Stormarn
Bauprojekt

Discounter Lidl vergrößert sein Zentrallager in Siek

Der Anbau soll sich in Form und Höhe direkt an das bestehende Logistikzentrum anschließen. Die Straße Jacobsrade ist jetzt eine Sackgasse.

Der Anbau soll sich in Form und Höhe direkt an das bestehende Logistikzentrum anschließen. Die Straße Jacobsrade ist jetzt eine Sackgasse.

Foto: Manfred Giese

Erster Spatenstich für mehr als 9000 Quadratmeter großen Anbau. Konzern braucht mehr Platz für Ware zur Belieferung von 70 Filialen.

Siek. Der Discounter-Konzern Lidl hat den ersten Spatenstich für den Ausbau des Zentrallagers in Siek gemacht. Die Quadratmeterfläche erhöht sich von derzeit rund 36.000 auf fast 46.000. Das entspricht sechs großen Fußballfeldern. Die 14 Meter hohe Halle im Gewerbegebiet Jacobsrade direkt an der Autobahn 1 war im Januar 2010 eingeweiht worden. Ein 2000 Quadratmeter großer Anbau für die Kühlung von gefrorenen Teiglingen für die Aufbackstationen in den Filialen kam 2013 hinzu.

70 Filialen werden von Siek aus beliefert

Schon im nächsten Jahr soll der aus Platzgründen dringend benötigte Anbau stehen. „Wir hoffen, dass wir nur Monate und nicht Jahre damit zu tun haben“, sagt Jan Krause, Geschäftsführer der Lidl Vertriebs-GmbH & Co. KG Siek. Diese beliefert nicht nur 70 Filialen in dem Gebiet von Hamburg-Ost bis Lübeck, sondern ist auch für das Personal und die Immobilien zuständig.

„Im Jahresverlauf gibt es im Lager große Schwankungen, zu Spitzenzeiten platzen wir aus allen Nähten“, sagt Krause. Das sei beispielsweise in den Weihnachtswochen so oder vor den Maifeiertagen, aber auch bei Sonderaktionen wie mit großen Gartenmöbeln im Sommer.

Frische-Sortiment ist von 400 auf 470 Artikel gestiegen

Die Erweiterung, die sich in Form und Höhe an die bestehende Halle anschließt, werde auch wegen der Ausweitung des Frischesortiments (Molkereiprodukte, Salate, Fleisch und Fisch) gebraucht, das in einem auf vier Grad Celsius gekühlten Hallenteil steht. „Ursprünglich hatten wir gut 400 Artikel in diesem Bereich, mittlerweile sind es bis zu 470“, sagt Lagerleiter Gerd Kreutze.

Die Nachfrage nach Bio-Artikeln wachse ständig, aber auch Produkte wie Ingwer-Shot und Weidemilch seien gefragt. Gerade im Hamburger Raum falle zudem auf, dass die Kunden bereit seien, etwas mehr Geld für besondere Produkte auszugeben.

Am kältesten ist es mit minus 24 Grad in der Tiefkühlhalle, in der unter anderem Paletten mit Eis, Pizza und Fertiggerichten stehen. Die Akkus für die blauen Boxen, in denen die Ware in die Filialen kommt, liegen sogar bei minus 50 Grad in einem Extraraum. „So können wir die Kühlkette einhalten und auch dokumentieren“, sagt Jan Krause. Da das Dach komplett mit Solaranlagen bestückt ist, sei der zusätzliche Energiebedarf relativ gering. Die Abwärme der Kühltechnik werde für die Fußbodenheizung der anderen Hallen genutzt.

Täglich bringen Lastwagen 2000 Paletten in die Läden

Sämtliche Kommissionierer sind mit Kopfhörern unterwegs: So bekommen sie direkt alle Infos, wie viel von welcher Ware auf die jeweilige Palette kommt. „Beim Packen achten wir darauf, dass möglichst hoch gebaut wird, damit wir auch die Höhe der Lastwagen ausnutzen können“, sagt Gerd Kreutze. Das gelingt offensichtlich recht gut: Eine Lkw-Auslastung von 92 Prozent sei überdurchschnittlich. Allein aus dem Frischebereich verlassen jeden Tag 500 bis 1000 Paletten das Logistikzentrum. Der gesamte Tagesdurchschnitt liegt bei 2000 Paletten. Die Arbeiter sammeln die Ware im Zickzackkurs an allen Regalen: Ganz unten stehen die schweren Dinge wie Konserven, ganz oben die leichten wie Kartoffelchips. Rund um die Uhr sind 30 bis 35 Lidl-Lastwagen zwischen Siek und den Filialen unterwegs, erledigen täglich 60 bis 80 Touren.

Laut Auskunft aus der Zentrale soll sich die Zahl mit der Erweiterung jedoch nicht erhöhen. Einzig Obst und Gemüse sind nicht mit an Bord. „Das wird von unseren Lieferanten direkt in die Geschäfte gebracht“, sagt Jan Krause, „so ist die Ware frischer, weil wir einen Umschlagtag im Lager sparen.“

Der Baubeginn ist für Februar vorgesehen

Die für den Anbau benötigte Wiese südlich des bestehenden Gebäudes gehört dem Unternehmen bereits seit Jahren. Erste Erweiterungspläne gab es im Jahr 2013. Um die direkte Verbindung zur jetzigen Halle zu ermöglichen, ist die ehemalige Ringstraße Jacobsrade bereits auf etwa 200 Metern abgerissen und von zwei Seiten zur Sackgasse gemacht worden. Noch bis Mitte Dezember ist eine Tiefbaufirma damit beschäftigt, Rohre und Leitungen umzulegen.

Es entstehen zwei neue Wendehammer an der Lidl-Zufahrt und in Höhe des Autohandels ACR. Der Hansdorfer Weg, ein Fuß- und Radweg mit Knick, erhält eine geringfügig veränderte Route. Für Februar ist der eigentliche Baubeginn vorgesehen. Zu den Kosten hat die Konzernzentrale in Neckarsulm (bei Heilbronn) keine Angaben gemacht. In Deutschland gibt es inzwischen rund 3200 Filialen und 83.000 Mitarbeiter. Im Sieker Logistikzentrum arbeiten circa 150 Menschen. Weitere 55 sind in der Verwaltung beschäftigt, die ebenfalls einen 460 Quadratmeter großen Anbau bekommt. Dort entstehen auch neue Besprechungsräume sowie eine Cafeteria mit Terrasse. Zudem werden an beiden Seiten der Lagerhalle Fahrer-Lounges eingerichtet, in denen die Trucker Pause machen oder sich erfrischen können.

Sieker Verein erhält Scheck von Lidl-Managern

„Wir freuen uns, dass sich der Standort so gut entwickelt“, sagt Sieks Bürgermeister Andreas Bitzer (CDU) zum Abendblatt. Für die Gemeinde bedeute das Arbeitsplätze in der Nähe und Steuereinnahmen. „Vor einem Jahrzehnt waren nicht alle Bürger positiv gestimmt, aber Proteste gibt es längst nicht mehr.“ Das von einigen befürchtete Verkehrschaos sei ausgeblieben. „Die Staus an der Autobahnauffahrt verursachen die vielen Autos von Pendlern und nicht die Lastwagen“, so Bitzer. Der Umbau der Jacobsrade zur Sackgasse habe einen positiven Nebeneffekt: Damit ist die Strecke nicht mehr interessant für illegale Autorennen.

Grund zur Freude hat auch der Verein Kinder- und Jugendarbeit Siek. Die Vorsitzende Steffi Werner bekam von den Lidl-Managern aus Anlass des ersten Spatenstichs einen Scheck über 1000 Euro. „Das Geld können wir gut für Anschaffungen für unsere beiden Theatergruppen mit ihren 26 Mitgliedern gebrauchen“, sagt sie.