Skoliose

Ohne Spenden kann Diana nicht überleben

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Melissa Jahn
Diana Ruban aus der Ukraine benötigt für ihre Skoliose-Operation eine Spende. Hier mit Wulf Garde und Olga Kotova vom Verein Pryvit.

Diana Ruban aus der Ukraine benötigt für ihre Skoliose-Operation eine Spende. Hier mit Wulf Garde und Olga Kotova vom Verein Pryvit.

Foto: Melissa Jahn

Die 17-Jährige, die in der Nähe von Tschernobyl geboren wurde, braucht dringend eine OP. Großhansdorf sammelt Spenden.

Grosshansdorf. Diana Ruban aus der Ukraine will leben. Doch ohne eine Operation geben die Ärzte ihr maximal zehn Jahre Zeit. Der Grund: Die 17 Jahre alte Schülerin leidet an einer Skoliose, einer starken Verformung der Wirbelsäule. Diese Fehlbildung führt dazu, dass lebenswichtige Organe abschnürt werden und Dianas Lunge nur noch zu 27 Prozent arbeitet. Um dem Mädchen die lebenswichtige Operation in Deutschland zu ermöglichen, sammelt der Verein Pryvit aus Großhansdorf nun Spenden. 20.000 Euro werden noch benötigt.

Im Juni kommen zunächst die Abschlussprüfungen, dann möchte Diana studieren und Informatikerin werden. Das Vorbild der nur 1,52 Meter großen Schülerin ist eine Internet-Bloggerin, einen Online-Kursus in Programmiersprache hat sie bereits absolviert. Ob sie sich ihren Traum jedoch jemals erfüllen kann, ist noch unklar. Obwohl Diana täglich kämpft und mit beiden Beinen im Leben zu stehen versucht, ist der Alltag zunehmend anstrengend. Sportunterricht in der Schule ist schon lange nicht mehr möglich, ebenso das Hochheben schwerer Gegenstände. „Diana beschwert sich nicht und geht ausgesprochen offen mit dem Thema um“, sagt Pryvit-Vorstandsmitglied Olga Kotova, die als Übersetzerin dabei ist. „Doch vor allem nachts hat sie große Probleme, Luft zu bekommen.“

Tschernobyl: Menschen leiden bis heute

Die Schülerin kommt aus dem Norden des Landes, nur 80 Kilometer von Tschernobyl entfernt, dort wo vor 33 Jahren der Atomreaktor explodiert ist. Und wo die bisher größte nukleare Katastrophe der Menschheit die einstige Kornkammer der Ukraine zur ärmsten Region des Landes gemacht hat.

Bis heute leidet die Bevölkerung auch körperlich unter den Folgen des Unglücks – Krebserkrankungen, eine hohe Arbeitslosigkeit und Armut bestimmen den Alltag zahlreicher Familien. Auch Dianas Mutter findet seit Jahren keine Arbeit, weshalb der Familie das Geld fehlt, um die sogenannte Zone Zwei zu verlassen. Ob auch Dianas Erkrankung auf die radioaktive Belastung zurückzuführen ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Klar ist allerdings, dass ihre Wirbelsäule bereits seit der Geburt stark verformt ist.

Großhansdorfer Verein hilft

Um das Leid der Kinder zu mindern und ihnen neuen Lebensmut zu schenken, engagiert sich der Verein Pryvit aus Großhansdorf seit 2011 für die Menschen aus der Tschernobyl-Region. Bis zu 20 Kinder kommen jeden Sommer in das Landschulheim Erlenried, um sich drei Wochen lang zu erholen und medizinisch durchchecken zu lassen – neben dem Ahrensburger Zahnschiff steht auch ein Besuch der Park-Klinik Manhagen und der Schön-Klinik in Hamburg auf dem Programm.

Diana war ebenfalls im vergangenen Jahr dabei – und soll nun wiederkommen. „Von den Ärzten haben wir den Tipp bekommen, sie in der Neustädter Schön-Klinik vorzustellen“, sagt Vereinsgründer Wulf Garde. „Doch das Ergebnis war ernüchternd.“ Im März dieses Jahres wurde Diana mit Röntgenaufnahmen, MRT und CT genauestens durchgecheckt sowie ihre aktuelle Lungenfunktion getestet. Doch obwohl das Skoliosezentrum der Schön-Klinik auf Operationen dieser Art spezialisiert ist und im Jahr 300 Patienten mit Skoliose behandelt, sei der Ausgang der OP nicht absehbar. „Die Diagnose war für Diana zuerst ein Schock“, sagt Wulf Garde. „Sie hat sich jedoch dazu entschlossen, das Risiko einer Querschnittslähmung in Kauf zu nehmen. Es ist toll, wie sie für ihre Ziele kämpft.“

Ärzte verzichten auf Honorar

Die Einverständniserklärung der Mutter liegt vor, nun fängt das Bangen um das Geld an. Denn obwohl die behandelnden Ärzte, Prof. Dr. Henry Halm und Dr. Uwe Platz, auf ihr Honorar verzichten, fallen Krankenhauskosten in Höhe von 30.000 Euro an, Anschlusskosten für die Reha noch nicht eingerechnet. Eine Operation in der Ukraine sei jedoch keine Alternative, da das Vertrauen in die Ärzte nicht vorhanden sei, die Kosten zudem wesentlich höher. „Ein Drittel der Kosten haben wir nun gesichert, 20.000 Euro sind noch offen“, sagt Garde. „Das Geld müssen wir so schnell wie möglich zusammenbekommen, da die nächsten Kinder bereits am 20. Juli zu uns nach Großhansdorf reisen.“

Neben einem Besuch der Sternwarte und einer Ballettaufführung war ein Mini-Praktikum in einer IT-Firma Dianas persönlicher Höhepunkt ihrer Deutschlandreise. „Ob sie ihr Studium früher oder später beginnen kann, ist jetzt jedoch völlig unwichtig“, sagt Kotova. „Jetzt geht es darum, dass sie überhaupt wieder auf zwei Beinen stehen kann.“

Weitere Informationen: www.pryvit.de Spendenkonto: Pryvit – Hilfe für Tschernobyl-Kinder e. V., IBAN: DE 1620 0505 5012 4115 0828, BIC: HASPDEHHXXX, Hamburger Sparkasse, Stichwort: Hilfe Diana Ruban

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