Verkehr

Ahrensburg: Die Bahn behebt ein Dauerärgernis

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Marc R. Hofmann
Auch beim planmäßigen Inspektionen sichern Bahnübergangsposten mit „faltbaren Bahnschranken“ zusätzlich die Strecke – wie hier am Braunen Hirsch in Ahrensburg

Auch beim planmäßigen Inspektionen sichern Bahnübergangsposten mit „faltbaren Bahnschranken“ zusätzlich die Strecke – wie hier am Braunen Hirsch in Ahrensburg

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Diagnosemodul war Auslöser und führte Techniker auf falsche Spur – Betrieb am Übergang Brauner Hirsch endlich wieder störungsfrei.

Ahrensburg.  Die Ursache ist endlich gefunden: Ein defektes Diagnosemodul hat Techniker der Bahn und mit ihnen Tausende Pendler monatelang genervt. Ausgerechnet während des Berufsverkehrs kam es auf der vielbefahrenen Strecke zwischen Hamburg und Lübeck immer wieder zu zeitraubenden Störungen in Ahrensburg. Denn sicherheitshalber blieben die Halbschranken am Bahnübergang Brauner Hirsch geschlossen.

Während die Autofahrer vergebens warteten, sorgte dies auch für Verdruss bei Bahnfahrern, denn jeder Zug musste aus Sicherheitsgründen vor dem Übergang anhalten, der Lokführer aussteigen, die Verkehrslage prüfen und durfte erst bei freier Strecke seine Fahrt fortsetzen. „Wenn die Schranken sechs Minuten unten bleiben, erhält der Fahrdienstleiter automatisch eine Meldung“, erklärt Wolfgang Busche, Bezirksleiter Leit- und Sicherungstechnik der DB Netz AG. Dann steige nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass eine Störung vorliegt, sondern auch die Gefahr, dass Autofahrer die Halbschranken umfahren. Die Folge: Verspätungen und Überstunden für die Bahnmitarbeiter. Sie müssen den Übergang manuell sperren, während die Kollegen anrücken und nach Fehlern suchen.

Unbekannte beschädigten Lautsprecher für Gehweg

„Auslöser war letztendlich das Diagnosemodul selbst“ sagt Busche, der für den Netzbezirk Billwerder und damit auch für den Streckenabschnitt vom Hamburger Hauptbahnhof bis Bargteheide zuständig ist. „Es hat uns auf eine falsche Spur geschickt.“ Zuvor seien bereits die Ein- und Ausschaltkontakte der Signalanlage getauscht worden, ebenso die Elektronik der Pkw-Ampeln. Es folgten die Radsensoren, die das Öffnen der Schranken bei Vorbeifahrendem Zug verhindern. Bei der letzten Störungsmeldung blieb nur noch der Austausch der Diagnosemodule, wie An­dreas Sahlmann von der Pressestelle der Deutschen Bahn in Hamburg bestätigt. Erst damit konnte die Fehlerserie abgestellt werden.

Für Verdruss hatte zusätzlich Vandalismus gesorgt. Unbekannte beschädigten den für den Geh- und Radweg bestimmten Lautsprecher allein in diesem Jahr schon dreimal.

Zwischen 2000 und 2010 Zahl der Fahrgäste um 50 Prozent gestiegen

Erbaut wurde der Bahnübergang im Jahr 1995, die „Einheitsbahnübergangstechnik 80“ (EBÜT) genannte Elektronik im Schalthaus von Hersteller Pintsch Bamag stammt – wie schon der Name vermuten lässt – aus den 80er- Jahren. „Sie ist damit jedoch nicht veraltet“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Wolfgang Busche ergänzt: „Seither ist routinemäßig oder nach Defekten praktisch jedes Bauteil mindestens einmal getauscht worden.“ Die Technik sei erprobt und zuverlässig, erst seit 2005 werde bei neuen Übergängen auf einen Nachfolger gesetzt.

Ob diese neue Technik auch noch am Braunen Hirsch zum Einsatz kommt, hänge auch vom Ausbau der S-Bahn-Linie 4 bis Bad Oldesloe ab. „Hamburg und Schleswig-Holstein haben angekündigt, bis Jahresende über die Erweiterung der Strecke zu entscheiden“, sagt Andreas Sahlmann von der Pressestelle. Dann könnten alle oder ein Teil der zehn Übergänge zwischen Schloss- und Kreisstadt aufgehoben und durch Unter- oder Überführungen ersetzt werden und müssten nicht mehr modernisiert werden. „Ein Bahnübergang hat immer Gefahrenpotenzial, wie jede Straßenkreuzung auch“, sagt Fachmann Busche. Doch selbst dann sei mit eine Fertigstellung der Pendlerstrecke erst 2027 zu rechnen. Und das, obwohl bereits zwischen 2000 und 2010 die Zahl der Fahrgäste nach Angaben des Nahverkehrsverbundes NAH.SH um 50 Prozent gestiegen ist. Die bereits stark ausgelastete Strecke sei gerade durch den Mischbetrieb aus Fern-, Regional- und Güterverkehr anfällig für Verspätungen und Zugausfälle.

Bahn führt keine Statistik über Störungsursachen

Hinzu kommt: Auch für den Autoverkehr stellt der Bahnübergang am Braunen Hirsch ein Nadelöhr dar: Bis zu 7500 Fahrzeuge queren ihn am Tag, wollen von der Autobahn 1 in den Hamburger Speckgürtel oder zurück. Für sie ist vorerst keine Besserung in Sicht, der Bau einer Südtangende zur Entlastung der durch die Wohngebiete im Hagen und Ahrensfelde führenden Strecke wurde im Dezember 2015 von der Stadt Ahrensburg als zu teuer verworfen.

Eine Statistik über die Störungsursachen führt die DB nicht. „Sie ist dazu nach aktuellem Vertrag auch nicht verpflichtet“, sagt Dennis Fiedel vom NAH.SH, der die Strecke ausschreibt. Dieser bekomme lediglich die „nackten“ Pünktlichkeitszahlen. Sie liegen für diese Strecke im Jahresverlauf 2016 zwischen 90,2 und 97,1 Prozent.

Bahn warnt: Schranken niemals umfahren

Tipps von Wolfgang Busche von der DB Netz AG zum richtigen Verhalten im Störfall.
Schranke unten: „Bitte warten Sie unbedingt vor der Schranke. Nach spätestens sechs Minuten bekommt der Fahrdienstleiter automatisch eine Nachricht. Im Zweifel rufen Sie die Polizei unter 110.“
Liegenbleiben im Schrankenbereich:
„Bei Halbschranken wie am Braunen Hirsch können Sie auch bei hinter sich geschlossener Schranke geradeaus den Gefahrenbereich verlassen. Sollte das nicht gehen, dauert es von ersten Lichtsignal bis zur Durchfahrt des Zuges mindestens 25 Sekunden. Verlassen Sie spätestens mit Schließen der Schranken schnellstmöglich das Auto und den Übergangsbereich und rufen Sie die Polizei.“

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