Stormarn
Jugendprojektpreis

Die Bargteheider Stadtmusikanten sind der Hit

Hella Lorberg ist in einem musikalischen Umfeld aufgewachsen. Ihre Eltern haben in einem Chor gesungen

Hella Lorberg ist in einem musikalischen Umfeld aufgewachsen. Ihre Eltern haben in einem Chor gesungen

Foto: Isabella Sauer / HA

Hella Lorberg und ihr Netzwerk führen Kinder an Musik heran. Die Initiatorin hofft auf Gewinn des Jugendprojektpreises

Bargteheide.  Sie sind zwar nicht so bekannt wie die Bremer Stadtmusikanten, jene vier Tiere – Hahn, Katze, Hund und Esel – aus dem Grimmschen Märchen. Aber zumindest der Name eint sie. Die Rede ist von einem Netzwerk in Bargteheide. Es besteht seit knapp zwei Jahren. Initiatorin ist die 77-jährige Hella Lorberg. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der musikalischen Szene der Stadt. Jetzt ist die agile Dame mit den Bargteheider Stadtmusikanten zum zweiten Mal für den Jugendprojektpreis der Bürgerstiftung Region Ahrensburg nominiert worden.

Mit einem Lächeln öffnet Hella Lorberg die Tür. Im Hintergrund ist klassische Musik der Türklingel zu hören. „Das ist eines meiner Lieblingslieder“, sagt die Rentnerin und geht vor zu ihrem Wintergarten. Sie freut sich sichtlich über den Besuch und beginnt sofort, von den Bargteheider Stadtmusikanten zu erzählen: „Wir Mitglieder haben das Ziel, Kinder früh an die Musik heranzuführen.“ Dies solle durch Konzerte und unterschiedliche Angebote zur musikalischen Früherziehung geschehen.

Kaum ein anderes Medium gebe so viele posive Impulse

Die ältere Dame scheint ein wenig nervös zu sein, manchmal vergisst sie, was sie erzählen möchte, weil sie mit den Gedanken schon beim nächsten Punkt ist. Lorberg möchte eben mit ihrem Projekt überzeugen, steht voll und ganz dahinter. Sie sagt: „Zu den Gründern der Stadtmusikanten gehören die Stadt, drei Kitas, drei Grundschulen, das Musische Forum Bargteheide, das Kinderhaus Blauer Elefant und die evangelische Kirche.“ 15 Mitglieder hat das Netzwerk mittlerweile. Sie arbeiten zusammen, um das Musikangebot für Kinder in Kindertagesstätten, Grundschulen und anderen Betreuungseinrichtungen zu optimieren.

Aber warum gerade Musik? Die gebürtige Rheinländerin: „Umgang mit Musik in der frühen und prägenden Phase eines Kindes schafft die besten Voraussetzungen.“ Kaum ein anderes Medium gebe so viele positive Impulse mit auf den Weg. Lorberg nippt an ihrem Glas Wasser und sagt: „Musik fördert die Kreativität, wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und das soziale Verhalten von Kindern aus.“ Sie wecke Emotionen, unterstütze die sprachliche Entwicklung und die Ausdrucksfähigkeiten.

Singen und Musizieren als Integrationshilfe für Flüchtlinge

Besonders wichtig sei auch der positive Aspekt, dass Singen und Musizieren bei der Integration ausländischer Kinder helfe. „Das bekommen wir besonders jetzt zu spüren.“ Sie erinnert sich an eine Begebenheit mit einem Flüchtlingsjungen. „Der zwölfjährige Syrer wollte unbedingt Gitarre spielen lernen“, sagt Lorberg. Da habe sie mit einer Bargteheider Musikschule gesprochen. Jetzt bekommt der Junge regelmäßig Musikunterricht und geht dabei richtig auf.

Lorberg selbst hat ihr erstes Instrument, das Klavier, mit fünf Jahren gelernt. Ihre Eltern waren Chorsänger, oft wurde sie zu den Proben mitgenommen. Nach der Schule machte Lorberg eine Gesangsausbildung. „Mein größter Wunsch war es immer, Solistin zu werden.“ Aber die Eltern hätten ihr letztlich davon abgeraten.

In Lorbergs Keller stehen Klavier, Gitarre und Notenständer

Zurück zur Gegenwart: Jetzt opfert Lorberg viel Zeit für das ehrenamtliche Engagement, arbeitet immer wieder an neuen Projekten der Stadtmusikanten. Dazu gehören Kinderkonzerte in Schulen oder das sogenannte Instrumentenkarussell. Das ist ein Angebot, bei dem Musiker Kita-Kindern ihre Instrumente zeigen und vorspielen.

Sollten die Bargteheider Stadtmusikanten den Jugendprojektpreis gewinnen, möchte Hella Lorberg die Siegprämie dafür einsetzen, Konzerte zu subventionieren. Sie sagt: „So könnten auch Kinder kommen, deren Eltern nicht so viel Geld haben.“ Oder es könnte mehr Unterricht für Kinder aus ärmeren Haushalten organisiert werden. „Wir haben viel vor und Spaß an der Entwicklung neuer Projekte“, sagt Lorberg und verschwindet in ihrem Keller. Dort stehen Klavier, Gitarre und Notenständer. Auch jetzt möchte Lorberg noch einmal in die Tasten hauen. Sie sagt: „Es wäre so schön, wenn wir dieses Mal gewinnen würden.“ Dann beginnt sie zu spielen und scheint die Welt um sich herum zu vergessen.