Stormarn
Musik

Glinder Hip-Hopper plant große Sprünge als Produzent

Iso Beganovic in seinem Glinder Studio. Der 30-Jährige ist Prozudent und arbeitet mit zahlreichen Künstlern aus der Hip-Hop-Szene zusammen.

Iso Beganovic in seinem Glinder Studio. Der 30-Jährige ist Prozudent und arbeitet mit zahlreichen Künstlern aus der Hip-Hop-Szene zusammen.

Foto: René Soukup

In der Musikbranche Fuß zu fassen, ist nicht leicht. Der Produzent Iso Beganovic aus Glinde hat es geschafft – und will jetzt mehr.

Glinde.  Sein Reich erstreckt sich auf 25 Quadratmeter. Direkt gegenüber dem schmalen Bett befindet sich eine kleine Küchenzeile samt Mikrowelle. Hier nächtigt Iso Beganovic auch gelegentlich, wenn er mal wieder bis in die frühen Morgenstunden arbeitet und es nicht mehr nach Hause zu seiner Lebensgefährtin und dem zwei Jahre alten Sohn schafft. Herzstück des Studios im Glinder Zentrum unweit des Marktplatzes ist eine rund 20.000 Euro teure Musik-Anlage, bestehend aus einem Rechner, 27-Zoll-Bildschirm, Audio-Interface zum Aufnehmen, Mikrofon und zwei großen Boxen. An den Wänden hängen fünf Holzbretter mit Akustikschaum zwecks Schalldämmung. Der 30-Jährige benötigt dieses kostspielige Equipment, denn er ist ein aufstrebender Produzent in den Stilrichtungen Hip-Hop , Soul, RMB und auch Pop.

Vor drei Jahren hat sich der in Reinbek geborene junge Mann mit kroatischem Pass entschieden, den Weg in die Musikbranche einzuschlagen. Sich dort zu etablieren, ist nicht einfach. Beganovic hat es geschafft, kann davon seinen Lebensunterhalt bestreiten. Er sagt: „Ich komme gut über die Runden, fahre zwar nur einen kleinen Mazda und keinen Mercedes. Aber was nicht ist, kann noch werden.“ Im Klartext heißt das: Der Stormarner will hoch hinaus und startet jetzt so richtig durch.

Derzeit arbeitet Beganovic mit 15 Künstlern

Seine Aktivitäten haben sich inzwischen bis nach Montenegro herumgesprochen, der Heimat seines Vaters Izet. Der Reporter eines dortigen Radiosenders hat ihn kürzlich besucht und interviewt. Hierzulande ist Beganovic’ Bekanntheitsgrad ausbaufähig. Dass es gelingt, daran arbeitet der Produzent. Er ist selbstständig, kooperiert aber eng mit dem Hamburger Unternehmen Tracksetters Entertainment, das ebenfalls für Künstler produziert und auch das Management übernimmt.

Beganovic beschränkt sich auf die Songs, die Firma bringt ihn mit Interpreten zusammen. Derzeit arbeitet er mit 15 Musikern. „An ihnen muss ich mich orientieren, nur die Verantwortung des Klanges liegt bei mir“, sagt der Glinder. Und das sieht dann so aus, wenn er sich mit einem Interpreten in seinem Studio trifft: Beganovic sitzt vor der Anlage und entwickelt einen Rhythmus. Stoßen die Töne auf Wohlwollen beim Sänger, beginnt dieser zu texten. Der Produzent zeigt mit Begeisterung, wie er „einen Beat aufbaut“ und erläutert den Unterschied zwischen einer Radio-Version und Songs für dem Streaming-Dienst Spotify: Letzterer ist kürzer als drei Minuten, der andere auf 210 Sekunden getimt.

Manche seiner Songs wurden millionenfach aufgerufen

Unter der linken Box steht noch eine Wasserflasche – das Überbleibsel der letzten Nachschicht mit dem bekannten Hamburger Rapper Negrow. Beginn war um 18 Uhr und das Ende zehn Stunden später. Beganovic hat schon diverse Songs für Alben verschiedener Künstler produziert, etwa für Bozza, der in der Rapper-Szene einen Namen hat. „Die Arbeit in der Nacht macht mir Spaß, da bin ich am kreativsten“, sagt der Glinder. Einige seiner Songs wurden auf Streaming-Diensten bis zu 3,4 Millionen mal aufgerufen.

Beganovic partizipiert an den Gema-Gebühren, eine weitere Einnahmequelle sind Auftragsarbeiten. Seine Lieder werden auch in angesagten Clubs gespielt. „Musik ist für mich Lebenselixier. Es geht darum, Kunst zu machen“, erklärt der Stormarner. Seine ersten Gehversuche auf diesem Gebiet machte er als Teenager beim Musikmixen am Laptop. Damals spielte Beganovic auch Fußball, in der Jugend beim SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt und später im Erwachsenenbereich für Croatia Hamburg in der Bezirksliga. Ein Sehnenriss im Becken bedeutete jedoch das Ende der Sportlerkarriere.

Er versuchte sich auch als Hip-Hopper, trat in der Drittel-Pause bei einem Spiel des inzwischen nicht mehr existierenden Eishockey-Clubs Hamburg Freezers vor großem Publikum auf und unterhielt in Locations der Hansestadt bis zu 500 Besucher. „Es war allerdings zu viel Arbeit, sich als Künstler zu promoten. Dafür war keine Zeit neben dem Produzieren“, sagt er rückblickend. Von Traurigkeit ist dabei aber keine Spur. „Immerhin habe ich das große Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.“

Erst Ausbildung zum Rechtsanwalt- und Notarfachangestellten, dann Musikkarriere

Nach dem Schulabschluss schlug Beganovic einen Weg abseits der Musik ein, machte eine Ausbildung zum Rechtsanwalt- und Notarfachangestellten. Der Alltag zwischen Aktenbergen und das Beschäftigen mit Paragrafen war seine Sache nicht. Also orientierte er sich um, bildete sich beim SAE Institute Hamburg zum Audioingenieur fort. Kosten: rund 15.000 Euro. Er sagt: „Dort habe ich zum Beispiel gelernt, wie etwas gut klingt.“ Damit waren zumindest gewisse Voraussetzungen geschaffen. Doch allein diese Ausbildung macht noch keinen guten Produzenten. Beganovic: „Denn das Ohr für den richtigen Sound entwickelt sich erst mit der Zeit.“ Er berichtet von Tagen mit Musikern im Studio, an denen es nicht vorangegangen sei – und spricht über Heavy Metal. Diese Stilrichtung ist nicht sein Ding. Das Studio wäre dafür ohnehin zu klein. „Es fehlt der Platz, um Instrumente einzuspielen.“

Es ist 17.30 Uhr und draußen schon dunkel, als es an der Tür klingelt. Die nächste Nachtschicht steht an. Emir alias Ringo 111 tritt herein. So lautet der Künstlername des 24-Jährigen. Der Rapper plant im ersten Halbjahr 2019 die Veröffentlichung seines ersten Solo-Albums. Es heißt Masterplan. Drei Produzenten arbeiten daran, einer von ihnen ist Iso Beganovic. Emir ist gern bei seinem musikalischen Begleiter in Glinde, sagt über ihn: „Iso ist einer der besten Produzenten in Hamburg. Mit ihm ist es wie in einer Familie. Wir reden nicht nur über Musik, sondern auch über das Leben.“ Dafür ist jetzt allerdings keine Zeit. Beganovic bedient die Tastatur seines Rechners, hat eine Tonabfolge vorbereitet. Der Sound gefällt Emir, der sich Kopfhörer überspannt, das Mikrofon schnappt und loslegt.