Stormarn
Ahrensburg

Der wehrhafte Schatzmeister des Tennisclubs

Er hat   Ärger mit E.on: Heiko Jansen, der Schatzmeister des Tennis- und Hockey-Clubs

Er hat Ärger mit E.on: Heiko Jansen, der Schatzmeister des Tennis- und Hockey-Clubs

Foto: Martina Tabel / HA

Im Streit mit dem Stromkonzern E.on um eine falsche Abrechnung lässt Heiko Jansen vom Tennis- und Hockey-Club Ahrensburg nicht locker.

Ahrensburg. Der Sprecher der E.on Energie Deutschland hat Wort gehalten und sich nach dem Abendblatt-Bericht über einen Streit zwischen dem Ahrensburger Tennis- und Hockey-Club (THC) und dem Stromkonzern um eine völlig überhöhte Rechnung gemeldet. „Das finde ich gut“, sagt THC-Schatzmeister Heiko Jansen. „Ich bin angenehm überrascht.“ Gar nicht gut findet Jansen hingegen das Angebot, das ihm Konzernsprecher Michael Krautzberger unterbreitet: Knapp 400 Euro Aufwandsentschädigung will das Unternehmen zahlen. Jansen fordert 2250 Euro – als Ausgleich dafür, dass er eineinhalb Jahre darum kämpfen musste, bis der Konzern die falsche Abrechnung korrigierte.

Jansen stellt 30 Arbeitsstunden in Rechnung

Wie berichtet, hatte E.on dem THC für das Jahr 2011 rund 5500 Euro zu viel in Rechnung gestellt. Nun stellt Jansen seinerseits dem Konzern 30 Arbeitsstunden à 75 Euro in Rechnung – für seine Aufklärungsbemühungen. Diese Forderung liegt auf dem Tisch. Und dabei bleibt es. Das hat Jansen auch E.on wissen lassen. „Ihr Angebot der Erstattung des Grundpreises im Wert von knapp 400 Euro haben wir zur Kenntnis genommen“, heißt es in seinem Schreiben an den Konzern. „Es steht jedoch in keinem Verhältnis zur aufgewendeten Zeit.“ Vom Ärger einmal ganz zu schweigen, der nicht in Euro und Cent beziffert werden könne.

Ein Anwalt soll die juristische Position von E.on prüfen

Immer wieder sei er abgewimmelt, immer wieder zwischen E.on und der Netz AG hin- und hergeschickt worden, sagt Jansen gegenüber dem Abendblatt. „Der Anbieter und der Netzbetreiber kooperieren in einer Form, die nicht dazu angetan scheint, den Kunden zu unterstützen.“ Eine sarkastische Bemerkung des Ahrensburgers, die deutlich macht, wie tief der Ärger sitzt und wie kritisch die Haltung gegenüber dem Unternehmen ist.

Der THC-Schatzmeister will aber nicht locker lassen. Und mehr als das. Er will einen Anwalt mit dem Fall betrauen. Der soll prüfen, ob die Begründung juristisch haltbar ist, mit der E.on die Forderung Jansens nach Schadenersatz zurückgewiesen hat. Die 400 Euro seien lediglich ein Angebot auf Kulanzbasis. Einen Anspruch auf Entschädigung gebe es nicht. So hatte es Michael Krautzberger schon zu Beginn der Auseinandersetzung gesagt. Er könne den Ärger über die lange Bearbeitungszeit zwar nachvollziehen und wolle den Fall zu einem guten Ende bringen. Aber ein Anrecht auf finanziellen Ausgleich für die Mühe und die „Einbuße an Freizeit“ habe der Kunde nicht. Das habe der Bundesgerichtshof (BGH) höchstrichterlich geklärt.

Der Versuch über die Schlichtungsstelle ist gescheitert

Heiko Jansen hält dagegen: „Die Rechtsprechung ist mehr als 20 Jahre alt. Und sie bezieht sich auch nicht auf diesen besonderen Fall.“ Hier gebe es Klärungsbedarf, sagt Jansen, der sich auf der Suche nach einem geeigneten Fachanwalt erst an die Verbraucherzentrale in Lübeck und dann an die in Hamburg gewandt hat. „Die haben mich gebeten, den Fall genau zu schildern“, sagt Jansen. „Das habe ich getan. Das Schreiben ist abgeschickt.“

Der THC-Schatzmeister hofft, auf diesem Weg weiterzukommen, nachdem sein Versuch über die unabhängige Schlichtungsstelle Energie gescheitert ist. Die habe abgewinkt, weil der THC kein privater Haushalt sei. „Als Verein fällt man schon mal zwischen die Roste“, sagt Jansen mit bitterem Unterton. Aufgeben will er nicht.

Die Frage ist, ob Verschleierung vorliegt

Den finanziellen Hebel anzusetzen, sei die einzige Chance, eine Änderung im Verhalten von Stromversorgern zu erwirken. „Das weiß ich aus eigener Erfahrung in einem Großkonzern“, sagt Jansen, der bei einem internationalen Unternehmen gearbeitet hat. Deswegen will er mit Nachdruck die BGH-Entscheidung prüfen lassen, auf die sich E.on bei der Ablehnung der Entschädigung bezieht. „Eventuell könnten wir noch einen neuen Fall aufmachen.“ Nämlich dann, wenn E.on oder der Netz AG ein Verschulden durch Verschleierung, Verzögerung und dem Nicht-Offenlegen wichtiger Dokumente nachgewiesen werden könne und sich die Aufklärung des Falls dadurch ungewöhnlich zeitaufwendig gestaltet habe – gerade auch für den Kunden.

Möglicherweise bildet sich eine Interessengemeinschaft

Ein Einzelfall ist das nicht, wie zahlreiche Reaktionen auf die Berichterstattung zeigen. Ein Leser der Abendblatt-Regionalausgabe hat sich auch direkt an Jansen gewandt. „Unser Fall ist nur die Spitze des Eisberges“, sagt der THC-Schatzmeister. „Es gibt Überlegungen, eine Interessengemeinschaft von Betroffenen zu gründen.“ Um Kontakt mit ihm aufnehmen zu können, hat Jansen extra eine E-Mail-Adresse eingerichtet. Er ist unter
heiko.jansen54@web.de zu erreichen.

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