Stormarn
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Das große Trauerspiel um das Kleine Theater

Immer wieder gibt es Ärger um das Kleine Theater Bargteheide

Immer wieder gibt es Ärger um das Kleine Theater Bargteheide

Foto: HA

Immer wieder rumort es am Kleinen Theater, erneut steigt jemand aus dem Bargteheider Kulturbetrieb aus. Woran hapert es?

Bargteheide.  Dem Kleinen Theater geht es so gut wie selten zuvor – die alte Fassade wurde in neue Farbe getüncht, ausgediente Scheinwerfer sind auf dem Müll gelandet, die Toiletten wurde frisch gekachelt. Nur hinter der schönen Fassade bröckelt der Putz. Und es knallt in regelmäßigen Abständen. So erneut geschehen, als Hans-Peter Jansen , Chef des Kinos Cinema Paradiso, vor wenigen Tagen ankündigte, nach Kulturring-Chef Manfred Kutsche nun auch selbst aufzuhören und den Kinobetrieb einzustellen. Dabei konnte oder wollte er es – wie Kutsche zuvor – nicht lassen, noch einmal kräftig Richtung Trägerverein und Stadt auszuteilen.

Es ist beinahe so, als liege ein Fluch auf dem kulturellen Mittelpunkt der Stadt. „Streit im Kleinen Theater“ – das ist längst keine Schlagzeile mehr, die überrascht. Immer wieder rumort es in der Kultureinrichtung. Immer wieder geht es gegen Stadt und Trägerverein – und um ihre mutmaßlich unheilvolle Allianz bei der Leitung des Hauses. Doch wie kam es dazu?

Seit 2017 gibt es den gemeinnützigen Trägerverein

Ursache ist der Umbruch in der Kultureinrichtung, der mit dem Tod von Theaterprinzipalin Kirsten Martensen im Jahr 2013 begann. Nach deren Tod übernahm Tochter Caroline Dibbern den Posten der Intendantin. Ihr zur Seite stand Maren Kröger, die das Geschäft von Martensens Kulturmanagement (KM) GmbH zunächst weiterführte. Bis Kröger den Posten Mitte 2016 aus Altersgründen räumte, wodurch ein Machtvakuum entstand.

Das füllt seit Anfang 2017 besagter gemeinnütziger Trägerverein. Der leitet das Haus nicht nur, sondern bespielt es auch. In dem elf Mitstreiter zählenden Vorstand sitzen viele Neulinge, die vorher in der Kulturinstitution Publikum waren. Außerdem, qua Amt, auch Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht. Auch Hans-Peter Jansen hatte sich damals angeboten, das Kleine Theater zu leiten. Die Politik entschied sich jedoch für den Trägerverein.

Beim Streit geht es oft um die Saalbelegung

So banal es klingen mag: Seitdem geht es bei dem Streit vor allem um die Saalbelegung. Denn das Kino, der Kulturring und die neu gegründete Theaterwerkstatt, die das Jugendtheater von Martensen übernahm, mussten sich jetzt mit dem neuen Trägerverein terminlich abstimmen. Eine Machtposition für den Verein, der natürlich auch selbst ein Interesse daran hat, den Saal mit den eigenen Vorstellungen voll zu bekommen. Manfred Kutsche und sein Kulturring verweigerten die Zusammenarbeit. Es kam zum Streit mit dem Trägerverein und der Stadt – und zur Insolvenz des Vereins.

Nach Kutsche geht nun auch Jansen, die Argumentation ist ähnlich – zu wenig gute Abendtermine am Freitag und Sonnabend. Auch das Caroline Dibbern, die bis Ende 2017 mit Jugendlichen Theater machte, Anfang des Jahres gegangen ist, hatte wohl im Kern mit der konträren Auffassung mit der Leitung des Hauses zu tun. Kurz nach ihr verließ Pastor Jan Roßmanek den Verein der Theaterwerkstatt, den er bis dato übernommen hatte, um das Jugendtheater in der Stadt zu retten.

Mehr als 11.000 Gäste kamen im Verlauf der Spielzeit

Nebenschauplatz im Kampf um die Termine ist immer auch die umstrittene Frage, wer im Kleinen Theater das künstlerisch hochwertige Programm macht, Ungewöhnliches ausprobiert und wagt. Dem Trägerverein, so die Kritik, gehe es vor Allem um volle Ränge, den anderen Akteuren vor allem um die Kunst. Klar ist – bei aller Kritik: Der Trägerverein leistet viel – und die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.

11.363 Zuschauer haben sie etwa bei Konzerten, bei Kabarett- und Theaterabenden oder mit Musical-Shows in der vergangenen Spielzeit begeistert. Hinzu kommt die organisatorische Arbeit im Haus, Verwaltung, Bühnentechnik, Kartenverkauf und Marketing. Auch die Sanierung des Hauses hat der Trägerverein maßgeblich angestoßen. Wie viel Kritik muss jemand aushalten, der all das ehrenamtlich stemmt? Diese Frage hat sich auch schon Manfred Kutsche gestellt und damals mit seinem Kulturring die Reißleine gezogen. Der Trägerverein lässt sich seinen Unmut über die öffentlichen Streitigkeiten selten anmerken. Das mag daran liegen, dass er die volle Rückendeckung von Stadt und Politik hat. Die hatten Manfred Kutsche und Hans-Peter Jansen zuletzt vermisst.

Stadt könnte ein neutraler Betreiber sein

Wenn Jansen nun das Kleine Theater Ende dieses Jahres verlässt, ist keine der ehemaligen Schlüsselfiguren des Kulturbetriebs mehr an der Bargteheider Bühne. „Es gab eine Zeit“, schrieb Jansen auf einer „Todesanzeige“ für sein Programmkino in der vergangenen Woche, „da wurde im Kleinen Theater ein Drei-Gänge-Spitzen-Kultur-Menü serviert. Martensen–Kutsche–Jansen. Jetzt kommt Essen auf Rädern.“ Vielleicht ist das auch so eine Sache des Umbruchs. Kommen die Neuen, gehen die Alten – und sie gehen nicht immer im Frieden.

Vielleicht müssen in Bargteheide aber auch grundsätzliche Entscheidungen überdacht werden. Der Trägerverein hat in der Führung des Hauses auf jeden Fall kein glückliches Händchen bewiesen. Auch wenn er dafür gesorgt hat, dass es weiterhin ein abwechslungsreiches Programm gibt. Das ist aller Ehren wert. Bei allem Streit braucht es aber auch eine Spitze an der Kultureinrichtung, die besonnen agiert, die das Haus nicht mit Kunst füllt, sondern für Ordnung sorgt, damit sich hier möglichst viele Kulturliebhaber mit großem Engagement und ihren Ideen austoben können: Sei es das Junge Theater mit Schauspielschule, ein kleines Kino oder ein Verein der buntes Programm macht, wie der derzeitige Trägerverein und vor ihm der Kulturring und das Kulturmanagement. Solch ein neutraler Betreiber könnte etwa die Stadt sein.

Eine hauptamtliche Stelle könnte für Abhilfe sorgen

Eine hauptamtliche Stelle, die administrativen Aufgaben übernimmt. Saalbelegung, Ticketservice, Renovierungsarbeiten – und zwischen den unterschiedlichen Interessen und Gruppen vermittelt. Es muss ja nicht gleich so wie in Bad Oldesloe sein, wo die Stadt mehrere Stellen für den Betrieb des neugebauten Kultur und Bildungszentrums (KuB) geschaffen hat.

Wie viele Stunden in der Woche in Bargteheide angesetzt werden müssten, ist Verhandlungssache. Klar ist, solch eine Stelle in der Leitung des Hauses kostet den Steuerzahlern Geld. Das wäre aber gut angelegt. Nicht nur, weil Kultur ein immer wichtiger Standortfaktor ist – für Neuzuzügler ebenso wie für Touristen – sondern auch, weil die Stadt an anderer Stelle sparen könnte. An vielen zehrenden Mediationsverfahren und Runden Tischen zum Beispiel, die in der Vergangenheit offenbar immer wieder nur die Symptome einer falschen Entscheidung zum Thema hatten.

Käme ein hauptamtlicher Leiter, der Trägerverein „Kleines Theater Bargteheide“ müsste sich nicht mehr mit der müßigen Organisation des Hauses befassen. Dieser müsste sich nicht als Leiter des Hauses profilieren – denn das hat in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konkurrenz und Streit geführt. Die Machtverhältnisse wären geklärt. Und jeder könnte sich wieder darum kümmern, worum es doch jedem geht: ein schönes kulturelles Programm hinter der schönen neuen Fassade.