Stormarn
Braak

Bürger sind sich uneins über die Ortsentwicklung

Bürger durften mithilfe von Aufklebern Bebauungsflächen vorschlagen oder ablehnen.

Bürger durften mithilfe von Aufklebern Bebauungsflächen vorschlagen oder ablehnen.

Foto: Eileen Meinke

100 Bürger bei Auftaktveranstaltung für ein neues Konzept. Architekt stellt mögliche Potenzialflächen vor, die bebaut werden könnten.

Braak. Wohin und wie soll sich die Gemeinde Braak in den nächsten zehn bis 20 Jahren entwickeln? Diese Frage stellten sich rund 100 Bürger der 984 Einwohner zählenden Gemeinde, die der Auftaktveranstaltung zur Ortsentwicklung beiwohnten. Der Abend stand ganz im Zeichen der Bevölkerung und sollte ihr die Möglichkeit geben, sich in die Planungen miteinzubringen. Vor Ort war auch Braaks Bürgermeister Hans-Ulrich Schmitz, um sich die Sorgen und Wünsche anzuhören. Was deutlich wurde: Die Bürger haben ganz unterschiedliche Vorstellungen.

Zunächst klärte Oliver Kühle, Geschäftsführer des für die Ortsentwicklung zuständigen Ingenieurs- und Architekturbüros B2K und dn Ingenieure aus Kiel, über die rechtlichen Rahmenbedingungen auf. „Braak ist Teil des Ordnungsraums Hamburg“, sagte der Architekt. Alle baulichen Projekte haben sich daher an den Landesentwicklungsplan (LEP) zu halten. Laut diesem darf die Gemeinde in den kommenden 20 Jahren um 15 Prozent wachsen. Kühle: „Das bedeutet mit Blick auf die Wohnungen, dass bis 2030 noch 58 Einheiten gebaut werden dürfen.“ Schaffung von neuem Wohnraum ist nicht nur in Braak ein aktuelles Thema. „Überall in der Nähe von Ballungsgebieten ist dieser knapp“, so Kühle. Wegen der Nähe zu Hamburg und auch zur Ostsee sei der Ort attraktiv.

Viele Bürger schätzen die ländliche Umgebung

Anschließend stellte er die Flächen vor, die das Architekturbüro nach einer Ortsbegehung als Potenzialareale für Bebauung einordnet. Das bereitete Anwohnern Sorge. Detlev Flohr (57), der vor sechs Jahren aus Billstedt in den Ort kam, war alarmiert. Eine der Potenzialflächen liegt vor seiner Haustür an der Straße Achterhoff. Flohr sagte: „Sollte dieser Bereich bebaut werden, könnte ich mir nicht mehr vorstellen, hier zu wohnen.“ Die ländliche Umgebung sei der Grund für seinen Umzug gewesen. Herbert Nellern (81) fürchtet ebenfalls, dass die Gemeinde zu viele Grünflächen verliert. Anders sehen es Ursula (82) und Manfred Buchwald (85), beide würden sich über neue Wohnungen und Zuwachs freuen.

Bürgermeister Schmitz betonte noch einmal, wie wichtig die Meinung der Bürger an diesem Abend sei: „Wir wollen all ihre Sorgen und Nöte hören.“ Dabei half ein Luftbild von Braak, auf dem Besucher durch das Aufkleben unterschiedlich farbiger Punkte entscheiden sollten, welche Flächen für sie zur Bebauung infrage kommen. Rot steht für Bereiche, die nicht verändert werden sollen. Grün für Flächen, mit deren Entwicklung sie einverstanden sind. Viele rote und grüne Punkte bedeckten später das Bild.

Die Entscheidungen, wo gebaut wird, treffen die Politiker

„Das Ergebnis zeigt, wie unterschiedlich ihre Vorstellungen sind“, sagte Architekt Kühle. Dies sei erwartbar gewesen und mache nicht weniger Hoffnung auf ein gutes Ortsentwicklungskonzept. Er betonte, die gezeigten Pläne seien lediglich Rahmenpläne. Die Entscheidung, wo gebaut wird, treffen die Politiker. Am Ende bekamen die Gäste einen Fragebogen. Sie haben vier Wochen Zeit, diesen aufzufüllen und Wünsche abzugeben. Beim nächsten Treffen werden Ergebnisse vorgestellt.