Stormarn
Tremsbüttel

Aus für die geplante private Sportuniversität

Foto: google earth

Kreis und Gemeinde lehnen das geplante Projekt ab. Verwaltung ist um den Naturschutz besorgt, Bürger schrecken vor der Größe zurück.

Tremsbüttel.  Das Thema private Sportuniversität in Tremsbüttel ist vom Tisch, bevor es richtig begonnen hat. Der Kreis hat das Dorfentwicklungskonzept, das den Bau einer privaten Sportuniversität am Ortsrand vorsah, abgelehnt. „Aus Naturschutzgründen ist dieses Gebiet für die Nutzung nicht geeigent“, sagt Tremsbüttels Bürgermeister Norbert Hegenbart von der Kommunalen Wählergemeinschaft (KWG).

Was ist geschehen? 2014 kam der Projektentwickler Maik Fischer mit der Idee, in Tremsbüttel eine private Universität für Sportmarketing zu errichten, auf die Gemeinde zu. Fischers Planungen sahen ein Campusgelände mit Universität, Sporteinrichtungen und Mehrgenerationen-Wohnen vor. „Neben der theoretischen Ausbildung erhalten die Studierenden im geplanten Studiengang eine weltweit einzigartige praktische Ausbildung“, heißt es in Fischers Konzept.

Bis zu 450 Menschen sollten auf dem 53.000 Quadratmeter großen Areal ihren Lebensmittelpunkt finden. Dabei sollten alle Gebäude so gestaltet sein, dass sie auch als barrierefreier Wohnraum nutzbar wären. Eine geeignete Fläche hatte Maik Fischer bereits im Blick: im neuen Gewerbegebiet direkt an der Autobahnanschlussstelle Tremsbüttel bis zur Straße Am Herrenholz. Eine attraktive, strategisch günstige Lage. Zu diesem Zeitpunkt war auch die Verlegung der S4-Haltestelle Kupfermühle nach Tremsbüttel noch im Gespräch.

Campus sollte die Gemeinde finanziell nicht belasten

Zur Finanzierung heißt es in dem Entwurf nur „Domhan Vision realisiert das Projekt. Finanzierung und Betrieb erfolgt durch neu gegründetes Unternehmen.“ Maik Fischer stand für ein persönliches Gespräch mit der Redaktion nicht zur Verfügung.

Das Konzept stellte der Projektentwickler Mitte 2014 der Gemeindevertretung Tremsbüttel vor. Es sah eine verbesserte Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, einer kulturellen Aufwertung des Ortes, sowie besserer ärztlicher und schulischer Versorgung vor. „Der Campus ist als nachhaltiges autarkes System konzipiert, so dass für die Gemeinde keine zusätzliche Belastung entsteht“, heißt es in den Unterlagen.

Bürgerbefragung sprach sich gegen die Pläne aus

Bereits 2018 sollte mit dem Bau begonnen werden. Interessiert gab die Gemeinde im Rahmen ihres Dorfentwicklungskonzeptes eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Die Tremsbütteler sprachen sich allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt in einer Bürgerbefragung gegen die Pläne aus. „Aus Angst vor der Größe, schließlich hätte das Gelände die Fläche eines kompletten Neubaugebietes“, sagt Axel Funck, Vorsitzender des Sportvereins VfL Tremsbüttel und Mitglied des Sozialausschusses für die Kommunale Wählergemeinschaft.

Parallel zu der Idee einer privaten Sportuniversität war die Verlagerung des Tremsbütteler Sportplatzes im Gespräch. Auf der anderen Seite der Straße Am Herrenholz wäre Platz für drei Fußballfelder. „Generell ist es wichtig, mit den Ballsportlern aus der Ortsmitte herauszugehen, aber trotz Randlage gut erreichbar zu bleiben“, sagt VfL-Vorsitzender Funck.

Anderer Standort kam aufgrund der Größe nicht infrage

Die Idee einer privaten Sportuniversität scheiterte aus zwei Gründen: Die Stormaner Kreisverwaltung untersagte aus Naturschutzgründen den Bau am vorgesehenen Standort. Ein anderer Standort kam aufgrund der Größe der benötigten Fläche nicht infrage. Weiter wären aus Sicht des Kreises die Belästigung im Ort durch Lärm- und Lichtemissionen für den Bereich zu hoch gewesen. Fraglich ist auch, ob auch ein Spielbetrieb am Wochenende möglich gewesen wäre.

Das zweite Ausschlusskriterium waren gravierende sportliche Nachteile für die Fußballsparte des Vereins. „Das sportliche Konzept hatte nur wenige Überschneidungen mit dem VfL“, sagt Funck. Die Gründung eines weiteren semiprofessionellen Vereins unter dem Namen VfL war angedacht. Diese Idee deckte sich nicht mit den Vorstellungen des Investors, so dass „wir eine große Gefahr für unsere Fußballabteilung und die aktive Jugendarbeit sahen“, so der Erste Vorsitzende.

In seiner Neujahrsansprache betonte der Bürgermeister, dass das Projekt private Sportuniversität in Tremsbüttel gestorben sei. Eventuelle Planungen, die Sportstätten aus dem Dorfzentrum auszulagern, sind weiter im Gespräch. Norbert Hegenbart: „Noch gibt es dazu keine konkreten Pläne. Wir haben dem Kreis bislang kein neues Konzept vorgelegt.“