Stormarn
Ahrensburg

„Nütschanix“: Premiere einer schrecklich fröhlichen Familie

Am Ende hat sich Familie Fröhlich wieder lieb, davor brechen viele kleine Welten zusammen: Max (Mario Loleit, v.l.), Simon (Peter Meyer), Corinna (Tatjana Petrak) und Lena (Laura Hilbig).

Am Ende hat sich Familie Fröhlich wieder lieb, davor brechen viele kleine Welten zusammen: Max (Mario Loleit, v.l.), Simon (Peter Meyer), Corinna (Tatjana Petrak) und Lena (Laura Hilbig).

Foto: Elvira Nickmann

Zur Uraufführung der Niederdeutschen Bühne Ahrensburg kommt auch der Autor. Warum die Schauspieler zufrieden sein können.

Ahrensburg.  Simon Fröhlich kann zufrieden sein: Am Frühstückstisch sitzen Frau Corinna und zwei gesunde Kinder. Lena macht gerade ihr Abitur, Max studiert. Im Wohnzimmer steht ein Flachbildfernseher, in der Garage ein schönes Auto und auf dem Tisch frischer Kaffee.

Eine echt nette Familie also, die da am Donnerstagabend auf der Bühne des Alfred-Rust-Saals Platz genommen hat. Gegeben wird Michael Wempners „Nütschanix“ – zum ersten Mal: Die Niederdeutsche Bühne Ahrensburg hat sich die Uraufführungsrechte der Komödie des Flensburger Autors gesichert. Die Regie hat Hans-Jochim Eggers geführt.

Peter Meyer spielt mit der Steife eines resignierten Beamten

Michael Wempner sitzt heute Abend auch im Publikum. Das mag den Premierendruck der Laiendarsteller auf der Bühne erhöhen. Das sechsköpfige Ensemble spielt die Herausforderung allerdings gelassen herunter. Manchmal vielleicht etwas zu gelassen. Man hätte besonders dem wie immer routinierten Darsteller Peter Meyer, der den Familienvater Simon nicht unpassend mit der Steife eines resignierten Beamten spielt, am Abend mehr Mut gegönnt, die Tiefen seiner Figur auszuloten – mehr von der innerlichen Zerreißprobe zu zeigen.

Denn da steht einer – und jetzt geht es vom Frühstückstisch direkt in das Eingemachte, von dem der Abend handelt –, der gerade seinen Job verloren hat, sich aber nicht traut, es seiner Familie zu sagen. Simon ist dabei aber nicht der einzige, der ein Geheimnis hat. Alle vier haben sich entschieden, ihr Päckchen lieber allein zu tragen: Kommunikation Fehlanzeige. Stattdessen haben sich die Fröhlichs – nomen est omen – stillschweigend auf das Prinzip „Alles ist gut, solange man nur über Gutes spricht“ geeinigt.

Für viele Lacher sorgt Victoria Wollweber

Insofern hat „Nütschanix“ durchaus zeitgeistkritische Züge. Das Stück ist aber auch eine typische niederdeutsche Komödie: Der Zusammenbruch des Lügengerüsts innerhalb der Familie ist so immer wieder Zündstoff für knackige Pointen. Für viele Lacher am Abend sorgt aber auch die georgische Haushaltshilfe Irina (mit viel komödiantischem Talent: Victoria Wollweber), die Probleme mit dem „Flachdeutschen“ der Fröhlichs hat.

Tatjana Petrak spielt Corinna als liebevolle Familienmutter, der man gerne glaubt, dass ihre Ehe Höhen und Tiefen hat – und gerade deshalb so viel wert ist. Auch Maik Neubacher, der als Künstler und Onkel Oscar im Seidenhemd Stichwortgeber und guter Geist ist, macht seine Sache gut.

Junge Darsteller überraschen mit großem Selbstbewusstsein

Mit großer Spielfreude überraschen die jungen Darsteller: Mario Loleit als Max mit Schalk im Nacken und der Energie eines Duracell-Hasen und Laura Hilbig, die mit ihren 15 Jahren mit großem Selbstbewusstsein die Tochter Lena spielt.

Nach knapp zwei Stunden – so viel darf verraten werden – haben sich die Fröhlichs wieder gern. Die Familie liegt sich in den Armen, der Vorhang fällt. Eine schrecklich fröhliche Familie eben – sehenswert.

Weitere Termine: Freitag, 8.2, 20 Uhr und Freitag, 22.2., 20 Uhr, Alfred-Rust-Saal, Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule, Wulfsdorfer Weg 71, Karten zwischen 7,- und 12,- Euro