Stormarn
Klimaschutz

Reinfelder dämmen die Plastikflut mit „Beutelbäumen“ ein

Markant-Marktleiter Marco Ripke (2. von links) freit sich über die neuen Beutelbäume, die von den Schülern Malte Lupi, Ricardo Poretta, Ben Vielitz und Erik Jahnke aufgestellt wurden

Markant-Marktleiter Marco Ripke (2. von links) freit sich über die neuen Beutelbäume, die von den Schülern Malte Lupi, Ricardo Poretta, Ben Vielitz und Erik Jahnke aufgestellt wurden

Foto: Finn Fischer

In Stormarn fallen jedes Jahr 6850 Tonnen Plastikmüll an. Eine Gruppe von Schülern hilft nun dabei, die Menge zu verringern.

Reinfeld/Bad Oldesloe. Mit Beutelbäumen gegen die Plastikflut: In mehreren Geschäften haben Schüler in Reinfeld Jutebeutel-Ständer aufgestellt. Kunden können sich kostenlos bedienen, wenn sie eine Tasche für ihre Einkäufe benötigen. Plastiktüten sollen vermieden werden. In Bad Oldesloe und Ahrensburg gibt es ähnliche Projekte.

In keinem anderen EU-Land wird so viel Verpackungsmüll produziert und weggeworfen wie in Deutschland. Laut der Verbraucherzentrale sind es pro Kopf und Jahr beachtliche 220 Kilogramm. Kein Wunder: So gut wie alle Lebensmittel aus Supermärkten sind in Kunststoff eingepackt. Und heimwärts transportiert werden die Einkäufe zu häufig in Plastiktüten.

Zumindest dieses Problem wollen Schüler aus Reinfeld angehen und Kunden in ihrer Stadt eine Alternative bieten. Bei Markant und in weiteren Geschäften in der Innenstadt gibt es nun Jutebeutel zum Ausleihen. „Wir haben uns im Unterricht lange mit dem Müllproblem beschäftigt, wollten in unserer Projektarbeit etwas tun“, sagt Erik Jahnke (15) von der Immanuel-Kant-Schule. Mit seinen Mitschülern Malte Lupi (16), Ricardo Poretta (18) und Ben Vielitz (15) hat er nun Beutelbäume in Geschäften aufgestellt, die zuvor im Unterricht gebaut wurden.

Kunden können sich kostenlos bedienen

Das Konzept ist einfach: Kunden können sich an den Aufstellern kostenlos bedienen. 250 Jutebeutel für den Projektstart hat der Handelsverein Reinfeld gesponsert. „Die Taschen haben eine gute Öko-Bilanz“, sagt Linda Witte vom Aktionskreis „plastikfreies Reinfeld“, die das Projekt initiiert hat. „Wenn Kunden ihren eigenen Jutebeutel zu Hause vergessen, oder mehr als geplant kaufen, können sie sich am Beutelbaum bedienen“, sagt Witte. Beim nächsten Mal könne dieser oder ein anderer Beutel wieder mitgebracht werden. Das Projekt soll die Reinfelder auch dazu animieren, zu Hause ungenutzte Jutebeutel wieder in Umlauf zu bringen.

Markant-Marktleiter Marco Ripke musste von den Beutel-Ständern nicht erst überzeugt werden, sagt: „Wir haben schon Anfang des Jahres sämtliche Plastiktüten aus unserem Laden verbannt, es gibt nur noch Mehrwegbeutel und Papiertüten.“ Jetzt hofft er darauf, dass noch mehr Kunden auf Einwegtüten verzichten werden. Seit Herbst 2018 gibt es Beutelbäume bei Budni in Ahrensburg. Auch dort waren es Schüler, die das Projekt starteten. In Bad Oldesloe ist es Karin Hoffmann, Lokalpolitikerin der Grünen, die an einem Stand auf dem Wochenmarkt (mittwochs und sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr) Jutebeutel, Eierkartons und Obstschalen ausgibt.

2020 ersetzt Wertstofftonne in Stormarn den gelben Sack

Wie wichtig es ist, auch als Verbraucher auf die Menge eigenen Mülls zu achten, zeigen aktuelle Zahlen der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), die in Stormarn für die Entsorgung zuständig ist. Demnach fallen jedes Jahr 6850 Tonnen Plastikmüll an. Vieles davon wird von den Verbrauchern falsch sortiert. Deswegen wird der Abfallentsorger 2020 eine neue Wertstofftonne einführen, die die gelben Säcke ersetzen soll. Umweltschützer kritisieren, dass die EU zu wenig gegen die Kunststoffflut unternimmt. Denn häufig wird der Plastikmüll in andere Länder exportiert und landet im Ozean. Schätzungen zufolge sind es 85 Millionen Tonnen an Kunststoff-Abfällen, die mittlerweile in den Meeren schwimmen, die Umwelt verschmutzen und Tiere in Gefahr bringen.

„Darüber wird ja gerade viel in den Medien berichtet. Da merke ich immer, dass die Nachfrage nach kunststofffreien Artikeln steigt“, sagt Angela Klingbiel. Sie ist die Inhaberin des Reinfelder Reformhauses und nun ebenfalls im Besitz eines Beutelbaumes. Weitere Taschenspender gibt es bei der Bäckerei Rohlf und im Bauernladen Dölger.

Es soll in Reinfeld nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben. „Reinfeld plastikfrei“ hat in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelaufsicht des Kreises ein Verfahren zum plastikfreien Einkauf auf dem Wochenmarkt entwickelt. Derzeit ist ein Tauschsystem für Coffee-To-Go-Becher in Arbeit.