Stormarn
Ahrensburg

55 Euro Miete für Büros im Container

Seit 2016 haben einige Mitarbeiter der Ahrensburger Verwaltung ihre Büros in Containern. Sie sollen den Plänen zufolge in die neue Anlage umziehen

Seit 2016 haben einige Mitarbeiter der Ahrensburger Verwaltung ihre Büros in Containern. Sie sollen den Plänen zufolge in die neue Anlage umziehen

Foto: Ralph Klingel-Domdey / HA

Ahrensburger Rathaus will für Bürocontainer rund zwei Millionen Euro zahlen. Die FDP kritisiert das Vorhaben als Geldverschwendung.

Ahrensburg.  36.000 Euro pro Monat: So viel Miete müsste die Stadt Ahrensburg für eine geplante Containeranlage am Rathaus zahlen. Das geht aus der Beschlussvorlage der Verwaltung hervor, über die der Hauptausschuss am heutigen Montagabend beraten soll. Die zweigeschossige Anlage mit 55 Büro-Arbeitsplätzen soll für vier Jahre von der Stadt angemietet und auf dem Stormarnplatz errichtet werden. Ziel ist es, die seit Jahren bestehende Raumnot im Rathaus vorübergehend zu beenden. Die Gesamtkosten für den Aufbau und die vierjährige Nutzungszeit betragen 1,95 Millionen Euro.

Freie Büroflächen im Zentrum sind für 12,50 Euro zu haben

Kritik kommt von der FDP – sie spricht von einer „Geldverschwendung“. „Der Preis scheint uns völlig überhöht“, sagt der Fraktionsvorsitzende Thomas Bellizzi. Heruntergerechnet mache das einen monatlichen Mietpreis von 55 Euro pro Quadratmeter. Im Stadtzentrum gebe es dagegen freie Büroflächen für 12,50 Euro pro Quadratmeter. Die FDP-Fraktion fordert deshalb die Verwaltung auf, zunächst Alternativen zu prüfen. „Das kann vorab nicht ernsthaft geschehen sein“, sagt Bellizzi.

Die Wählergemeinschaft Ahrensburg für Bürgermitbestimmung (WAB) spricht sich dafür aus, den Aufbau der Mietcontainer abzulehnen. Der vorgeschlagene Standort stehe im Konflikt mit der geplanten Tiefgarage unter dem Stormarnplatz und werde deren Bau um mindestens vier Jahre verzögern, kritisiert die WAB. Sie wird im Hauptausschuss beantragen, dass die Verwaltung stattdessen die Anmietung von Büroflächen an einem oder mehreren Standorten – auch im Gewerbegebiet – prüfen soll. Falls keine zu finden seien, soll sie Standortalternativen für die Containeranlage benennen.

2000 Quadratmeter im Rathaus reichen nicht aus

Die Verwaltung will die Container aus Raumnot aufstellen. Demnach reichen die knapp 2000 Quadratmeter Nutzfläche im Rathaus nicht mehr aus. Schon 2016 sei festgestellt worden, dass rund 500 Quadratmeter fehlten. Bereits erfolgte und noch geplante Neueinstellungen verschärften die Situation, heißt es aus dem Rathaus. Die fehlende Fläche werde dadurch auf 650 Quadratmeter steigen.

2016 wurden wegen des Platzmangels bereits Container hinter dem Rathaus aufgestellt. Dort arbeiten zwölf Mitarbeiter. Allerdings sind sie unzufrieden über die Arbeitsbedingungen und haben laut Verwaltung den Personalrat eingeschaltet. Demnach laufe regelmäßig Regenwasser in die Container und führe zu Schimmelbildung. Die Räume seien hellhörig und ließen kaum vertrauliche Gespräche zu.

Holzpavillon soll bald abgerissen werden

Zwölf weitere Mitarbeiter sind wegen der Raumnot im 1991 erbauten Holzpavillon untergebracht. Auch dort seien die Arbeitsbedingungen schwierig, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Genehmigung der Bauaufsicht sei abgelaufen. Eine neue könne wegen der bestehenden Mängel, insbesondere aber „wegen der kritischen Situation hinsichtlich des Brandschutzes“, nicht erteilt werden. Die Mitarbeiter sollen nach den Plänen der Verwaltung in die neue Containeranlage umziehen. Das Holzhaus soll dann abgerissen werden.

Die vierjährige Containerzeit will die Verwaltung dafür nutzen, mit der Politik eine dauerhafte Lösung zu finden. Mögliche Standorte für einen Erweiterungsbau seien auf der Pavillon- und Stellplatzfläche nördlich des Rathauses oder auf der südlichen Seite von der Tiefgaragenzufahrt bis zum Peter-Rantzau-Haus. Die Kosten werden auf 3,5 Millionen Euro geschätzt.

Die immens hohen Mietpreise haben in Großhansdorf dazu geführt, dass die Gemeinde während der laufenden Rathaussanierung auf den Umzug der Verwaltungsmitarbeiter in ein Containerdorf verzichtet hat. Stattdessen hat sie leerstehende Gebäude in der Umgebung gekauft oder angemietet. Und die Mitglieder des Ahrensburger Sozialausschusses haben ebenfalls aus Kostengründen erst vergangene Woche dafür gestimmt, die für eine Erweiterung des Hortes Am Aalfang nötigen Container zu kaufen statt zu mieten.

Hauptausschuss Mo 19.3., 19.30, Peter-Rantzau-Haus, Manfred-Samusch-Straße 9