Stormarn
Kommentar

Ahrensburger Verwaltung: Gute Bürgerinformation geht anders

Redaktionsleiter Hinnerk Blombach

Redaktionsleiter Hinnerk Blombach

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Eine nachträgliche frisierte Mitteilung der Ahrensburger Verwaltung sorgt für Unmut bei Bürgern, Geschäftsleuten und der Politik.

In Ahrensburg wird derzeit an vielen Stellen gebaut. Das ist zunächst angesichts des Wohnraummangels weder verwunderlich noch grundsätzlich zu bedauern. Gleichwohl gehen große Baustellen häufig auch mit Belastungen und Einschränkungen für Bürger und Geschäftsleute einher. Da werden monatelang Gehwege gesperrt und Bushaltestellen verlegt. Das lässt sich nicht immer verhindern. Umso wichtiger aber wäre es, diejenigen, die Umwege in Kauf nehmen müssen, die sich auf neue Verkehrssituationen einstellen müssen, so umfangreich wie möglich und so häufig wie nötig darüber zu informieren.

Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten

Ein Beispiel: Am 17. Januar teilt die Ahrensburger Verwaltung mit, dass an der sogenannten AOK-Kreuzung der Gehweg gesperrt und die Bushaltestelle verlegt wird – immerhin zwei Tage vor Beginn der Bauarbeiten. In dem entsprechenden Schriftstück heißt es, dass die Einschränkungen bis zum 9. Februar dauern. Darüber berichten mehrere Medien, unter anderem das Abendblatt.

Kurz nach Beginn der Arbeiten erreichen unsere Redaktion Beschwerden von Anwohnern – dort liegt ein großes Seniorenheim – und Geschäftsleuten. Das Abendblatt berichtet wieder über die Baustelle und den Ärger, diesmal in deutlich größerem Umfang. Zu diesem Zeitpunkt müssen wir weiter davon ausgehen, dass die Behinderungen am 9. Februar beendet sein werden. Doch die Sperrungen sind bis heute nicht abgebaut und werden auch noch die nächsten anderthalb Jahre bestehen bleiben.

Nun ist der Ärger auch in der Politik angekommen

Mittlerweile hat das Thema die Politik erreicht und wird, neben einer Reihe anderer Fälle, in den Gremien diskutiert. Und auch dort ist der Ärger groß. Die Erklärung? Die kommt nur auf Nachfrage. Entgegen der ursprünglichen Planung, so heißt es aus dem Rathaus, seien an der Stelle nun nicht nur Leitungen verlegt worden, sondern habe auch gleich der Bau des Gebäudes begonnen.

Es kann passieren, dass sich die Planungen im Zuge eines Bauvorhabens ändern. Aber was erwartet der betroffene Bürger? Information. Und die hat er in diesem Fall nicht bekommen, jedenfalls nicht von der Verwaltung. Statt über die Verlängerung erneut und offensiv zu informieren, hat die zuständige Abteilung im Internetarchiv die ursprüngliche Pressemitteilung vom 17. Januar nachträglich geändert und das Datum für das Ende einfach entfernt. Wenn also der betroffene Bürger, der ja noch den Februar-Termin im Hinterkopf hat, nach dieser Information sucht, dann muss er angesichts der veränderten Mitteilung den Eindruck bekommen, dass bereits am 17. Januar ein offenes Ende der Sperrungen kommuniziert worden sei. Und das ist eben falsch.

Verwaltung verspielt Vertrauen der Bürger

Zugegeben: Dieser Fall ist nur ein Beispiel. Aber er steht eben auch beispielhaft für die Bedeutung von Informationen, wenn staatliches Handeln in die Belange der Menschen eingreift.

Nun kann es natürlich sein, dass es die Abteilung des Rathauses, die sonst auch fleißig Mitteilungen über Nähkurse im Familienzentrum Blockhaus an den großen Verteiler schickt, schlicht versäumt hat, über die Änderungen zu informieren. Aber am Ende zählt das Ergebnis: eine nachträglich frisierte Mitteilung aus dem Januar – und sonst nichts. Dieses Vorgehen ist sicherlich nicht geeignet, das Vertrauen in die öffentliche Verwaltung zu stärken. Es ist vielmehr geeignet, aus einem eher kleinen Problem ein großes werden zu lassen.