Neue Idee

Bargteheider Kaufleute wollen Parkplätze nur für Paketboten

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Melissa Jahn
Wolfgang Sarau, erster Vorsitzender des Rings Bargteheider Kaufleute, zeigt einen möglichen Stellplatz für Paketzusteller an der Rathausstraße.  

Wolfgang Sarau, erster Vorsitzender des Rings Bargteheider Kaufleute, zeigt einen möglichen Stellplatz für Paketzusteller an der Rathausstraße.  

Foto: Melissa Jahn

Täglich gibt es Ärger über Lieferfahrzeuge, die die Bargteheider Rathausstraße blockieren. Können zwei reservierte Ladezonen helfen?

Bargteheide.  Auf der Bargteheider Rathausstraße spielen sich täglich die gleichen Szenen ab: Paketzusteller halten in zweiter Reihe, blockieren die Fahrbahn. Es bilden sich Staus, gereizte Autofahrer wagen riskante Überholmanöver. „Die Situation ist angespannt“, sagt Wolfgang Sarau, Vorsitzender des Rings Bargteheider Kaufleute (RBK). Sein Spielwarengeschäft „Sammeln und Schenken“ liegt an der Haupteinkaufsstraße. „Autofahrer hupen und pöbeln immer wieder“, sagt Sarau.

Um die Verkehrssituation zu entspannen und die Attraktivität der Innenstadt zu steigern, wagt der RBK einen Vorstoß: Er möchte den Paketboten feste Stellplätze zuweisen und diese für den öffentlichen Verkehr sperren. Die Verwaltung prüft in Gesprächen mit Geschäftsleuten, Politik und Polizei, ob und wo sich diese Idee umsetzen lässt.

Der frisch gewählte RBK-Vorsitzende nimmt sich als erste Amtshandlung eines Themas an, das viele Bargteheider schon lange beschäftigt. „Mittlerweile sind es sieben unterschiedliche Paketzusteller von UPS bis DHL, die Geschäfte und Privatpersonen beliefern“, sagt Sarau. Vor allem durch den Onlinehandel habe der Lieferverkehr stark zugenommen. Die Stadt müsse dringend nach einer Lösung für das Problem suchen, das auch andere Stormarner Städte wie Ahrensburg, Reinbek und Bad Oldesloe haben.

Rathaus prüft jetzt, ob sich die Idee umsetzen lässt

Die Bargteheider Rathausstraße ist ohnehin nicht sehr breit und in der Haupteinkaufszeit voll ausgelastet. „Auch wir haben einen Online-Shop“, sagt Sarau. „Das Geschäft über das Internet wird in den nächsten Jahren noch zunehmen.“ Und damit auch die Zahl der auszuliefernden Pakete. Um den Verkehrsfluss in der Innenstadt zu verbessern, schlägt der RBK für die rund 500 Meter lange Rathausstraße zwei Parkplätze ausschließlich für Paketfahrer vor, zum Beispiel auf Höhe der Hamburger Sparkasse und Penny. Die Wege für Zulieferer würden damit nicht unnötig verlängert.

„Ich habe selbst als Auslieferungsfahrer gearbeitet und weiß, wie Paketboten denken“, sagt Wolfgang Sarau. Bisher habe er durchweg positive Rückmeldungen bekommen. Die Verwaltung stehe der Idee grundsätzlich positiv gegenüber, will die Umsetzbarkeit nun in Gesprächen prüfen. Auch die Parteien sollen ihre Meinung äußern können, ein kommunalpolitischer Beschluss sei jedoch nicht notwendig. Die Anordnung von Verkehrszeichen ist Sache des Rathauses.

Denkbar wäre eine einjährige Testphase

„Es ist im Interesse aller, dass wir den Durchfluss in der Innenstadt verbessern“, sagt Jürgen Engfer, Planungsleiter der Stadt. „So können wir die Kaufkraft der lebendigen und attraktiven Stadt beibehalten.“ Denkbar sei zunächst eine einjährige Testphase. Danach könnte der Standort in Absprache mit dem RBK optimiert werden. „Wir können uns nicht mit anderen Städten vergleichen“, sagt Engfer. „Statt einer Fußgängerzone haben wir nur eine enge Straße mit Parkplätzen parallel zur Fahrbahn.“

Wolfgang Sarau sieht den Gesprächen gespannt entgegen. „Das magische Dreieck zwischen Kommune, politischen Gremien und dem Ring Bargteheider Kaufleute funktioniert gut“, sagt er. „Der konstruktive Dialog ist ein Grund, warum Bargteheide so erfolgreich ist.“

Über die Erfolgsaussichten für das Ladenzonen-Projekt gehen die Meinungen in der Stadt allerdings auseinander. Jutta Kuhn, Inhaberin der Rathaus-Apotheke, findet den Ansatz gut, zweifelt jedoch an der Umsetzung, da sogar die Behindertenparkplätze zugeparkt würden. „Ich wünsche mir vielmehr, dass die Plätze vor der Apotheke wieder als Kurzparkzone ausgewiesen werden“, sagt Kuhn. Das Schild sei plötzlich abgebaut und sie nicht einmal informiert worden. „Unsere Kunden sind oft krank und schlecht zu Fuß“, sagt Kuhn. Deshalb seien freie Parkplätze direkt vor der Tür besonders wichtig.

Unterschiedliche Meinungen über die Alltagstauglichkeit

Auch Britta Ludolph, Inhaberin des Feinkostladens Sol y Vida und Mitglied des RBK, sieht den Vorstoß differenziert. Sie befürchtet ebenfalls Schwierigkeiten im Alltag, da die Zusteller keine Zeit haben, auf einen freien Stellplatz zu warten. „Sie stehen unter Zeitdruck und müssen sofort ausliefern“, sagt Ludolph.

Es gibt auch Bargteheider, die die Entwicklung der Rathausstraße mit Sorge beobachten. Einige vermeiden es sogar, mit dem Auto durch die Stadt zu fahren. „Feste Parkplätze für Paketzusteller kann ich mir trotzdem nicht vorstellen“, sagt eine Kundin. „Autos haben jetzt schon zu wenig Stellfläche, es parkt immer jemand in zweiter Reihe.“ Für sie liegt die Lösung in einer Fußgängerzone.

Bettina Laube aus Delingsdorf hingen hält die Idee der Kaufleute für realistisch. Sie kauft oft in Bargteheide ein, sieht die abgestellten Lieferwagen als Gefahrenquelle, auch für Radfahrer. „Auf die zwei Stellplätze kommt es auch nicht mehr an“, sagt Laube. „Und den Paketzustellern würde es die Arbeit erleichtern.“

Uwe Schulz ist für den Paketdienstleister Hermes unterwegs und froh, wenn er direkt vor dem Laden MDV Blank einen Parkplatz bekommt. Er holt dort täglich Pakete und Päckchen ab. Für die Auslieferer in der Rathausstraße seien zwei reservierte Stellplätze eine Erleichterung. Problematisch wäre es nur, wenn mehrere Fahrer auf einmal einträfen. „Es ist auch nicht sinnvoll, um jeden Meter zu kämpfen“, sagt Schulz. „Ich würde die Geschäfte im Umkreis mit einer Sackkarre beliefern.“

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