Stormarn
Poetry Slam

Mona Harry reimt und slamt den Norden berühmt

Mona Harry, seit 2011 erfolgreiche Poetry Slammerin, Ahrensburgerin, 24 Jahre alt, Kunst- und Philosophiestudentin, spricht  mit ihrem Text „Norden“ vielen Nordlichtern aus der Seele

Mona Harry, seit 2011 erfolgreiche Poetry Slammerin, Ahrensburgerin, 24 Jahre alt, Kunst- und Philosophiestudentin, spricht mit ihrem Text „Norden“ vielen Nordlichtern aus der Seele

Foto: Verena Künstner / HA

Mit ihrem „Liebesgedicht an den Norden“ erobert die Ahrensburgerin das Internet. Ein Kieler Ministerium leistete Schützenhilfe - ohne zu fragen

Ahrensburg/Hamburg.  Mona Harry sprudelt. Aus ihr fließen die Worte nur so heraus. Sie überschlagen sich fast. Und doch will und muss jedes einzelne gehört werden. Denn das, was Mona sagt, ist schön. Nicht, weil es besonders nett ist (aber auch). Nicht, weil es besonders schlau ist (aber auch). Das Zuhören lohnt sich vor allem, weil das, was Mona sagt, ein Kunstwerk ist. Die 24-Jährige ist Poetry Slammerin. Das heißt, sie schreibt eigene Texte und tritt damit in literarischen Wettbewerben gegen andere Poeten an.

Seit ein Video, in dem Mona ihren Text ‘Norden’ vorträgt, vom Wirtschaftsministerium Kiel auf dessen Youtube-Kanal hochgeladen wurde, ist sie quasi über Nacht zu einer berühmten Slammerin geworden.

Mehr als 212.000 Klicks hat das Video mittlerweile, das Mona bei einem Auftritt in Deggendorf zeigt. Deggendorf liegt im schönen Bayern. Und genau dort hat Mona in liebevollsten Tönen vom noch schöneren Norden geschwärmt.

Monas Text spricht Herz und Verstand an

Unter anderem so: „Wer auch immer beschloss, dieses Land zuzubereiten – dieser Koch war so verliebt, sogar die Luft ist versalzen“. Oder „Sitzen auf Sandbänken, bis der Morgen längst graut. Immer dran denkend, dass Wind bloß Himmel ist, der sich den Hautkontakt traut.“ Die Video-Klicker sind sich überwiegend einig und lassen in ihren Kommentaren keinen Zweifel daran, dass Monas Text Herz und Verstand gleichermaßen anspricht.

„Es ist ein seltsames Gefühl, dass meine Worte so viele Menschen berühren“, sagt Mona. Täglich kommen neue Anfragen und Nachrichten, die sie beantworten muss. Sie freut sich darüber. Aber es ist auch deutlich zu spüren, dass sie das, was gerade passiert, noch gar nicht richtig fassen kann. Kein Wunder, schließlich konnte sie sich auch nicht darauf vorbereiten.

Kieler Wirtschaffsministerium wirbt mit Monas Gedicht

Das Kieler Wirtschaftsministerium hat die Wortkünstlerin vor der Veröffentlichung des Videos nicht um Erlaubnis gebeten. Mona Harrys Text habe einfach gut zur aktuellen Werbekampagne und dem dazu gehörenden Slogan ‘Der echte Norden’ gepasst, wird der Ministeriums-Sprecher zitiert. „Die meinten sogar, ich solle doch froh sein, weil das Werbung für mich ist“, sagt Mona Harry. Darüber kann sie nur lachen. Natürlich freut sich die Kunst- und Philosophiestudentin über die – sehr positive - Resonanz. Aber „Künstler beziehungsweise deren Werke sollten nicht für solche Dinge missbraucht werden. Ich würde gerne selbst darüber entscheiden, in welchem Zusammenhang meine Texte die Öffentlichkeit erreichen.“

Das Ministerium hat sich mittlerweile entschuldigt. Es stehen weitere Gespräche an, die „im besten Fall zu einer guten Lösung für beide Seiten führen sollten“, sagt die Ahrensburgerin.

In der Poetry-Slam-Szene ist sie berühmt

Auch wenn Mona jetzt einem breiteren Publikum bekannt ist – in der Poetry Slam-Szene war sie schon vorher keine Unbekannte. Seit 2011 ist sie auf Bühnen in ganz Deutschland unterwegs. Kürzlich hat Mona in Augsburg bei den deutschsprachigen Meisterschaften das Finale erreicht. Bis zu 15 Auftritte hat sie pro Monat. Da bleibt wenig Zeit für die Liebe. Oder? „Mein Freund Michel hat für meine Touren vollstes Verständnis“, sagt Mona. Das hat gute Gründe: Michel Kühn ist selbst Poetry Slammer. Und als amtierender Schleswig-Holstein-Meister ist der Kieler auch ständig unterwegs. Wenigstens ein gemeinsames Zuhause wollen Mona und Michel bald haben. Monas Umzug nach Kiel steht kurz bevor. „Michel ist mein liebster Kritiker. Kaum jemand versteht das, was ich ausdrücken möchte, so gut wie er.“

Sie nimmt Kontakt mit dem Publikum auf

Worin genau liegt für Mona der Reiz der besonderen Wortkunst, die sich aus dem Untergrund langsam aber zielstrebig auf großen Bühnen breit macht? „Es ist der Prozess des Schreibens, der mir unglaublich gut tut. Gedankengänge werden klarer und die Perspektive auf das jeweilige Thema verändert sich.“ Beim Vortragen sei es der Rhythmus des gesprochenen Wortes, der eine ganz eigene Dynamik entwickle.

Beim Auftritt selbst dann der unmittelbare Kontakt mit dem Publikum. Die Zuschauer bewerten durch Applaus die Leistung der Poetry Slammer. „Für uns selbst ist gar nicht so wichtig, wer gewinnt“, sagt Mona. Kurz vor ihrem Auftritt beim Bargteheider Slam ‘Wort für Wort’ am vergangenen Donnerstagabend bestätigten das auch ihre Slammer-Kollegen. „Wir sind wie eine große Clique und reisen auch oft zusammen zu Auftritten“, sagt Lennart Hamann.

Der Bedarf an Kunst und Worten ist groß

Der 23-Jährige organisiert ‘Wort für Wort’ seit knapp zwei Jahren. Alle zwei Monate finden die Wettbewerbe an unterschiedlichen Orten statt. Unterstützt werden sie unter anderem von Ulrike und Lutz Herberg, den Inhabern der Bargteheider Buchhandlung. „Wir machen das, weil uns das kulturelle Leben unserer Stadt am Herzen liegt“, so Lutz Herberg.

Der Bedarf an Kunst und Worten ist offensichtlich da: Ins Jagdschloss Malepartus am Tremsbütteler Weg kamen mehr als 130 Zuschauer, um Mona Harry und acht weiteren Poeten zuzuhören.

Mona moderiert jeden dritten Freitag "Slam the Pony" im Haus 73

Jeden dritten Freitag (auch an diesem Freitag, 20. November) im Monat findet der 'Slam the Pony'-Poetry Slam im Haus 73 im Schanzenviertel statt. Mona Harry moderiert den Slam, der zu den ältesten Hamburgs gehört. Mit selbstgeschriebenen Texten jeder literarischen Gattung buhlen die Poeten um die Gunst des Publikums, um Ruhm und Ehre und um den traditionellen Siegerschnaps. Anmeldung für Teilnehmer unter slamthepony@web.de.

Einlass ist jeweils 20.00 Uhr, Beginn 20.30 Uhr, Eintritt 5 Euro (nur Abendkasse), Kulturhaus 73 im Schulterblatt 73 in 20357 Hamburg.

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