Stormarn
Kommentar

Streikende sollten Leidtragende besser im Blick haben

HA-Mitarbeiterin Julia Sextl

HA-Mitarbeiterin Julia Sextl

Foto: (FREELENS Pool) Malzkorn / www.malzkornfoto.de

Arbeitsniederlegungen sind legitim. Dennoch sollten die Streikenden mehr Rücksicht nehmen – und ihre Streiks frühzeitiger ankündigen.

Streikrecht ist ein hohes Gut. Ein wertvolles Gut. Ein mühsam erkämpftes Gut. Es ist das letzte, stärkste und damit das wichtigste Druckmittel für Arbeitnehmer, um Forderungen durchzusetzen. Auf der anderen Seite jedoch stehen nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch jene Menschen, deren Alltag durch die Streiks erheblich eingeschränkt wird – wie jetzt während des Streiks der privaten Busfahrer: Väter und Mütter müssen ihre Kinder stundenlang mit dem Auto durch die Gegend kutschieren. Pendler müssen aufs Fahrrad umsteigen, Termine umgelegt werden.

Keine Frage, ein Streik soll Schmerzen bereiten, damit er seine Wirkung erzielt. Aber manche Menschen trifft er mit voller Wucht. So hatte insbesondere der erste Streiktag morgens alle überrascht – die Gewerkschaft hatte ihn erst kurz vorher angekündigt. Die Folge: verunsicherte Schulkinder, die hilflos, teils mit Tränen in den Augen, an Bushaltestellen standen. Gehbehinderte, die weite Strecken zu Fuß zurücklegen mussten. Kranke, die zum Arzt mussten, aber nicht hinkamen. Und all jene, die stundenlang auf den Bus warteten und nicht begriffen, dass keiner kommt. Bis sich die Nachricht über einen Streik in der Bevölkerung herumspricht, das dauert manchmal.

Deshalb müssen die Streikenden die Leidtragenden besser im Blick haben. Sie müssen ihnen die Möglichkeit geben, sich darauf einzustellen. Es ist notwendig, Streiks frühzeitig anzukündigen. Das gebietet die gegenseitige Rücksichtnahme. Auch, wenn der Schmerz dann vielleicht nicht ganz so stark ist und die Wirkung nicht ganz so schnell eintritt. Aber das wäre fair.