Stormarn
Trockener Sommer

Stormarner Kommunen kämpfen gegen die Trockenheit

Andreas Klotzeck arbeitet beim Ahrensburger Bauhof. Seit sechs Wochen gießen er und seine Kollegen 25.000 Liter Wasserauf Bäume, Blumen und Sträucher

Andreas Klotzeck arbeitet beim Ahrensburger Bauhof. Seit sechs Wochen gießen er und seine Kollegen 25.000 Liter Wasserauf Bäume, Blumen und Sträucher

Foto: Pelle Kohrs / HA

Stormarns Städte und Gemeinden müssen ihre Grünflächen bewässern. Hunderttausende Liter verbraucht. Das kostet viel Zeit und Geld.

Ahrensburg.  Viel Sonne, kaum Regen, hohe Temperaturen – Deutschland erlebt einen Jahrhundertsommer. Die einen freut das, andere stellt die anhaltende Trockenheit vor Probleme . Stormarns Landwirte etwa fürchten um ihre Ernte (wir berichteten). Außerdem herrscht im Land eine hohe Brandgefahr. Und auch die Kommunen stehen vor Herausforderungen: Um ihre Grünflächen zu erhalten, müssen sie enorme Mengen an Wasser aufbringen . Die Bauhöfe der sechs Stormarner Städte verbrauchten dafür in den vergangenen vier Wochen rund 1,2 Millionen Liter. Zum Vergleich: Das Nichtschwimmerbecken im Bargteheider Freizeitbad fasst 800.000 Liter Wasser.

Andreas Klotzeck ist einer von denen, die dafür sorgen, dass es in den Städten des Kreises schön grün bleibt. Der 46-Jährige arbeitet beim Ahrensburger Bauhof. Das Abendblatt hat ihn in der Gorch-Fock-Straße getroffen. Dort muss er mit einem orangefarbenen Lkw derzeit alle zwei Tage Halt machen. In dem Fahrzeug: ein 5000 Liter fassender Wassertank. Davon ist jeder Tropfen nötig – erst in diesem Jahr sind in der Sackgasse 32 Jungbäume gepflanzt worden. „Jeder Baum braucht 70 bis 140 Liter Wasser“, sagt Klotzeck. Hinzu kommen einige Sträucher an einem Spielplatz. „Wenn ich hier fertig bin, ist der Tank fast leer.“

„So viel Wasser wie in diesem Jahr brauchten wir noch nie“

Bereits seit 17 Jahren arbeitet Klotzeck beim Bauhof. „So viel Wasser wie in diesem Jahr brauchten wir noch nie“, sagt er. Dementsprechend sieht der Arbeitsalltag des 46-Jährigen aus: Um 6 Uhr befüllt er das erste Mal den Tank des Wagens. „Mit gereinigtem Abwasser vom Klärwerk“, sagt Klotzeck. „Das kostet die Stadt nichts.“ Ist der Tank voll, steuert Klotzeck verschiedene Orte in Ahrensburg an, um Beete und Bäume zu bewässern. „Sobald der Tank leer ist, fahr ich wieder zum Klärwerk.“ Zehn Minuten dauere dort das Auftanken. „Dann kann es weitergehen.“ Bis zu fünf Mal am Tag füllt Klotzeck am Tag den Tank auf. „Seit Pfingsten verbrauchen wir am Tag im Durchschnitt 25.000 Liter Wasser“, sagt er. In den vergangenen Jahren lag der Bewässerungsbedarf des Bauhofs zu dieser Jahreszeit bei etwa 10.000 Litern – pro Woche.

In den anderen Städten des Kreises sieht es ganz ähnlich aus. Zwar liegt der Bauhof Ahrensburg mit 125.000 Litern Wasser pro Woche – das entspricht rund 830 gefüllten Badewannen – im Vergleich deutlich vorn, doch auch in Bargteheide (40.000 Liter pro Woche), Bad Oldesloe (45.000), Glinde (25.000), Reinbek (31.500) und Reinfeld (35.000) hat sich der Wasserbedarf im Vergleich zu den Vorjahren vervielfacht.

In Bargteheide werden Hydranten angezapft

„Wir zapfen mittlerweile die Hydranten an“, sagt Martina Malzkorn, stellvertretende Leiterin des Bargteheider Bauhofs. Dieser greift für die Bewässerung der Grünanlagen eigentlich auf Regenwasser zurück, das in Zisternen aufgefangen wird. 400.000 Liter Wasser passen in die Behälter. Malzkorn: „Seit einigen Wochen sind beide leer.“

Auf diese Weise verbrauchen die Mitarbeiter in Bargteheide an vier Tagen in der Woche jeweils 10.000 Liter Wasser. Wie in den anderen Städten ist dieser Bedarf seit etwa Pfingsten die Regel. „Ein absoluter Extremfall“, sagt Malzkorn. „Ich genieße das schöne Wetter ja auch, aber Regen wäre wirklich gut.“

Viel Sonne in den kommenden Wochen

Was das angeht, sieht die Wetterprognose für die kommenden Wochen düster aus. Laut Wetter.de ist im Kreis Stormarn lediglich mit kurzen Schauern zu rechnen. „Das reicht nicht aus“, sagt Torsten Schwarze, der Leiter des Reinbeker Betriebshofes. „Es müsste schon mal richtig schütten.“ Mit bis zu 6000 Litern am Tag versorgen Mitarbeiter in Reinbek sechs Mal die Woche Sträucher und Bäume. „2017 haben wir die Grünflächen an insgesamt 15 Tagen bewässern müssen“, so Schwarze. „In diesem Jahr sind wir bereits bei 43 Tagen.“

Ein weiteres Problem in Reinbek: Für das Wasser – rund 140.000 Liter im Monat – muss die Stadt aufkommen. „Wir haben bei Hamburg Wasser Standrohre angemietet“, sagt Schwarze. Wie viel das den Baubetriebshof am Ende des Jahres koste, möchte er nicht schätzen. Nur so viel verrät er: „Die Summe wird deutlich höher sein als sonst.“

Wasser-, Personal- und Treibstoffkosten gestiegen

Stormarns andere Städte kommen da besser weg. Die Bauhöfe in Ahrensburg, Bad Oldesloe und Reinfeld etwa beziehen ihr Wasser gratis aus Kläranlagen. Was aber alle sechs Städte gemeinsam haben, sind deutlich höhere Personal- und Treibstoffkosten. „Wir gehen von 45 Euro pro Stunde aus“, sagt Reinfelds Bauamtsleiter Stephan Kruse.

Andreas Klotzeck kümmert sich seit mittlerweile sechs Wochen darum, dass Ahrensburgs Grün nicht eingeht. „Und das geht bestimmt noch sechs Wochen so weiter“, sagt er, während er Pflanzen mit Wasser beschießt. „Mit so einem Sommer hat keiner gerechnet.“