Stormarn
Ausbildung

Vorerst keine neue Berufsschule in Reinbek

Die Berufliche Schule in Ahrensburg hält für die Schüler in den holzverarbeitenden Berufen eine komplette Tischlerwerkstatt vor.

Die Berufliche Schule in Ahrensburg hält für die Schüler in den holzverarbeitenden Berufen eine komplette Tischlerwerkstatt vor.

Foto: Lutz Wendler

Kreis befürchtet eine Schwächung der etablierten Standorte. 841 Stormarner Schüler werden aktuell außerhalb Stormarns unterrichtet.

Ahrensburg/Reinbek.  Braucht Stormarn einen dritten Berufsschulstandort im Süden des Kreises? Dieses Thema hat jetzt erneut den Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Kreises beschäftigt, der sich zu seiner jüngsten Sitzung in der Beruflichen Schule Ahrensburg getroffen hat. Mit Einsichten, die das im September 2018 forcierte Wunschprojekt von SPD und Grünen mehr denn je in Frage stellt. „Die FDP hatte sich mit dem Vorhaben bereits lange zuvor beschäftigt“, sagt FDP-Fraktionsvize Thomas Bellizzi. Seinerzeit sei es allerdings nicht mehrheitsfähig gewesen. „Da die bestehenden Berufsschulen in Ahrensburg und Bad Oldesloe inzwischen massiv ausgebaut worden sind, ist die Chance aus unserer Sicht dahin“.

Genehmigung des Landes sei nicht zu erwarten

Aktuell besuchen 841 Jugendliche Berufsschulen außerhalb Stormarns, wofür der Kreis im Vorjahr Schulkostenbeiträge in Höhe von knapp 1,04 Millionen Euro an auswärtige Schulträger überweisen musste. Deshalb hatte sich die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoll sei, Berufsschüler durch eine dritte Schule in den Kreis zurückzuholen. Insbesondere jene aus dem Süden Stormarns, die zumeist lange Wege nach Ahrensburg und in die Kreisstadt auf sich nehmen müssen. Und sich deshalb zum Teil eher nach Hamburg und Mölln orientieren.

Die unverhohlene Skepsis der Freien Demokraten wird allerdings durch einen aktuellen Sachbericht der Kreisverwaltung bestätigt. „Aus unserer Sicht gibt es nicht nur finanzielle, sondern auch handfeste logistische, organisatorische und inhaltliche Gründe, die gegen einen dritten Standort sprechen“, sagt Wilhelm Hegermann, Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport der Kreisverwaltung. Ganz abgesehen davon, dass es für gänzlich neue Standorte, wie für die Einrichtung neuer Ausbildungsgänge an bereits bestehenden Schulen, grundsätzlich der Genehmigung des Landes bedürfe, die nach vorläufigen Erkenntnissen nicht zu erwarten sei.

Viele der Berufsschüler pendeln nach Lübeck

Um einen Ausbildungszweig zu etablieren, müssen pro Lehrjahr mindestens 24 Schüler gemeldet sein. Diese Prämisse wäre aktuell bei keinem Bildungsgang erfüllt. So gibt es zwar 41 Stormarner, die sich an der Landesberufsschule in Kiel zu Anlagenmechanikern ausbilden lassen. Allerdings verteilt auf drei Ausbildungsjahrgänge, so wie bei etlichen anderen Ausbildungsberufe auch.

Das Gros der außerhalb des Kreises unterrichteten Berufsschüler pendelt gen Norden aus, insbesondere nach Lübeck. An der Gewerbeschule werden unter anderem 30 Stormarner zu Köchen und 25 zu Hotelfachleuten ausgebildet, an der Hanse Schule je 17 zu Versicherungskaufleuten und Steuerfachangestellten, an der Emil-Possehl-Schule 50 zu Fachinformatikern sowie 24 zu Telekommunikationselektronikern.

Unternehmen wünschen sich ortsnahe Schulen

„Nicht vergessen werden sollte in der Diskussion auch, dass mit einer dritten Berufsschule die vorhandenen Standorte automatisch geschwächt würden“, gibt die Ausschussvorsitzende Kirstin Krochmann (CDU) zu Bedenken. Die in Ahrensburg und Bad Oldesloe mit großem Aufwand aufgebauten Personal- und Raumkapazitäten müssten auch in Zukunft sinnvoll ausgelastet werden.

Für die Mechatroniker-Ausbildung wurden etwa an beiden Berufsschulen komplett ausgestattete Werkstätten und Fachräume eingerichtet. „Die Ausstattung weiterer Fachräume an einem dritten Standort wäre nicht wirtschaftlich“, so Hegermann. Überdies gebe es Kooperationen mit mehreren Unternehmen, die auch ein großes Interesse hätten, dass die schulischen Einheiten möglichst ortsnah erfolgen.

Eine Schnellbuslinie für Berufsschüler im Gespräch

„Die mit einem dritten Standort verbundenen Veränderungen für die Bildungsgänge und die daraus entstehenden Schülerströme sind sachlich nicht zu vertreten, da sie die gegebenen Strukturen an den beiden etablierten Standorten schädigen würden“, sagt Wilhelm Hegermann. Zumal eine weitere Berufsschule auch eine erhebliche logistische Herausforderung bedeuten würde. Lehrkräfte müssten etwa lange Pendelwege auf sich nehmen. Und im konkreten Falle einer Außenstelle für die Erzieherausbildung wären Kitas gezwungen, mit zwei Schulen zu kooperieren und sich inhaltlich abstimmen zu müssen.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder, dass der Kreis für eine bessere Anbindung der Berufsschulen sorgen sollte. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Schüler aus dem Süden Stormarns derzeit 75 Minuten nach Ahrensburg unterwegs, aus Trittau sind es 60 Minuten. Die Schulleiter favorisieren deshalb eine so genannte Schnellbusverbindung. „Die gab es meines Wissens vor vielen Jahren schon einmal, ist aber aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt worden“, so Kirstin Krochmann. Es könne aber nicht schaden, eine aktuelle Kostenschätzung vorzunehmen, um die Dauer der An- und Abfahrt für die Berufsschüler im Kreis zu verkürzen.