Bürgerinitiative

Radweg zu gefährlich? Trittauer protestieren

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Elvira Nickmann
Anett Holz, eine der beiden Verantwortlichen der Trittauer „Initiative Sicherer Schulweg“, spricht zu den Teilnehmern der Infoveranstaltung an der Kreuzung Radweg/Ziegelbergweg

Anett Holz, eine der beiden Verantwortlichen der Trittauer „Initiative Sicherer Schulweg“, spricht zu den Teilnehmern der Infoveranstaltung an der Kreuzung Radweg/Ziegelbergweg

Foto: Elvira Nickmann

Schulkinder sollen Straße zum Neubaugebiet Furtbektal queren. Initiative will das verhindern. Bürgermeister sieht keine Alternative

Trittau.  Es ist eine dichte Menschentraube, die sich am späten Sonntagnachmittag an der Ecke drängt, wo in Trittau der kombinierte Fuß- und Radweg aus Richtung Schulzentrum auf den Ziegelbergweg trifft. Mehr als 50 Bürger – nach Veranstalterangaben zwischen 80 und 100 – sind zu einer Infoveranstaltung der „Initiative Sicherer Schulweg“, die im Vorweg 5000 Faltblätter an Trittauer Haushalte verteilt hatte, gekommen.

Sie formuliert darin ihren Protest gegen den Plan der Gemeinde, den nördlichen Teils des Baugebiets Furtbektal (B 34D-Nord), das jetzt erschlossen wird, über den Ziegelbergweg so anzubinden, dass die Fahrzeuge den Radweg queren. Zu gefährlich und kein Muss, lautet das Urteil der Initiative. Die Lösung sieht sie in einer Ableitung des Verkehrs über den sogenannten oberen oder unteren Ziegelbergweg.

Initiative will Druck auf die Gemeinde ausüben

Wer das Faltblatt in die Hand nimmt, liest unter einem Foto, das wie bei einem Unfallgeschehen den Kreideumriss eines Kindes auf dem Boden und einen Schulranzen zeigt, die Zeile „Kind auf Trittauer Schulweg von Pkw überrollt!“ und kleiner darunter „Bald traurige Realität?“ Kein Wunder, dass laut Kirsten Eckermann, Ziegelbergweg-Anwohnerin und Mitglied der Initiative, vor allem besorgte Eltern bei der Infoveranstaltung sind.

Anett Holz, eine der beiden Verantwortlichen der Initiative, richtet dabei einen Appell an die Anwesenden, bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses zahlreich zu erscheinen. Swen Faustmann (SPD), selbst stellvertretendes Mitglied im Bauausschuss, regt an, Präsenz zu zeigen und mit der Faust ordentlich auf den Tisch zu klopfen.

Auch Befürworter der Querung melden sich zu Wort

Lars Ryll dagegen wundert sich: „Es kann doch nicht sein, dass der, der am lautesten schreit, am meisten Gehör findet.“ Als er sich bei der Infoveranstaltung zu Wort meldet und sagt, er sehe das Ganze als Luxusproblem, schlagen ihm die Emotionen entgegen. Er möge doch an das Gemeinwohl denken, wird er belehrt. Doch das gibt Ryll an die Gegenseite zurück: „Die Leute, die vor Jahren im Planungsausschuss diese Situation selbst mitbeschlossen haben, stehen jetzt nicht mehr dazu, dass die Einwohner der gerade mal 29 Wohneinheiten des B34D-Nord über den Heiligen Gral des Ziegelbergwegs fahren dürfen.“ Dabei hätten sich dessen Anwohner damals dafür eingesetzt, dass es eben keine Durchfahrt von ihrem Weg zur Gadebuscher Straße geben solle.

Denn die beiden alternativen Routen haben ihre Tücken: Der obere Ziegelbergweg wurde mit einer Schranke versehen, der untere ist als Fuß- und Wanderweg ausgewiesen. Ein Zustand, der sich nicht eben mal schnell ändern lässt, wie Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch in einem Brief an Trittauer Eltern erläutert, den er am Freitag an Schulleitungen, Elternbeiräte und Kitas mit der Bitte um Weiterleitung gesendet hat. „In Richtung Westen zur Gadebuscher Straße gibt es rechtlich keine Durchfahrt vom Ziegelbergweg aus“, ist darin zu lesen. Damit dieser sicher gequert werden könne, sei eine Aufpflasterung des Rad- und Fußwegs von zwölf Zentimetern geplant, einhergehend mit einer Bevorrechtigung und einer entsprechenden Beschilderung. Als Alternative nennt Mesch die Möglichkeit, mit beidseitigen Durchfahrtsperren dafür zu sorgen, dass Fahrradfahrer vor der Querung absteigen müssten.

Planung: moderne Politik oder Schnellschuss?

Dieser Sichtweise kann sich Lars Ryll nur anschließen: „Endlich wird moderne Politik gemacht, die den Radfahrern Vorfahrt einräumt.“ Durch die ganze Aufregung um das „polemisch aufgemachte“ Faltblatt sei der Ziegelbergweg inzwischen gespalten. „Ich weiß von Leuten, die sich nicht trauen, Nein zu dem Vorhaben der Initiative zu sagen, weil der Druck so groß ist.“ Seine Vermutung: Es gehe gar nicht um die Kinder, sondern nur um die Anwohner.

Stefanie Flottwell von der Initiative sieht das anders: „Ich finde es grundsätzlich blöd, dass es so geplant und hintenrum quasi einfach schnell gemacht wird, sodass man gar nicht die Chance bekommt, die Pläne öffentlich einzusehen und zu reagieren“, sagt sie.

Initiative hat das Schüleraufkommen gezählt

310 beziehungsweise 340 Schüler hätten sie bei zwei Verkehrszählungen in der vergangenen Woche zwischen 7.10 und 8.30 Uhr an der betreffenden Stelle gezählt. Diese träfen dann auf den Verkehr von 29 Wohneinheiten mit durchschnittlich zwei Autos und Paket- und Lieferdiensten, rechnet sie vor. Dabei wünschten sich die neuen Bewohner doch sicher auch die direkte Anbindung an die Gadebuscher Straße.

Oliver Mesch ruft indessen alle Beteiligten zu mehr Sachlichkeit auf. Die Pläne hätten öffentlich ausgelegen, betont der Rathauschef. Kritisch sehe er die Vermischung von Schulwegsicherung und Interessen der Ziegelbergweganwohner. „Ich finde es nicht gut, dass mit dem Umriss eines toten Kindes Meinungsmache betrieben wird. Die Diskussionskultur im Ort geht dabei baden“, befürchtet Mesch.

Nächster Schritt der Initiative ist jetzt der Gang zum Bauausschuss. Hier will sie sich Gehör verschaffen und ihrem Anliegen Nachdruck verleihen.

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