Stormarn
Glaube

Kloster Nütschau feiert Festival mit Gottes Segen

Prior Johannes Tebbe (2. v. l.) mit dem Organisationsteam: Bruder Lukas Boving, Bildungsreferentin Sarah Mc Donnell und FSJ-lerin Laura Haustein (r.)

Prior Johannes Tebbe (2. v. l.) mit dem Organisationsteam: Bruder Lukas Boving, Bildungsreferentin Sarah Mc Donnell und FSJ-lerin Laura Haustein (r.)

Foto: Verena Künstner / HA

150 Jugendliche feierten am Wochenende im Kloster Nütschau ihren Glauben mit Musik, Gebet, Tanz und Gesang.

Travenbrück.  Manchmal liegen nur 50 Kilometer zwischen zwei Welten. Als am Wochenende in Hamburg gewalttätige G20-Gegner hasserfüllt randalierten, kamen in Travenbrück zur selben Zeit Menschen zusammen, denen vor allem eines am Herzen liegt: ein friedliches Miteinander. Rund 150 Jugendliche und junge Erwachsene folgten der Einladung des Klosters Nütschau zu einem dreitägigen Glaubensfestival unter dem Motto „Just be“ („Einfach sein“).

„Es waren noch weitere 40 Teilnehmer aus Hamburg angemeldet“, sagt Bruder Lukas Boving. Der Benediktinermönch ist Kopf des Festival-Organisationsteams. „Die haben aber kurzfristig abgesagt, weil es in den Straßen kein Durchkommen mehr gab.“ Doch auch mit weniger Menschen herrschte auf dem Klostergelände an der Travenbrücker Schlossstraße reges Treiben. Das Abendblatt hat sich am Sonnabend unter die Festivalbesucher gemischt.

Fünf Live-Bands spielen auf Open-Air-Bühne

Das Jugendhaus St. Benedikt liegt dem Kloster gegenüber. Schon von Weitem weisen Schilder in leuchtendem Blau und Orange auf das Festival hin, auch Parkplätze sind ausgewiesen. Im Garten ist eine Open-Air-Bühne aufgebaut, auf der am Abend fünf Live-Bands spielen. Aus Wohnwagen heraus werden kleine Snacks und Crêpes angeboten. Doch die vielen Bänke auf der Wiese sind leer. Wo stecken die jungen Festivalbesucher? „Wir haben gerade unsere erste Workshop-Phase. Die dauert von zehn Uhr bis halb zwölf“, erklärt Johannes Tebbe. Der 43-Jährige steht am Willkommenszelt, an dem sich alle Teilnehmer und Gäste melden können. Seit zweieinhalb Jahren ist Bruder Johannes Prior im Kloster Nütschau und leitet die Gemeinschaft der derzeit 18 dort lebenden Mönche. Für die Workshops, die Themen wie Gebetsformen, Ritualtänze, Flüchtlingsschicksale und Glaubens-Sichtweisen behandeln, konnten sich die Festivalteilnehmer vorab anmelden.

Bruder Johannes erklärt derweil den Sinn des mittlerweile dritten Jugendfestivals. „Wir wollen uns als Christen nicht verstecken und laut sagen können ,Wir glauben!’. Dies in einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu tun und zu feiern, ist einfach großartig.“ Das Zentrum der drei Tage sei Christus, und drumherum gebe es Spaß, Essen und gute Musik.

Jugendliche stehen offen zu ihrem Glauben

Der vielleicht größte Unterschied zu anderen Musikfestivals ist, dass nach der ersten Nacht keine gedrückte Katerstimmung zu herrschen scheint. Es liegen weder leere Bierflaschen noch Müll herum. „Ich glaube, um Mitternacht waren die Letzten in ihren Zelten“, bestätigt Bruder Lukas. Die Zelte sind auf der anderen Seite der Straße am weiß getünchten Herrenhaus aufgeschlagen. Es sind knapp 40 Stück. Vor einem sitzen um kurz nach halb zwölf Uhr mittags Marie und Sophie. Die beiden 16 und 17 Jahre alten Schwestern kommen aus der Nähe von Münster. Ihr Besuch ist fast schon ein Familienausflug. „Unser Großonkel lebt hier im Kloster“, sagt Sophie. Das Festival empfindet sie als reines Glück. „Hier kann ich offen zu meinem Glauben stehen, ohne dass jemand blöde Kommentare abgibt oder mich gleich in eine Schublade steckt.“

Marie lernt gern neue Menschen kennen. Auch hier haben die Schwestern schnell Kontakt geknüpft, unter anderem zu Natalia. Die 16-Jährige hatte keine sehr lange Anfahrt: Sie kommt aus Glinde. „Die Offenheit, die hier herrscht, ist super. Man fühlt sich sofort in der Gemeinschaft aufgenommen“, sagt sie. „Dieses Gefühl möchte ich nach dem Festival in meinen Alltag mitnehmen.“ Am Nachmittag will Natalia noch den Meditations-Workshop besuchen.

Gottesdienst unter freiem Himmel

Könnten sie nicht auch einfach in einen Sportverein gehen und dort neue Leute kennenlernen? „Das ist zwar auch schön, aber nicht dasselbe“, sagt Sophie. „Hier verbindet uns der gemeinsame Glaube. Das ist eine stabile Grundlage, die unglaublich bereichernd ist.“

Während der drei Festival-Tage ticken die Uhren im Kloster Nütschau ein wenig anders. Der Sonntagsgottesdienst findet beispielsweise erst um zehn Uhr statt, eine Stunde später als üblich. Und auch nicht in der Klosterkirche, sondern unter freiem Himmel. „Wir freuen uns über die Abwechslung“, sagt Bruder Benedikt Hülsmann. Er lebt seit neun Jahren in Nütschau. „Die jungen Leute bringen Leben zu uns.“ Außerdem seien er und seine Mitbrüder es gewohnt, Besucher um sich zu haben.

Viele Besucher sind dem Jugendhaus seit Jahren treu

Das Kloster steht jederzeit offen für Tages- oder Langzeitgäste, Familien können hier ihren Urlaub verbringen, man kann Seminare besuchen und Tagungen abhalten. Die Ordensgemeinschaft lebt damit eine Regel des Heiligen Benedikt. Sie heißt: „Alle Gäste, die zum Kloster kommen, sollen wie Christus aufgenommen werden; denn er wird einmal sagen: ,Ich war Gast, und ihr habt mich aufgenommen’.“

Nach dem viertelstündigen Mittagsgebet in der Klosterkirche treffen sich die Festival-Teilnehmer zum Mittagessen. Bevor die Nachmittags-Workshops starten, haben sie dann noch genügend Zeit zum Relaxen, Reden und das Besinnen auf sich. Für Marina Habbe und Guy-Jean Redecker geht dagegen jetzt die Arbeit los. Die beiden sind als Helfer eingeteilt und für den Abwasch zuständig. „Ich komme schon seit fünf Jahren ins Jugendhaus St. Benedikt“, erzählt Marina. Die 20-Jährige ist Hamburgerin. Guy-Jean, 22 Jahre alt, kommt aus Telgte in Nordrhein-Westfalen. Auch er ist seit Jahren eng mit dem Kloster verbunden. „Die Atmosphäre ist einzigartig. Total locker, familiär und entspannt“, sagt er. Und Marina ergänzt: „Hier zu sein ist ein bisschen wie nach Hause kommen.“ Die beiden finden das Festival-Motto „Just be!“ sehr passend. Marina: „Es gibt doch nichts schöneres, als einfach nur dasein zu dürfen. Und hier vermitteln einem alle genau dieses Gefühl: Man ist gut so, wie man ist. Ohne Wenn und Aber.“