stadtverordneten Torben Klöhn mit Robert Kerstens Stolperstein.

Foto: Finn Fischer

Der Sozialdemokrat wurde im Jahr 1945 im Konzentrationslager Neuengamme ermordet. Eine Gedenkfeier ist für den 1. September geplant.

Bad Oldesloe. Weil Robert Kersten Sozialdemokrat war, wurde der Oldesloer 1945 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Neuengamme umgebracht. Künftig soll ein sogenannter Stolperstein vor seinem Wohnhaus in der Kreisstadt an ihn und damit auch an die Nazi-Verbrechen erinnern.

Kersten zog 1934 als Kriegsinvalide nach Bad Oldesloe

Der Oldesloer SPD-Stadtverordnete Torben Klöhn blickt ernst auf die Todesurkunde, die am 27. Februar 1945 im KZ Neuengamme ausgestellt wurde. Der Name Robert Kersten steht auf dem vergilbten aber sonst gut erhaltenen Dokument. Zeitpunkt des Todes: 5 Uhr. Er wurde 61 Jahre alt. „Es ist erschreckend, dass das alles so akribisch und bürokratisch festgehalten wurde“, sagt Klöhn. Dass die Todesurkunde noch existiert, ist hingegen nicht selbstverständlich. Zum Kriegsende hatten die Nazis versucht, die Zeugnisse des systematischen Massenmordes an den Juden zu vernichten. Unzählige Dokumente gingen in Rauch auf, wie zuvor die unschuldigen Opfer des Regimes. Die Unterlagen, die die die Festnahme und den Tod von Robert Kersten belegen, nicht. Sonst wäre vielleicht nie bekannt geworden, was mit dem Oldesloer passierte, nachdem ihn die Nazis festnahmen.

Kersten, der auf Rügen geboren wurde, zunächst in Stralsund erst in der KPD und später in der SPD aktiv war, zog 1934 als Kriegsinvalide nach Bad Oldesloe. Politisch aktiv war der Eisenbahner anschließend nicht mehr. Doch die frühere Tätigkeit bei der politischen Linken reichte den Nazis, um in ihm einen Volksfeind zu sehen. Nach dem missglückten Hitler-Attentat 1944 nahm die Gestapo etwa 5000 SPD- und KPD-Funktionäre fest. Unter ihnen war auch Robert Kersten.

Corona-Pandemie verzögerte die Verlegung des Stolpersteins

„Er kam erst ins Gefängnis nach Lübeck, dann nach Kiel und letztendlich nach Neuengamme“, sagt Ilse Siebel vom Bündnis gegen Rechts. Er habe nicht damit gerechnet, dass er dort zu Tode kommen würde.

Eigentlich sollte der Stolperstein bereits im April verlegt werden. Der Künstler und Erfinder der Stolpersteine, Gunter Demnig, war bereits eingeladen und hatte zugesagt. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Jetzt gibt es einen neuen Termin. Am 1. September um 16 Uhr wird die SPD die Besucher vor dem ehemaligen Wohnhaus Kerstens am Kirchberg 4 begrüßen. Anschließend ist ein Dialog zwischen Ilse Siebel und Stadtarchivarin Sylvina Zander geplant. Vor der eigentlichen Stolpersteinverlegung werden Konfirmanden der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde aus Korrespondenzen lesen, die Robert Kersten zu Lebzeiten verfasst hatte. Nach dem eigentlichen Akt wird ein Schüler der Ida-Ehre-Schule Gitarre spielen, das Schlusswort spricht der ehemalige Landes-Justizminister Klaus Klingner aus Bad Oldesloe