Stormarn
Nach Urteil

Verkaufsoffene Sonntage in Ahrensburg auf der Kippe

Gabriele Niebuhr, Inhaberin der Buchhandlung Stojan, könnte auf die verkaufsoffenen Sonntage auch verzichten, weil sie sich nicht lohnten

Gabriele Niebuhr, Inhaberin der Buchhandlung Stojan, könnte auf die verkaufsoffenen Sonntage auch verzichten, weil sie sich nicht lohnten

Foto: Pelle Kohrs / HA

Gericht stellt Anforderungen. Verwaltung nimmt drei von vier Terminen genau unter die Lupe. Andere Kommunen machen sich kaum Sorgen.

Ahrensburg.  In Ruhe durch die Innenstadt schlendern, um ganz ohne Alltagsstress die Angebote von Händlern und Gastronomen zu nutzen – bei verkaufsoffenen Sonntagen ist genau das möglich, mehrmals im Jahr auch im Kreis Stormarn. Aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts (BVG) droht derlei Veranstaltungen allerdings Gefahr (wir berichteten). Auch die Sonntagsvergnügen in Stormarns Kommunen stehen jetzt auf dem Prüfstand. Während sich die Verwaltungen in Bad Oldesloe, Trittau und Bargteheide diesbezüglich keine Sorgen machen, stehen in Ahrensburg gleich drei von vier Terminen auf der Kippe.

Ausgelöst worden ist die Diskussion durch einen Rundbrief, den das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium jüngst an Städte und Kreise im Bundesland versandte. In dem Schreiben wird über eben jenes Urteil des BVG informiert, das bereits seit Ende 2015 bekannt ist, bisher jedoch nur wenig Beachtung fand. Laut diesem Urteil muss parallel zu einem verkaufsoffenen Sonntag eine Veranstaltung organisiert werden, die mehr Besucher anlockt, als die Öffnung der Läden selbst.

Die Organisatoren wollen an den vier Sonntagen festhalten

Vier verkaufsoffene Sonntage gibt es jährlich in Ahrensburg. Und das soll sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Organisiert werden sie von der Ahrensburger Kaufleutevereinigung Stadtforum. Dessen Vorsitzender Götz Westphal macht sich keine Gedanken bezüglich einer oder mehrerer Absagen. „Es gab schon immer Auflagen für verkaufsoffene Sonntage, an die wir uns halten mussten“, sagt er. „Wegen des Briefes sind wir diesmal zusätzlich von der Verwaltung gebeten worden, zu belegen, dass die Besucher in erster Linie wegen der Attraktionen kommen.“

Laut Westphal sollte das kein Problem sein. Für drei der vier Termine könnte das aber zumindest schwierig werden. Außer Diskussion steht der verkaufsoffene Sonntag zum Ahrensburger Oktoberfest. „Diese Veranstaltung ist definitiv groß genug“, sagt Fabian Dorow, Fachdienstleiter für Ordnungsangelegenheiten in Ahrensburg. „Die anderen drei unterziehen wir aber einer genaueren Prüfung.“

Attraktionen sind Neuwagen, Oldtimer, Oktoberfest und Food-Trucks

Zum ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres im April ist eine Neuwagenausstellung mit Kinderprogramm vorgesehen. Im Mai sollen sich dann wieder etliche Oldtimer in der Stadt treffen und beim letzten offenen Sonntag im September sollen erneut sogenannte Food-Trucks als Hauptattraktion herhalten. Ob die Stadt das für ausreichend hält, um die Öffnung der Läden zu genehmigen, wird sich zeigen. Das Stadtforum gibt sich jedenfalls zuversichtlich.

„Allein die Food-Trucks und Oldtimer haben in den vergangenen Jahren tausende Menschen nach Ahrensburg gelockt“, sagt Götz Westphal. „Die meisten der Besucher waren schon Stunden, bevor die Läden geöffnet haben, vor Ort.“ Und genau das solle auch belegen, dass die verkaufsoffenen Sonntage nur Nebensache sind. Aber reicht das wirklich aus?

Thomas Reich, Justiziar und Fachbereichsleiter für Sicherheit, Schule und Soziales der Stadt, sagt: „Beim Oktoberfest machen wir uns überhaupt keine Gedanken. Bei den anderen dreien kann zurzeit aber noch nicht sicher gesagt werden, ob sie stattfinden oder nicht.“ Reich rechnet im Februar mit einer Entscheidung seitens der Ahrensburger Stadtverwaltung.

Viele Händler halten nicht viel von den verkaufsoffenen Sonntagen

Sollten tatsächlich verkaufsoffene Sonntage in der Schlossstadt ausfallen, ist das für viele Einzelhändler der Innenstadt kein Grund, Trübsal zu blasen. „Für uns bedeuten diese Termine lediglich 14 Tage Arbeit ohne Pause“, sagt Gabriele Niebuhr, Inhaberin der Buchhandlung Stojan. „Darauf könnte ich verzichten.“ Die Besucher kämen an einem verkaufsoffenen Sonntag ohnehin nur, um zu gucken und zu stöbern. „Sonntags zu arbeiten geht nicht nur an die Substanz, sondern lohnt sich auch aus finanzieller Sicht nicht.“ Eine Meinung, die Florian Palm, Geschäftsführer des Sporthandels Motschnigg, teilt. „Verkaufsoffene Sonntage sind für uns völlig unwichtig, kosten nur Geld und Freizeit“ sagt er. „Außerdem liegen in Ahrensburg die Termine schlecht.“

Klaus Lehmann, Inhaber der Ernst Kretzschmann Eisen- Haushaltswaren und Fahrrad GmbH, kann sich mit den Veranstaltungen ebenfalls nur schwer anfreunden. „An den ersten beiden offenen Sonntagen im Jahr sind die Geschäfte ganz gut besucht“, sagt er. „Aber während des Oktoberfests hat’s keinen Sinn, weil das die Menschen von den Läden wegzieht.“

In Trittau und Bad Oldesloe ist man entspannt

Dass Feste, Märkte oder Messen die Hauptattraktion sind, ist aber ja genau das, worauf das Bundesverwaltungsgericht wert legt. Vor allem die Gewerkschaft Ver.di begrüßte das Urteil. Mit Klagen gegen Kommunen, die sich nicht daran hielten, sorgte sie dafür, dass verkaufsoffene Sonntage gestrichen wurden. „In Schleswig-Holstein hat es so eine Klage noch nicht gegeben“, sagt Pressesprecher Frank Schischefsky. „Aber wir prüfen ganz genau nach, ob die Richtlinien eingehalten werden, natürlich auch im Kreis Stormarn.“

Verwaltungen anderer Kommunen im Kreis sehen darin keinen Grund zur Sorge. „Unsere verkaufsoffenen Sonntage laufen immer parallel zu großen Märkten“, sagt etwa Sabine Dreier vom Trittauer Fachdienst Ordnung und Sicherheit. Ähnlich ist es auch in Bad Oldesloe . „Wir integrieren die Sonntage immer in Großveranstaltungen“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke. „Und darin sehe ich keinerlei Probleme.“