Stormarn
Kinderrechte

Das ist das Programm der Stormarner Kindertage

Präsentieren das offizielle Plakat, der 19. Stormarner Kindertage (v.l.): Antje Hundertmarkt, Uwe Sommer, Ingo Loeding und Michael Eggerstedt.

Präsentieren das offizielle Plakat, der 19. Stormarner Kindertage (v.l.): Antje Hundertmarkt, Uwe Sommer, Ingo Loeding und Michael Eggerstedt.

Foto: Pia Rabener

95 Veranstaltungen umfassen die 19. Kindertage im Kreis. Der Schwerpunkt liegt dieses Mal auf dem Land.

Ahrensburg/Reinbek. „Wir haben so viele Kinderrechte, um die noch gekämpft werden muss“, sagt Ingo Loeding, Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Stormarn. Für das Recht auf Mitbestimmung und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen will der Kreis mit seinen 19. Kindertagen erneut ein Zeichen setzen. Die größte Kinderrechtsveranstaltung der Bundesrepublik, sie umfasst in diesem Jahr 95 Veranstaltungen an elf Tagen im gesamten Stormarner Kreisgebiet.

Die Auftaktveranstaltung am Montag, 16. September, mit einer Podiumsdiskussion im Ahrensburger Kulturzentrum Marstall steht unter dem Motto „Pädagogik trifft auf Politik“. Vor fast 30 Jahren wurde die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen auch in Deutschland eingeführt und bedeutete einen Fortschritt auf dem Weg hin zu einem kinderfreundlichen und gerechten Deutschland.

Es geht um die Mitbestimmungsrechte von Kindern

„Bestandteil des Grundgesetzes sind die Kinderrechte hingegen immer noch nicht“, sagte Michael Eggerstedt, Kinderbeauftragter des Kreises. Doch die Chancen stünden gut, dass es bald dazu kommen könnte. Die unmittelbar damit zusammenhängende Gesetzesänderung sei Bestandteil des aktuellen Koalitionsvertrages und werde bereits seit Juni vergangenen Jahres in der zuständigen Bund-Länder-Gruppe diskutiert.

Wie viel Mitbestimmungsrecht sollte Kindern eigentlich zustehen? Und was hätten sie überhaupt davon, wenn ihre Rechte im Grundgesetz verankert würden? Diese und viele andere Fragen werden am 16. September ab 17 Uhr diskutiert von Hans-Werner Harmuth, Kreispräsident und Schirmherr der Kindertage, Jörg Maywald, Geschäftsführer des Netzwerks zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, Sönke Rix, familienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, und Anette Schmitt. Sie ist Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Stormarn.

Rund 20.000 Stormarner Kinder leben auf dem Dorf

Die Kinder und Jugendlichen des Kreises werden vertreten durch die 13-jährige Emma und den 18 Jahre alten Daniel. Emma ist die zuletzt gewählte stellvertretende Bürgermeisterin der Kinderstadt Stormini, Daniel ist Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirates der Stadt Ahrensburg. Die Veranstaltung moderiert Ingo Loeding, der auch seine Gäste dazu auffordern wird, sich an der Debatte zu beteiligen.

In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt der zweiwöchigen Kindertage auf dem Land. Das geringe Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche auf dem Dorf ist der Anlass für die Verteilung der Veranstaltungen auch außerhalb der sechs Städte im Kreis. In 23 Gemeinden sind in diesem Jahr 22 Veranstaltungen geplant. Von den 41.348 Kindern Stormarns lebt zurzeit etwa die Hälfte auf dem Dorf. Wem die Begriffe „Campen, Looten und Droppen“ so gar nichts sagen, der dürfte sich für die gleichnamige Veranstaltung am 17. September im Kreissitzungssaal in Bad Oldesloe interessieren. Von 10 bis 17 Uhr sollen Mitarbeiter des sozialpädagogischen Bereiches über E-Sport und Gaming aufgeklärt werden.

Auch Computerspiele werden thematisiert

Aktuelle Debatten über die Auswirkungen von Computerspielen auf Jugendliche werden im Laufe des Fachtages ausgewertet und die Relevanz dieser Spiele für die Jugend erläutert. Zudem werden Fachvorträge über Suchtgefahr und Gewalt sowie das Testen von Spielen angeboten. „Über das Thema Gaming informiert zu sein, ist für die Jugendarbeit von Vorteil, um präventiv wirksam werden zu können“, sagt Uwe Sommer vom Kreisjugendring Stormarn mit Blick auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen, zu der Computerspiele nun einmal dazu gehören würden.

Der Arbeiterwohlfahrt Stormarn (Awo), die ein weiterer Initiator der Stormarner Kindertage ist, liegen die Kinderrechte ebenfalls sehr am Herzen, so Antje Hundertmarkt von der Arbeiterwohlfahrt. Kinder hätten einen Anspruch auf genug Zeit für ein ruhiges Aufwachsen und eine Betreuung durch Fachkräfte. „Die Diskussion über die unterschiedlichen Ansprüche von Jung und Alt wird viel zu selten geführt“, sagt sie und spricht sich ebenfalls für eine stärkere Beteiligung von Jugendlichen aus. Zusätzlich zu zahlreichen Vorlesestunden, Spielangeboten durch das „Elefanto Spielmobil“ und Workshops für Eltern, wird es auch in diesem Jahr wieder die Fähnchenaktion vor dem Ahrensburger Schloss geben.

Anlässlich des Weltkindertages am 20. September werden dieses Jahr 7000 blaue Fähnchen als Zeichen gegen Kinderarmut auf der Wiese vor dem Schloss platziert. „Eigentlich müssten es dieses Jahr 7003 Fähnchen sein“, bedauert Ingo Loeding, denn die Zahl der Kinder im Kreis, die in Armut leben, sei erneut gestiegen.

Wieder eine Fähnchenaktion vor dem Ahrensburger Schloss

Mit finanziellen Mitteln in Höhe von 5500 Euro ist Radio Hamburg erstmaliger Sponsor der Fähnchenaktion und ruft mit „Hörer helfen Kindern“ zur Unterstützung auf. Sechs weitere Veranstaltungen der 19. Stormarner Kindertage befassen sich mit dem Thema Kinderarmut. Uwe Sommer lobt die Organisatoren für ihr herausragendes Engagement: „Stormarn sticht mit seinen Bemühungen und einem eng verbundenen Netz aus vertrauensvoller Zusammenarbeit für Kinderrechte hervor.“