Sanierungen

Stadt Ahrensburg spart ihre Straßen kaputt

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Lutz Wendler
Die Manhagener Allee braucht dringend eine Deckensanierung

Die Manhagener Allee braucht dringend eine Deckensanierung

Foto: Birgit Schücking / HA

Haushaltsdefizit zwingt Stadt dazu, geplante Sanierungen erneut aufzuschieben. Eine Ausnahme: der Pionierweg in der Siedlung am Hagen.

Ahrensburg.  Es gibt Top Ten-Listen, auf denen niemand stehen möchte. Die Stadt Ahrensburg zum Beispiel lässt von Zeit zu Zeit eine Art Ranking aufstellen, wenn das Kataster über den Zustand der Straßen in der Stadt aktualisiert worden ist. Danach werden die zehn Straßen benannt, die dringend sanierungsbedürftig sind. Das Ganze soll ein Signal dafür sein, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Doch im Jahresrhythmus lässt sich an der Liste ablesen, dass sie größtenteils nicht abgearbeitet, sondern fortgeschrieben wird.

Stets prekäre Haushaltslage sorgt für Verzögerungen

Denn jedes Jahr wiederholt sich das gleiche Spiel, wenn die Verwaltung ihren Haushaltsplan vorstellt, der auch Kostenvoranschläge für Planung und Bauausführung für die dringlichsten Straßensanierungsprojekte enthält. Angesichts der stets prekären Haushaltslage wird mit der Politik eine Streichliste verhandelt. Und am Ende, bei Verabschiedung des Haushalts, kommen darin viele Straßensanierungen nicht mehr vor, weil sie aufgeschoben werden. Auch mit Blick auf andere Kommunen ließe sich sagen, dass Straßensanierungen Streichkandidaten Nummer eins sind. Wenn sie nicht schon im vorauseilenden Gehorsam gar nicht erst in den Plan hineingeschrieben worden sind.

Das wird im aktuellen Ahrensburger Haushalt, in dem ungewöhnlich hohe Defizite im Betriebsergebnis und bei den anstehenden Investitionen gemeistert werden müssen, wieder besonders deutlich. Stephan Schott, Fachbereichsleiter für das Straßenwesen in Ahrensburg, sagt, man müsse Straßen als Individuen sehen, die eine begrenzte Lebensdauer hätten. Manche lebten länger als die durchschnittliche Abschreibungszeit von 35 Jahren – abhängig von ihrer Bauqualität, der Verkehrsbelastung und ihrer Lage. Andere aber, so sagt Schott, seien wie Dauerpatienten auf der Intensivstation: „Da piept es nur noch.“

Das Abendblatt hat sich beispielhaft einige chronische Fälle angesehen und stellt deren Prognose vor.

Spechtweg

„Die Straße ist seit Jahrzehnten in schlechtem Zustand. Es wurde immer wieder nur das Nötigste ausgebessert“, sagt Kuno Hofmann,Anlieger des Spechtwegs Birgit Schücking

Der etwa 800 Meter lange Spechtweg nahe dem Forst Hagen ist eine der Straßen, die am längsten auf der Liste der erneuerungsbedürftigen Straßen stehen. „Seit ich hier arbeite, und das sind inzwischen auch schon zehn, elf Jahre“, sagt Stephan Schott. Die von der Buslinie 269 stündlich beziehungsweise halbstündlich befahrene Straße ist kaum mehr als solche zu bezeichnen: ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Asphaltmischungen, Löcher wurden offensichtlich provisorisch ausgebessert, Wasser kann kaum abfließen. Kuno Hofmann, der seit 20 Jahren hier lebt, sagt: „In dieser Zeit hat sich nichts Grundlegendes getan, aber zuletzt mussten bestimmt zweimal im Jahr die schlimmsten Löcher zugeschüttet werden.“ Bereits im Finanzplan 2015 waren 455.000 Euro für die Wiederherstellung der Straße (Gesamtkostenschätzung 780.000 Euro) angesetzt. Etwa 130.000 Euro davon seien bereits für Untersuchungen und Planungen ausgegeben worden, schätzt Kämmerer Horst Kienel.

Die Ahrensburger Verwaltung schlägt vor, den Rest zurückzustellen und die im Finanzplan 2016 angesetzte zweite Tranche von 325.000 Euro zu streichen. Ob das Projekt im Jahr 2017 fortgesetzt würde, wäre offen. Die SPD-Fraktion will beantragen, dass der Spechtweg im Investitionsplan 2016 bleibt. Ungewiss ist, wie die Anlieger der nur einseitig bebauten Straße an Kosten beteiligt werden.

Pionierweg

„Dass noch in diesem Jahr gebaut werden soll, höre ich zum ersten Mal. Wir wurden von der Verwaltung nicht darüber informiert“, sagt Siegfried Lück, Anlieger am Pionierweg HA Birgit Schücking

Der etwa 450 Meter lange erste Abschnitt des Pionierwegs ist in ähnlich schlechtem Zustand wie der Spechtweg. Die überfällige Grundinstandsetzung wird im Pionierweg trotz der Haushaltsmisere ausgeführt. Die Planung wurde abgeschlossen, bis Ende Januar läuft die Ausschreibung für die Bauausführung. Baubeginn soll, je nach Wetterentwicklung, vor oder nach Ostern sein. Misslich für die Anwohner, dass bei den Voruntersuchungen im Fahrbahnunterbau mit Blei, Chrom und Kupfer kontaminierte Schlacke gefunden wurde, die extra entsorgt werden muss. Die Stadt will auch diese Kosten umlegen. Die Anlieger werden mit 75 Prozent an den Baukosten beteiligt. Wahrscheinlich ist ihr Teilwiderspruch gegen die Entsorgungskosten.

Hagener Allee

„Ich fahre hier täglich mit dem Fahrrad zur Kita. Der Zustand ist extrem schlecht. Mein drei Jahre alter Sohn wird in seinem Anhänger ziemlich durchgeruckelt“, sagt Sabine Apel, die im Ahrensburger Süden wohnt HA Birgit Schücking

Ebenfalls ein Dauerpatient auf der Ahrensburger Straßen-Intensivstation ist die Hagener Allee, insbesondere ihr Teil durch den Forst Hagen. Ihr Ausbau auf etwa 1,4 Kilometer vom Starweg bis zum Spechtweg ist in noch fernere Zukunft verschoben, als er es ohnehin schon war. Erst für den Finanzplan 2019 waren 800.000 Euro veranschlagt worden, die vorerst gestrichen wurden. Die Gesamtinvestition dürfte etwa viermal so hoch sein. Realisierung in nächster Zeit erscheint deshalb sehr fraglich. Das Gleiche gilt für den noch längeren Bornkampsweg.

Manhagener Allee

Die Manhagener Allee braucht dringend eine Deckensanierung, damit der stabile Untergrund der Straße nicht gefährdet wird Birgit Schücking

Die Manhagener Allee zwischen Aalfang und Tunnel ist für Stephan Schott ein Musterbeispiel für hochwertigen Straßenbau, vor allem wegen ihres außergewöhnlich haltbaren mehr als 40 Jahre alten Untergrunds. Dennoch müsste die Fahrbahndecke erneuert werden, damit vorhandene Schäden nicht die Basis gefährden. Wahrscheinlich ist, dass Planungskosten für 2016 freigegeben werden und dass rasch gebaut wird, weil die Straße hohe Priorität hat. Die Sanierung von Fuß- und Radwegen könnte sich verzögern.

Klaus-Groth-Knoten

Wichtig für den Verkehrsfluss wäre ein Umbau des Verkehrsknotens Klaus-Groth-Straße/Reeshoop. Bei schwieriger Haushaltslage gilt das Projekt allerdings als „Komfortmaßnahme“ (Schott), die zurückgestellt wird. Die für den Umbau im Finanzplan 2016 veranschlagten 120.000 Euro wurden deshalb ersatzlos gestrichen.

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