Stormarn
Barsbüttel/Jenfeld

Hier übernimmt die Jugend die Bühne

Als Weihnachtsmärchen steht in diesem Jahr das Dschungelbuch auf dem Programm der Volksspielbühne Jenfeld

Als Weihnachtsmärchen steht in diesem Jahr das Dschungelbuch auf dem Programm der Volksspielbühne Jenfeld

Foto: HA

Heute in der Serie Stormarns Theatermacher: das Jenfelder Theater 47, das auch in Barsbüttel spielt. Wie auch am kommenden Wochenende.

Barsbüttel/Jenfeld.  Wenn alles klappt, könnte Manuel Greskamp in vier Jahren als Vorsitzender des Theater 47 gewählt werden. Es wäre eine historische Entscheidung für den Verein. Ein Glücksfall, der für die Amateur-Theaterszene in der Region Seltenheitswert haben dürfte. Denn Greskamp gehört mit seinen 24 Jahren einer Generation an, der nachgesagt wird, sie könne oder möchte keine ehrenamtlichen Verpflichtungen eingehen. Und doch entscheidet sich ein junger Mann für den Vorsitz eines Vereins, in dem die meisten Mitglieder seine Eltern oder Großeltern sein könnten.

Manuel Greskamp lacht. Er lacht viel und gern. Und er arbeitet viel und gern. Derzeit als Lehrbeauftragter für Mathe, Chemie und Darstellendes Spiel an einer Stadtteilschule in Hamburg. Zudem schreibt der Lehramts-Student an einer Masterarbeit im Fach Pädagogik. Und dann ist da ja auch noch das Hobby: Theater. Vor fünf Jahren spielte er das erste Mal bei einer Produktion der Volksspielbühne Jenfeld mit. Eine Bekannte seines Vaters hatte erzählt, dass noch eine kleine Rolle zu besetzen wäre. Gefragt, ob der Sohnemann nicht Lust habe. Hatte er. Und ist seither mit vollem Elan dabei.

Verein feiert in diesem Jahr sein 70. Jubiläum

„Aus dem Alltag ausbrechen“, nennt der 24-Jährige das, was sie hier machen. Anfang 2017 hat er mit weiteren jungen Mitspielern eine junge Bühne innerhalb des Vereins etabliert. Im Sommer haben sie ihr erstes eigenes Stück aufgeführt: „Die dream come true-Agentur“. Im Mittelpunkt der Komödie stehen die Geschäftsgebaren einer Firma, die Kunden im Traum verspricht, Träume zu erfüllen. Was genau das für ein Stück ist, lasse sich gar nicht so genau sagen, berichtet Manuel Greskamp. Und gerade das mache es perfekt für die junge Gruppe und ihre Studiobühne im Kleinen Theater 47 im Bekkamp 50 a in Jenfeld.

„Hier können auch junge Mitglieder etwas ausprobieren“, sagt Jutta Pachnicke, die amtierende Vorsitzende des Vereins, der in diesem Jahr sein 70. Jubiläum gefeiert hat. „Für die Jungen war es ein Sprung ins kalte Wasser“, so die 62-Jährige, „wir alten Hasen haben aber auf Nachfrage gern geholfen.“ Die Alten, das sind auch etliche Spieler die sich seit mehr als 50 Jahren für die Bühne, das Amateurtheater und die niederdeutsche Sprache einsetzen.

Jedes Jahr wird ein neues Weihnachtsmärchen einstudiert

Tradition ist also wichtig bei der Bühne. Genauso wichtig sei, sich möglichst vielseitig aufzustellen, sagt Pachnicke: Neben der jungen Truppe im Kleinen Theater 47 probt in jedem Jahr auch ein Weihnachtsmärchen, das besonders junges Publikum und Familien begeistern soll. Am Wochenende ist Premiere in Barsbüttel. Hinzu kommen ein oder zwei niederdeutsche Komödien im Jahr sowie Lesungen und weitere Aktionen. In diesem Jahr wurde mit „My Fair Lady“ auch ein hochdeutsches Musical gespielt.

Das Theater ist an mehreren Orten aktiv: In Jenfeld im Kleinen Theater 47, das mit 50 Plätzen die intimste Atmosphäre und Raum für Lesungen bietet. Und im Jenfeld-Haus (150 Plätze) oder in der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Barsbüttel (120 Plätze), wo die großen Produktionen laufen. Wir wollen möglichst viele Menschen ansprechen, sagt Jutta Pachnicke, für die Theater auch eine soziale Institution ist – ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Auch Manuel Greskamp ist der gesellschaftliche Aspekt wichtig. Er schätze besonders den engen Kontakt zu den Gästen.

Er lerne viel für seine Rolle als Lehrer, sagt Greskamp

Hinzu kommt für den Pädagogen auch die Lernmöglichkeiten im Theater: Er habe, bekennt Greskamp, hier schon einiges für seine „Rolle Lehrer“ gelernt: zum Beispiel vor Publikum zu sprechen. Er wird auch noch viele Kniffe der Vereinsarbeit lernen müssen, bevor er in vier Jahren vielleicht die Bühne von Jutta Pachnicke übernimmt. „Er muss ja auch noch gewählt werden“, sagt sie, „aber da mache ich mir eigentlich keine Sorgen.“ Denn Greskamp verbindet in gewisser Weise Tradition und Moderne: Er ist nicht nur im Jungen Theater aktiv, sondern tritt immer wieder auch in den eher klassischen niederdeutschen Stücken auf.