Stormarn
Prozess

Mann schießt Bekanntem ins Bein – zwei Jahre auf Bewährung

Der Prozess wurde vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verhandelt.

Der Prozess wurde vor dem Amtsgericht in Ahrensburg verhandelt.

Foto: Christian Thiesen

Beteiligte einigen sich vor Ahrensburger Amtsgericht auf Strafmaß. Täter ist geständig, lebt heute in „geordneten Verhältnissen“.

Ahrensburg. Es ist ein Vorfall der fassungslos macht: Der 31-Jährige Adam G. (alle Namen geändert) sucht im März vergangenen Jahres mitten am Tag die Wohnung eines Freundes in Begleitung seiner damaligen Freundin auf. Dort schießt er einem Bekannten mit einem abgesägten Kleinkaliber-Gewehr in den Oberschenkel. Keiner der zuvor rausgeschickten Gäste ruft die Polizei oder einen Krankenwagen. Das Opfer, Arian H., holt im Schock erst noch sein Fahrrad und schiebt es nach Hause. Erst am nächsten Tag ruft er unter starken Schmerzen die Rettung, die ihn ins Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek bringt und die Polizei informiert. Dort muss er zwei Mal operiert werden.

Vor dem Ahrensburger Amtsgericht kommt es am Donnerstag auf Anregung der Verteidigung zu einer Verständigung zu Beginn der Verhandlung. Die Beteiligten einigen sich auf ein maximales Strafmaß von zwei Jahren auf Bewährung, wenn der Angeklagte ein Geständnis ablegt, dessen Inhalt sich während der Verhandlung als stimmig erweist.

Schicksalsschläge warfen Adam G. aus der Bahn

Adam G. sagt: „Ich habe in kurzer Zeit Job, Großmutter und Vater verloren und wollte meine Probleme mit Alkohol, Drogen und Medikamenten vergessen.“ Neben Bier habe er auch Kokain konsumiert und gekifft. „Ich war ein anderer Mensch“, sagt der gebürtige Pole, der sich einige Wochen nach der Tat versuchte, mit Valium das Leben zu nehmen. Mit Arian H., habe er sich einige Tage vor der Tat geprügelt, habe sich auf der Party mit der versteckt mitgebrachten Waffe wieder Respekt verschaffen wollen. Das Opfer sagt: „Ich sollte mich auf den Boden knien und entschuldigen. Ich wollte jedoch keine Schwäche zeigen und bin auf ihn zugegangen.“

Adam G. habe erst auf seinen Kopf und dann auf sein Bein gezielt und abgedrückt, sei dann verschwunden. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass er wirklich schießt“, sagt Arian H. Schütze Adam G. sagt aus, nach der Tat noch mit Freunden gegrillt zu haben. Das Gewehr habe er sich bereits rund ein Jahr zuvor mit abgesägtem Lauf auf einem Markt in Polen gekauft. „Ich wollte damit nur im Garten Schießen üben“, sagt Adam G. Die Waffe wurde erst fünf Monate später nach seinem Umzug nach Berlin bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt, zusammen mit einer Machete und einer Armbrust. Eine Überprüfung der Behörden habe jedoch ergeben, dass der Besitz letzterer legal ist, so der Richter.

Der Selbstmordversuch und die Tatsache, dass ihn seine Mutter in ihrem Haus aufnahm, habe schließlich sein Leben verändert. „Ich habe jetzt einen Job, bin verheiratet und habe vor drei Monaten ein Kind bekommen“, sagt Adam G. vor dem Amtsgericht.

Bewährung nur mit Bedenken

Neben mehreren Verfahren wegen Körperverletzung, Diebstahls und Verkehrsdelikten hatte der Angeklagte im Mai vergangenen Jahres jedoch unter Drogeneinfluss noch zwei Polizeibeamte in Berlin angegriffen. Außerdem hat Adam G. rund 50.000 Euro Schulden. Da sich das Geständnis des Angeklagten in der Verhandlung als zutreffend erwies, fühlte sich das Gericht auf eine am Morgen getroffene Verständigung gebunden, schöpfte das vereinbarte Strafmaß von zwei Jahren für die gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit dem Führen einer Waffe jedoch voll aus.

„Die Bewährung bekommen Sie nur mit Bedenken“, sagt der Richter. Sowohl die Vorstrafe aus Berlin, als auch das geplante Vorgehen bei der Tat hätten sich strafverschärfend ausgewirkt. Das Geständnis, die Schicksalsschläge und die Drogenproblematik hätten strafmildernd gewirkt. „Ausschlaggebend für die Bewährung sind die stabilen Lebensverhältnisse“, sagt der Vorsitzende. Adam G. muss sich nun drei Jahre lang bewähren, eine Suchttherapie machen und 2000 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer zahlen. Verstößt er gegen die Auflagen oder wird erneut straffällig, muss er die Haftstrafe antreten.