Stormarn
Bad Oldesloe

Streit um das Alten- und Pflegeheim St. Jürgen

Heimleiter Harald Krüchten (l.) und  Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sorgen sich um die Zukunft der Stiftung

Heimleiter Harald Krüchten (l.) und Bürgerworthalter Rainer Fehrmann sorgen sich um die Zukunft der Stiftung

Foto: Inga Martens

Der Stiftungsvorstand will den Komplex am Kirchberg verkaufen, weil die Kosten zu hoch sind. Die Stadtverordneten sagen Nein.

Bad Oldesloe. Die Zukunft der traditionsreichen Stiftung St. Jürgen-Hospital sorgt für Streit in der Oldesloer Kommunalpolitik . Der Stiftungsvorstand erwägt, das bekannte Alten- und Pflegeheim am Kirchberg zu verkaufen, da das dazugehörige Wohnheim seit Jahren rote Zahlen schreibt. Ein Verkauf ist jedoch nur möglich, wenn die Stadtverordneten Änderungen in der Stiftungssatzung genehmigen, denn die Vermögens- und Stiftungsverwaltung liegt bei der Stadt. Auch die fünf Mitglieder des Stiftungsvorstands werden von der Stadtverordnetenversammlung entsandt.

SPD, Grüne, Linke und die Wählergemeinschaft Freie Bürger für Oldesloe (FBO) haben bisher einer Satzungsänderung nicht zugestimmt, weil sie der Meinung sind, dass sie mehr Informationen über die finanzielle Situation der Stiftung und bisher untersuchte Lösungsmöglichkeiten benötigen, um eine Entscheidung treffen zu können. Nach Ansicht von Bürgerworthalter und CDU-Politiker Rainer Fehrmann, der kraft Amtes Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist, verzögert das unnötig eine Rettung der Stiftung. „Wir müssen schnell handeln“, sagt Fehrmann. „Die Stiftung steht finanziell so schlecht da, dass wir voraussichtlich bis Ende des Jahres zahlungsunfähig werden.“

Das St.-Jürgen-Hospital besteht seit mehr als 700 Jahren. Es gewährt vorrangig finanziell bedürftigen Oldesloern im Alter Unterkunft und Versorgung. Insgesamt umfasst die Einrichtung 39 Pflege- und 13 Wohnheimplätze. Ein Verkauf des Gebäudes ist nach Ansicht des Stiftungsvorstands die einzige Möglichkeit, die Stiftung zu erhalten. Alternativen wie eine Verpachtung des Gebäudes oder Teilverkäufe seien genau geprüft worden, hätten sich aber als ungeeignet herausgestellt.

Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der Stiftung St. Jürgen-Hospital ist der 2004 eröffnete Neubau. Seit Jahren ist das darin untergebrachte Wohnheim nur zu etwa 50 Prozent belegt. „Das Konzept ist leider nicht aufgegangen“, sagt der Bürgerworthalter. „Trotz der großartigen Lage des Gebäudes gibt es keine ausreichende Nachfrage.“ Wegen des Leerstands muss pro Jahr ein Defizit von 100.000 Euro mit Mitteln der Stiftung ausgeglichen werden. Hinzu kommen jetzt 400.000 Euro, die dringend investiert werden müssen, um Brandschutzauflagen zu erfüllen. Laut Rainer Fehrmann reichen die Erträge der Stiftung hierfür nicht aus. Der Stiftung gehören mehrere Schrebergärten und landwirtschaftliche Flächen, aus denen die Einnahmen bezogen werden.

Ortsansässiger Pflegeheimbetreiber könnte Haus am Kirchberg kaufen

„Unser Ziel ist es, die Stiftung und auch das Haus am Kirchberg zu erhalten. Doch das Haus kann in Zukunft nicht mehr Bestandteil der Stiftung sein“, so der CDU-Politiker. Mit den Stiftungserträgen sollen weiterhin hilfsbedürftige Oldesloer unterstützt werden. Als möglicher Käufer steht ein ortsansässiger Betreiber eines Alten- und Pflegeheimes zur Diskussion. Der Stiftungsvorstand möchte sicherstellen, dass die Mitarbeiter nach einem Verkauf zu den bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt werden und die Bewohner der Einrichtung dort wohnen bleiben können.

Bevor es jedoch zu einem Verkauf kommen kann, müssen die Oldesloer Stadtverordneten eben einer Änderung der Stiftungssatzung zustimmen. Und dagegen gibt es Widerstand. „Ich sträube mich dagegen, das St.-Jürgen-Hospital einfach aufzugeben, wenn ich nicht weiß, wieso“, sagt FBO-Fraktionsvorsitzende Patricia Rohde und fordert mehr Informationen. „Wir brauchen Zahlen und konkrete Bilanzen, um darüber urteilen zu können, aber daraus hat der Vorstand bisher immer ein großes Geheimnis gemacht.“ Ihrer Meinung nach dürfe ein Verkauf des Gebäudes nur als allerletztes Mittel infrage kommen. „Wie für viele Oldesloer gehören für mich die Stiftung und das Hospital zusammen“, sagt Rohde.

Auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Herrmann lehnt einen Verkauf des Komplexes an private Investoren ab. „Die Stadt selbst sollte als Käufer in Erwägung gezogen werden“, sagt Herrmann. In Zukunft könnte das Gebäude auch anderweitig genutzt werden. „Wir suchen zum Beispiel händeringend Wohnraum für Studenten oder generationsübergreifendes Wohnen“, so Herrmann.

Um die Wogen zu glätten, hat der Stiftungsvorstand den Politikern die Bilanzen der Stiftung für die letzten fünf Jahre sowie die Potenzialanalyse einer externen Firma vorgelegt. Für die Analyse wurde das Unternehmen St.-Jürgen-Hospital im Auftrag des Vorstands auf Schwachstellen und Optimierungsmöglichkeiten untersucht. Dass dadurch eine schnelle Lösung gefunden werden kann, bezweifelt Rainer Fehrmann: „So wie die Stimmung gerade ist, ist das eher unrealistisch.“

Einen weiteren Diskussionspunkt hat die Stadtverordnete Karin Hoffmann (Grüne) aufgeworfen. Da sie den Eindruck hat, dass die Stiftung ihren Stiftungszweck nicht erfülle, hat sie sich an die Stiftungsaufsicht des Kreises Stormarn gewandt. Im März war Hoffmann als Mitglied des Stiftungsvorstands nach internen Unstimmigkeiten zurückgetreten. „Der Stiftungszweck besteht laut Satzung darin, bedürftigen Menschen, die in Bad Oldesloe geboren wurden oder mindestens 25 Jahre lang dort gelebt haben, Unterkunft und Verpflegung zu gewähren“, sagt Hoffmann. „In dem Heim leben allerdings bei Weitem nicht nur hilfsbedürftige Oldesloer.“

Nur zwei Oldesloer, die Unterstützung bekommen, leben in dem Haus

In der Tat leben derzeit nur zwei Oldesloer im St.-Jürgen-Hospital, die finanzielle Unterstützung bekommen. Das ist laut Rainer Fehrmann aber so vorgesehen. „Seit Langem wohnen in St. Jürgen auch Menschen, die selbst für die Kosten aufkommen“, so der Bürgerworthalter. „Anders könnte man die Einrichtung gar nicht erhalten.“ Auch die Stiftungsaufsicht des Kreises bestätigt, dass hierdurch kein Verstoß gegen den Stiftungszweck vorliegt.

Eine Einigung scheint angesichts der verhärteten Fronten in der Oldesloer Politik weit entfernt. „Der politische Streit führt zu großer Verunsicherung bei den Mitarbeitern, den Bewohnern und ihren Angehörigen“, sagt Heimleiter Harald Krüchten. „Anstatt sich gegenseitig zu behindern, sollten die Verantwortlichen zum Wohle der Betroffenen schnell eine Lösung finden.“