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Moia verliert wichtigen Testmarkt im Hamburger Umland

Rückschlag für Moia: Der geplanten Erweiterung nach Stormarn hat die Ahrensburger Lokalpolitik eine Absage erteilt.

Rückschlag für Moia: Der geplanten Erweiterung nach Stormarn hat die Ahrensburger Lokalpolitik eine Absage erteilt.

Foto: Mark Sandten / HA

Warum die Politik dem VW-Projekt eine Absage erteilte, wer stattdessen den Zuschlag bekommt – und wie viel das Ahrensburg kosten wird.

Ahrensburg. Die gold-schwarzen Elektro-Kleinbusse von Moia werden vorerst nicht durch Ahrensburg rollen. Die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses haben dem Vorhaben der VW-Tochter, einen öffentlich geförderten Testbetrieb in der Schlossstadt zu starten, eine Absage erteilt. Stattdessen beschlossen die Politiker bei einer Sondersitzung am Mittwochabend einstimmig, ein Modellprojekt mit Konkurrent Ioki zu realisieren.

loki bietet mit zwölf Monaten längeren Probebetrieb als Moia

Zunächst sollen die Shuttles voraussichtlich über einen Zeitraum von zwölf Monaten in Ahrensburg eingesetzt werden. Start könnte schon in diesem Jahr sein. Wie bei Moia handelt es sich um ein On-Demand-Angebot. Das heißt: Kunden müssen die Transfers individuell anfordern. „Wir verstehen uns als Ergänzung, nicht als Ersatz des Öffentlichen Personennahverkehrs“, sagte Ioki-Projektplaner Michael Wurm bei der Vorstellung in Ahrensburg. Pendler sollen mit den Shuttles beispielsweise zum nächsten U-, S- oder Regionalbahnhof fahren können, wenn es für die Strecke keine geeignete Busverbindung gibt. Auch Fahrten in den späten Abendstunden sind möglich. Tariflich ist das Angebot in den ÖPNV integriert. Kunden benötigen ein HVV-Ticket, zahlen für die Nutzung des Ioki-Shuttles dann eine Zusatzgebühr. In den Hamburger Stadtteilen Lurup, Osdorf und Billbrook, in denen die Fahrzeuge bereits unterwegs sind, liegt sie bei einem Euro.

„In kaum einer anderen Stadt in Schleswig-Holstein ist die Auto-Dichte so hoch wie in Ahrensburg. Davon müssen wir endlich runterkommen“, sagte Peter Egan, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft WAB. Für dieses Vorhaben sei Ioki der bessere Partner. „Das Angebot muss mit den Bussen ineinandergreifen“, sagte er. Ein weiterer Pluspunkt sei der längere Probebetrieb von zwölf Monaten. „So viel Zeit benötigen wir mindestens, um auch ältere Menschen an das neue Angebot zu gewöhnen.“ Moia wollte dagegen voraussichtlich nur sechs Monate testen.

Erst Kostenschätzung geht von 845.000 Euro aus

Auch die Preise spielten bei der Entscheidung der Politiker eine Rolle. „In Hamburg verlangt Moia sechs bis acht Euro pro Fahrt, in Ahrensburg würde es noch teurer werden“, sagte Jasper Lauert (Grüne). „Wer bezahlt so viel Geld für eine zwei bis drei Kilometer lange Fahrt in die Innenstadt? Damit vertreiben wir den motorisierten Verkehr nicht aus dem Zentrum.“ Auch für Erik Schrader (Linke) sprechen die Preise für Ioki, genauso wie die Anbindung an den ÖPNV. „In den Randzeiten haben wir beim Busverkehr große Lücken, da sollten wir die Bedingungen verbessern.“

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Björn Schönefeld, ÖPNV-Experte in der Kreisverwaltung, empfahl Ahrensburg ebenfalls einen Umstieg auf Ioki. „Die Integration in den ÖPNV ist der entscheidende Vorteil“, sagte er. Er gab aber auch zu bedenken, dass Ioki für die Kommunen sehr teuer sei. Eine erste Kostenschätzung geht von etwa 845.000 Euro pro Jahr für vier Fahrzeuge aus, die von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr in der Nacht unterwegs sind. „Das ist ein Drittel des Etats, den wir aktuell im Raum Ahrensburg für den gesamten Busverkehr ausgeben.“ Um Ioki auch außerhalb des Förderzeitraums in Ahrensburg installieren zu können, „müssen wir von den hohen Kosten runter“.

Wie es weitergeht, entscheidet sich in kommenden Wochen

Zum Hintergrund: Die nationale Plattform „Zukunft der Mobilität“ der Bundesregierung will verschiedene umweltfreundliche Verkehrsangebote testen, um daraus Handlungsempfehlungen für die Mobilität der Zukunft in ganz Deutschland zu entwickeln. Als ein Test-Standort wurde Ahrensburg ausgewählt. Ursprünglich sollte in der Schlossstadt ein On-Demand-Angebot mit Moia außerhalb der Metropole erprobt werden. Angedacht waren zum Beispiel ein Zubringer-Service zum Hamburger Flughafen oder ein Shuttle-Dienst für Pendler vom Ahrensburger Bahnhof ins Gewerbegebiet. Die Ergebnisse sollten wissenschaftlich ausgewertet werden.

Wie das Projekt jetzt mit Ioki ausgestaltet wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Bis 12. Februar muss die Stadtverwaltung einen Förderantrag stellen. Da Ioki ein weiteres Förderprojekt im Raum Brunsbek/Rausdorf plant, ist es laut Schönefeld wichtig, dass Ahrensburg dabei Alleinstellungsmerkmale herausarbeitet. „Sonst kann es passieren, dass sie das Projekt streichen.“ Denkbar sei zum Beispiel, dass Abend- und Spätverkehre in Ahrensburg künftig über Ioki abgewickelt werden. Ein weiteres Ziel könnte sein, Stadtteile wie Ahrensfelde, Am Hagen und Wulfsdorf besser anzubinden.

Konzept soll Verkehrsströme in Ahrensburg analysieren

Ob der Antrag bewilligt wird, entscheidet sich im März. Erst dann ist klar, wie hoch die Förderung ausfallen wird. Ist der Politik die Quote zu gering, könnte die Stadt laut Klimaschutzmanagerin Jule Lehmann noch von dem Projekt zurücktreten. Ioki habe aber angeboten, sich die nicht förderfähigen Kosten mit Ahrensburg zu teilen.

Im ersten Schritt will Ioki ein Konzept entwickeln, das die Verkehrsströme in Ahrensburg genau analysiert und die Bedarfe aufdeckt. Wo sind besonders große Versorgungslücken? Welche Verbindungen sind bereits gut und können so bleiben? Darauf aufgebaut soll das Shuttle-Angebot geplant werden.

„Wenn Ioki von uns das Startsignal bekommt, wäre der Dienst zwölf Wochen später betriebsbereit“, sagte Jule Lehmann. Im Unterschied zu Moia, die eine Sondergenehmigung für ihren Betrieb benötigen, fährt Ioki unter einer Linienbuskonzession.