Stormarn
Kriminalität

Ahrensburg: Die Polizei zeigt Tatorte im Internet

Bis zum 30. September wurden in Stormarn 615 Einbrüche registriert. Nur 36 Taten konnten die Ermittler aufklären

Bis zum 30. September wurden in Stormarn 615 Einbrüche registriert. Nur 36 Taten konnten die Ermittler aufklären

Foto: Silas Stein / dpa

Mehr Informationen, mehr Präsenz, mehr Ermittler im Kampf gegen die Einbrecher. Doch Hinweise aus der Bevölkerung sind weiter wichtig.

Ahrensburg.  Wie häufig wird in Ihrer Wohngegend eingebrochen? Darüber gibt die Polizei in Stormarn künftig regelmäßig Auskunft. Auf der Facebook-Seite der Polizei Herzogtum Lauenburg und Stormarn werden in lockerer Folge auf Karten Einbruchsschwerpunkte dargestellt. So sind seit Donnerstags dort zwei Landkarten zu sehen. Eine zeigt Ahrensburg und die umliegenden Gemeinden, auf einer anderen sind Reinbek und Umgebung zu sehen. Farbige Punkte markieren auf beiden Karten die Einbrüche der vergangenen 14 Tage.

Die Polizei möchte den Einwohnern auf diese Weise verdeutlichen, wo es Schwerpunkte dieser Kriminalität gibt, sie für das Thema sensibilisieren. Diese neue Form der Information ist eine von fünf Säulen eines neuen Konzepts zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität in Stormarn. Genauso wie neu strukturierte Ermittlungsgruppen. Während in den vergangenen zwei Jahren 15 Polizisten in Reinbek stationiert waren und alle Einbrüche im Kreis aufgenommen und bearbeitet haben, gibt es nun zwei Ermittlungsgruppen in Reinbek und Ahrensburg mit je sieben Beamten. „Wir erhoffen uns so eine höhere Effizienz und einen besseren Informationsfluss“, sagt Ralf Lorenzen, Chef der Ahrensburger Kripo.

Zwar sind die Einbruchszahlen im Kreis in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen – doch auch die Aufklärungsquote sank. Bis zum 30. September registrierte die Polizei 615 Einbrüche. Nur 36 Taten konnten die Ermittler aufklären, das entspricht einer Quote von 5,9 Prozent. Damit ist Stormarn Schlusslicht im landesweiten Vergleich.

Beamte setzen Hoffnungen auf Fünf-Säulen-Konzept

Im gleichen Zeitraum 2015 zählte die Polizei 804 Einbrüche in Stormarn, die Aufklärungsquote lag bei 7,5 Prozent. Mit dem neuen Konzept soll dieser Wert nun verbessert werden. Neben den zwei Ermittlungsgruppen, wurde auch eine neue Einheit bei der Polizeidirektion Ratzeburg gegründet, die sich mit Organisierter Kriminalität befasst. Gibt es Hinweise darauf, dass eine Einbrecherbande hintern einer Serie von Einbrüchen steckt, die arbeitsteilig agiert, übernehmen die Spezialisten in Ratzeburg den Fall. „So werden die Ermittlungsgruppen entlastet“, sagt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg.

Eine weitere Säule des neuen Konzepts ist die Präsenz. In bei Einbrechern beliebten Wohngebieten will die Polizei jetzt stärken kontrollieren. Dabei fahren die Ermittler zwei Strategien: Sichtbar Präsenz zeigen, um Einbrüche zu verhindern. „Das hat einen abschreckenden Effekt“, sagt Ralf Lorenzen. Und es werden auch Kräfte in zivil eingesetzt. Die Polizei erhofft sich so einen Informationsgewinn und eine bessere Aufklärung. Auch sollen verstärkt Polizeihunde bei Streifen durch Wohngebiete zum Einsatz kommen. Holger Meier: „Diese können Täterspuren besser verfolgen.“

Ein weiterer Teil des neuen Konzeptes ist die Tatortarbeit. In beiden Ermittlungsgruppen gibt es auch Spezialisten für die Arbeit am Tatort. Sie sollen zum Beispiel Spuren von Schuhabdrücken sichern, sofern möglich, auch DNA-Spuren oder Fingerabdrücke. Die Daten werden dann zentral beim Landeskriminalamt gespeichert. Wird ein Serientäter festgenommen, könnten ihm so auch Taten aus der Vergangenheit zugeordnet werden.

Polizei ist auf Hinweise der Bevölkerung angewiesen

Die Idee, speziell geschulte Ermittler am Tatort einzusetzen, ist jedoch nicht neu. In den vergangenen zwei Jahren gab es eine solche Gruppe auch schon in Reinbek, die für den ganzen Kreis zuständig war.

Die fünfte Säule des neuen Konzepts ist die Prävention. Wie berichtet, waren am Dienstagabend Polizisten durch Ahrensburger Wohngebiete gegangen und machten Hauseigentümer und Mieter auf Schwachstellen an Häusern aufmerksam. Auch mit solchen Aktionen sollen Einbrüche verhindert werden. Zudem arbeiten die Beamten seit geraumer Zeit mit Fachbetrieben zusammen, beraten an öffentlichen Ständen, wie sich Hausbesitzer gegen die Kriminellen rüsten können. Solchen Aktionen sollen letztlich dazu führen, dass die Täter bei Einbruchsversuchen in Stormarn schon an gut gesicherten Fenstern und Türen scheitern. Schon jetzt kommen bei mehr als 40 Prozent der von der Polizei registrierten Taten die Einbrecher nicht ins Haus. Bei 279 von 615 registrierten Taten blieb es bei dem Versuch eines Einbruchs. Die Täter gaben auf, bevor sie überhaupt in die Gebäude eindringen konnten.

Die Polizei weist aber auch darauf hin, dass sie bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität immer auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen ist. Wer also verdächtige Beobachtungen macht, sollte sofort die Polizei alarmieren. Meier: „Wir kommen lieber einmal umsonst, als einmal zu spät.“