Stormarn
Travenbrück

Kloster für Kirchenasyl geehrt

Benediktiner in Nütschau erhalten „Leuchtturm des Nordens“ vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein

Travenbrück. Lange hatten Bruder Benedikt und seine Glaubensbrüder überlegt, ob das Kloster den Preis vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein entgegennehmen könne. „Wir machen das, was Christen so tun. Wir nehmen Menschen auf und helfen ihnen“, sagte der Mönch bei der Verleihung des „Leuchtturm des Nordens 2015“ im Haus St. Ansgar in Nütschau. Gewürdigt wurde damit das große Engagement der Benediktiner im Travenbrücker Ortsteil für von Abschiebung betroffene Flüchtlinge.

Das Kloster Nütschau gewährt Kirchenasyl. So haben die Mönche in den vergangenen zwei Jahren genau 14 Menschen vor der Abschiebung bewahrt. Bruder Benedikt: „Ich bin sehr froh, dass dies von der Brüdergemeinschaft so mitgetragen wird. Wir möchten das auch weiterhin so tun.“

In ihrer Laudatio berichtete Brigitta Oehmichen, Preisträgerin des Jahres 2014, aus einem Gespräch mit den Mönchen: „Es gab da einen afghanischen Jungen, der kam mitten in der Nacht, hat die Sprache nicht gesprochen und war erst kurz in Deutschland. In drei Wochen hat er sich wunderbar eingelebt und hält immer noch Kontakt“, so die Lübeckerin. „Sie werden hier nicht nur aufgenommen, sondern auch in das Leben integriert.“

Für den katholischen Benediktiner-Orden in dem Dorf nordwestlich von Bad Oldesloe spielt die konfessionelle Herkunft der Hilfesuchenden keine Rolle. Nur einer war Christ, alle anderen muslimischen Glaubens. In allen Fällen konnte für die im Kloster Nütschau Untergekommenen eine Lösung gefunden werden.

Lediglich Asylsuchenden aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea solle eine gute Bleibeperspektive zugebilligt werden, so der Flüchtlingsrat. Alle anderen – und nicht nur die aus angeblich sicheren Herkunftsländern – hätten mehr oder weniger das Nachsehen. Zum Beispiel die große Gruppe afghanischer Flüchtlinge

Martin Link, Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein, sagte, warum Engagement wie das des Klosters so wichtig sei: „Jetzt werden Fälle von afghanischen Flüchtlingen bekannt, deren Asylgesuche als offensichtlich unbegründet abgelehnt werden. Gleichzeitig hat die Innenministerkonferenz am 6. Dezember erklärt, Afghanen trotz der dort zunehmend eskalierenden Gewalt regelmäßig abzuschieben. Die Betroffenen suchen verzweifelt nach Hilfe und einen möglichen Ausweg.“

In Schleswig-Holstein haben bis dato 60 Kirchengemeinden in vergleichbaren Fällen sogenanntes Kirchenasyl gegeben. Der Flüchtlingsrat erwartet, dass die Nachfrage wegen aktueller politischer Entscheidungen und neuen Rechtssetzungen zunehmen werde.