Kaposvár-Spange

Glinder Protest hat Erfolg: Tempo 30 kommt wieder

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Barbara Moszczynski
Katrin Jack und Bastian Baier gehören der Arbeitsgruppe an. Hier zeigen sie den Abschlussbericht zur Geschwindigkeitsreduzierung

Katrin Jack und Bastian Baier gehören der Arbeitsgruppe an. Hier zeigen sie den Abschlussbericht zur Geschwindigkeitsreduzierung

Foto: Barbara Moszczynski

Ein Arbeitskreis entwickelt mit der Unterstützung eines Verkehrsplaners eine Lösung für die Kaposvár-Spange. Das sind die Empfehlungen

Glinde.  Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten und in Wohngebieten – so lautet die Forderung von vielen Eltern und Anwohnern in Stormarn. Der Gesetzgeber hat 2016 die Einrichtung solcher Tempo-30-Zonen vereinfacht. Die Stadt Glinde machte indes im vergangenen Sommer auf Anordnung des Kreises eine Rolle rückwärts. Sie hob eine bestehende Tempo-30-Zone auf und führte an den Straßen Kaposvár-Spange und Holstenkamp wieder Tempo 50 ein.

Das führte zu heftigen Bürgerprotesten. Eine Arbeitsgruppe aus Betroffenen, Politikern und Mitarbeitern der Verwaltung hat nun unter Anleitung des Verkehrsplanungsbüros M+O Projektkontor aus Oststeinbek Lösungsvorschläge zur Reduzierung von Geschwindigkeit und Verkehrslärm an beiden Straßen erarbeitet. Zwei der Teilnehmer, die Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule Wiesenfeld am Holstenkamp, Katrin Jarck, und der Elternsprecher der Kita Zwergenwache an der Kaposvár-Spange, Bastian Baier, stellten am Donnerstag im Glinder Bauausschuss die Ergebnisse vor. Eine ausführliche Bürgerinformation ist für den 21. September geplant.

Die Kosten werden als vertretbar eingestuft

Richtig gut fallen die Empfehlungen des Arbeitskreises für die Anwohner der Kaposvár-Spange aus. Dort soll die Tempo-30-Zone wieder eingeführt werden. Anders als im Holstenkamp wären dafür keine umfangreichen Rückbauten von Ampeln oder Zebrastreifen nötig. Lediglich die Aufpflasterung in der Einmündung des Gerda-Maßmann-Weges müsste entfernt werden. Die Kosten sind noch nicht bekannt, werden aber als vertretbar eingestuft. Vertretbare Kosten und die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung (StVO) waren die Prämissen bei der Entwicklung der Lösungsvarianten.

Im Holstenkamp bleibt es dagegen bei der bisherigen Regelung mit Tempo 50 und einer Geschwindigkeitsbeschränkung vor den Schulen. Ein Umbau der Straße würde zu hohe Kosten verursachen, meint der Arbeitskreis. Eine Mittelinsel im Bereich der Bushaltestellen vor der Schule kostet beispielsweise rund 85.000 Euro, eine Fahrbahnverschwenkung 56.000 Euro.

Mobile Smiley-Anlage soll Geschwindigkeit messen

Bauliche Lösungen führen auch zu Sichtbehinderungen, was wiederum Kinder gefährden könnte. Der Arbeitskreis schlägt statt dessen vor, das Tempo-30-Schild vor der Schule um 50 Meter weiter nach hinten zu setzen. Derzeit steht es direkt an der Einfahrt zur Grundschule und markiert eine 250 Meter lange Strecke, auf der die Autos langsamer fahren müssen. Mit der Versetzung des Schildes wird die maximale Streckenlänge von 300 Metern für die Geschwindigkeitsreduzierung ausgeschöpft. Auch das Design des Schildes wird verbessert: Das Tempolimit bekommt eine größere Schrift. Außerdem soll eine mobile Smiley-Geschwindigkeitsmessanlage für 3000 Euro angeschafft werden, um die Autofahrer am Beginn der 30er-Strecke zu sensibilisieren. Der Smiley könnte auch an anderen Gefahrenstellen eingesetzt werden.

Den Schulen wird zudem geraten, Verkehrslotsen aus der Eltern- und Schülerschaft der Gemeinschaftsschule auszubilden und einzusetzen. An beiden Straßen sollen zusätzlich Warnplakate aufgestellt werden. Der Arbeitskreis empfiehlt außerdem, die unübersichtliche Vorfahrtsregelung für Radfahrer und Fußgänger am Kreisverkehr Oher Weg zu verbessern und rät zu mehr Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei. Die beiden Sprecher zeigten sich zufrieden mit den erreichten Ergebnissen. Katrin Jarck sagte: „Das ist mehr, als wir jemals erwartet haben.“

Enttäuschung bei Anwohnern des Holstenkamp

Anwohner Horst Kühl war indes enttäuscht: „Warum kann die Tempo-30-Zone am Holstenkamp nicht einfach wieder eingerichtet werden. Die neue Gesetzgebung erleichtert das doch den Kommunen vor Schulen und Kindergärten.“ Noch deutlicher wird Kühls Frau. Sie sagt: „Das bringt uns gar nichts, wir können überhaupt nicht mehr vor dem Haus sitzen vor Lärm, weil so viele Lkw durch den Holstenkamp fahren.“ Eine Diskussion gab es im Bauausschuss nicht. Dafür ist die Informationsveranstaltung am kommenden Donnerstag gedacht.

Die Bürgerinformationsveranstaltung
zum Thema „Verkehrliche Maßnahmen Kaposvár-Spange/Holstenkamp“ am
Donnerstag, 21. September, beginnt um 19 Uhr im Festsaal des Bürgerhauses (Markt 2)

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