Stormarn
Serie „Mein Kulturleben“

Ins Kino, rät der Dichter und Denker Klaus Peter Dencker

Pionier der visuellen Poesie: Klaus Peter Dencker aus Ahrensburg

Pionier der visuellen Poesie: Klaus Peter Dencker aus Ahrensburg

Foto: Lutz Wendler / HA

In der Serie „Mein Kulturleben“ geben Stormarner im Abendblatt Veranstaltungstipps. Heute: der Ahrensburger Klaus Peter Dencker.

Ahrensburg.  Nicht so einfach, im Kulturleben den Überblick zu behalten, wenn man, wie Klaus Peter Dencker in den vergangenen zwölf Monaten, das Gefühl haben konnte, dass sich alles um einen selbst dreht. Denn rund um seinen 75. Geburtstag am 22. März dieses Jahres erfuhr der international von Spezialisten hochgeschätzte Ahrensburger Dichter, der in ein umfangreiches und vielgestaltiges Werk auf dem eher abgelegenen Feld der Visuellen Poesie erschaffen hat, so viel öffentliche Anerkennung wie nie zuvor. Sieben Ausstellungen, etwa in Hamburg, Berlin, Lübeck und Marbach sowie eine Retrospektive von avantgardistischen TV-Filmen aus seiner Zeit als experimentierfreudiger Redakteur des Saarländischen Rundfunks, haben den Dichter und Denker so beschäftigt, dass kaum Zeit für anderes blieb.

Dabei ist Dencker ein universell an Kultur interessierter Mensch – lange Zeit nicht zuletzt von Berufs wegen, als er 17 Jahre lang in der Hamburger Kulturbehörde für viele Genres zuständig war. Dass er Hamburg noch stark zugeneigt ist, zeigt sich bei der Bitte um aktuelle Veranstaltungstipps. Dencker gesteht zwar aus genannten Gründen, nicht up to date zu sein, hat dann aber doch einiges parat. Wobei seine Tipps eher solche mit langem Haltbarkeitsdatum als Newcomer mit möglicherweise geringer Halbwertzeit sind.

Cinefest ist das Festival des deutschen Film-Erbes

Sein erster Tipp gilt Hans-Michael Bock, der beharrlich Großes geleistet habe, stets bescheiden im Hintergrund geblieben sei und deshalb zu wenig Wertschätzung in seiner Wahlheimat Hamburg erfahre. Insofern sei es genugtuend, dass Bock in diesem Jahr den Ehrenpreis des Kinemathekenverbundes für besondere Verdienste um Filmkultur und Filmerbe und in Italien den Limina Prize for Cultural Achievement erhalten habe. „Die Stadt Hamburg hat Hans-Michael Bock, neben Werner Grassmann vom Abaton und Heiner Ross, dem früheren Leiter des Metropolis, sehr viel in Sachen Filmkultur zu verdanken“, sagt Dencker.

Bock ist Herausgeber der Loseblatt-Enzy­klopädie CineGraph, dem umfassendsten Lexikon zum deutschsprachigen Film. Er hat das Institut CineGraph begründet, das mit seiner Forschung Anstöße zur Bewahrung des filmhistorischen Erbes gegeben hat. Seinem Engagement sind auch der 1988 initiierte Internationale Filmhistorische Kongress und das Cinefest, eine Kooperation von sieben Städten, zu verdanken.

Dencker erinnert an Malerin Gudrun Piper

Der diesjährige Kongress zum Thema Filmautoren und Schriftsteller des Exils startet morgen. Cinefest, das Festival des deutschen Film-Erbes, hat bereits begonnen. Bis zum 27. November zeigt das Metropolis 29 überwiegend historische Filme, darunter Klassiker wie „Ninotchka“ von Ernst Lubitsch , aber auch Raritäten und Fundstücke, Kino aus Bundesrepublik und DDR. Zudem gibt es einige der Filme als Zugabe am 29. und 30. November im Alabama und Lichtmeß-Kino als Zugabe zu sehen (Programm: www.cinefest.de).

Denckers nächster Tipps zeigt, dass es ihm auch in der Kultur historisches Bewusstsein wichtig ist. Deshalb erinnert er an die Malerin Gudrun Piper aus Wedel, die am 12. Oktober 99-jährig gestorben ist. Dencker bemerkt, dass das Werk der vielfach Ausgezeichneten, die mit ihrem Ehemann Max H. Mahlmann der Hamburger Künstlergruppe 45 abstrakter Maler angehörte, leider in Vergessenheit geraten sei.

Stormarner Kulturtipp: Künstler Peter F. Piening

Dazu passt ein weiterer Kulturtipp, der quasi zeitlos ist: das Künstlerhaus Sootbörn in Niendorf, ein ehemaliges Schulgebäude im Bauhausstil, das 1992 zu einem Ausstellungshaus mit Ateliers wurde. Die Gründung fällt in Denckers aktive Zeit in der Kulturbehörde, und er sieht das Projekt als lebensfähiges Modell an, weil es von den Künstlern selbst verwaltet wird, was nicht zuletzt die Qualitätsstandards hochhalte.

Nach Stormarner Kulturtipps befragt, nennt er spontan den Ahrensburger Künstler Peter F. Piening, der quasi Nachbar von Dencker ist, den er aber nicht persönlich kennt. Piening hat mit Laubsägearbeiten und Titeln wie „UnSägliches“ ironisch und philosophische Werke geschaffen. Dencker erinnert an eine Ausstellung im Marstall: „Seine Arbeiten irritieren und bringen zum Nachdenken. Es entsteht das, was von Kunst gefordert wird: dass der Betrachter produktiv wird.“

Nicht verschwiegen sei Denckers eigener Beitrag zur Stormarner Kultur, die Band Jazz Breeze. Dencker ist zwar inzwischen nicht mehr dabei, die New-Orleans-Jazzer spielen aber weiter, zum Beispiel beim traditionellen Neujahrskonzert im Restaurant Strehl. Dencker: „Stets ausverkauft.“