Stormarn
Stadtplanung

Ahrensburg plant Wohnraum für 2500 Neubürger

Die Stadtplaner Sebastian Stegemann (v.l.), André Stein-Schomberg und Stefan Röhr-Kramer entwerfen den neuen Flächennutzungsplan für Ahrensburg

Die Stadtplaner Sebastian Stegemann (v.l.), André Stein-Schomberg und Stefan Röhr-Kramer entwerfen den neuen Flächennutzungsplan für Ahrensburg

Foto: Lutz Wendler

Dritter Teil der Serie zum neuen Ahrensburger Flächennutzungsplan beschäftigt sich mit der künftigen Verdichtung von Wohnraum.

Ahrensburg.  Wohnen ist das Thema, das für Ahrensburgs Zukunft Priorität hat. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) von 2010 heißt es: „Ein differenzierter Wohnungsbau zur Deckung des ermittelten Bedarfs ist ein entscheidender Baustein für die Stadtentwicklung.“ Und der Bedarf ist offenbar groß. Stadtplaner Sebastian Stegemann vom Hamburger Büro WRS Architekten sagt: „Bis zum Jahr 2025 wird für Ahrensburg weiteres Wachstum um 2500 Einwohner prognostiziert.“ Seine Kollegen und er entwerfen zurzeit den neuen Flächennutzungsplan, der die im ISEK formulierten Zielvorstellungen umsetzen soll und dessen Vorentwurf demnächst in die nächste Runde der öffentlichen Diskussion geht.

Insbesondere der Zulauf durch Gewerbegebiete erzeuge Druck, denn es sei sinnvoll, dass Leute, die in der Stadt arbeiteten auch dort wohnen könnten. Stegemann: „Es gibt etwa doppelt so viele Einpendler wie Auspendler. Ahrensburg hat große überregionale Bedeutung im Gewerbe. Die Stadt hat also die Aufgabe, rasch Wohnraum zur Verfügung zu stellen, insbesondere auf der Etage.“ Was auch heißt: Es muss mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden.

Die heutige Wohndichte in Ahrensburg, so haben die Planer ausgerechnet, liege in Ahrensburg bei 26 Wohneinheiten pro Hektar, der Größe der Stadt angemessen seien jedoch 45. Es muss also ordentlich nachverdichtet werden.

Noch ist der neue Flächennutzungsplan ein Vorentwurf, der in den kommenden Wochen in die nächste öffentliche, die vorletzte, Beteiligungsrunde geht. Realistisch ist damit zu rechnen, dass der in Details noch nachgebesserte Plan 2016 von der Politik beschlossen wird.

Das Abendblatt hat nachgefragt: Wo sehen Ahrensburgs Politiker Entwicklungspotenzial in der Stadt?

CDU

Carola Behr, Stadtverordnete: „Im Großen und Ganzen sind wir mit dem Stand der Planung im Bereich Wohnen zufrieden. Die Ausweisung von weiteren Wohngebieten auf der grünen Wiese, vor allem Erlenhof-Nord, wurde von der Politik verhindert. Wir sind auch gegen neue Wohngebiete in Gartenholz-Nord oder am Rosenweg.

Wir haben errechnet, dass die bis 2025 benötigten etwa 2500 Wohneinheiten auch ohne Neubaugebiete zu erreichen sind. 900 bis 1000 Wohneinheiten sind bereits realisiert, weitere 700 in Vorbereitung, der Rest wird sich ergeben. Schon in der Entwicklung ist sind die bessere Auslastung vorhandener Grundstücke, die Bebauung von Lindenhof und Alter Reitbahn und die Nutzung der Grundstücke von VW und Opel. Außerdem haben wir städtische Grundstücke an der Kastanienallee und am Helgolandring für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums vorgeschlagen.

Es ist klar, dass Ahrensburg um Verdichtung nicht herumkommt. Die muss aber verträglich sein und die unterschiedlichen Strukturen der verschiedenen Stadtteile erhalten.“

SPD

Hartmut Möller, Fraktionsvorsitzender: „Wir haben gute Entwicklungschancen mit unserer besonderen Lage am Rand von Hamburg und auf der Linie nach Lübeck. Wir können uns fast aussuchen, wie wir gewerbe- und bevölkerungsmäßig wachsen wollen, wenn wir die Voraussetzungen dafür schaffen, also Gewerbe und Menschen hierher holen – wir sollten das auch tun, um den Stadtorganismus am Leben zu erhalten. Es ist günstig für Ahrensburg, wenn die Stadt in Maßen wächst und so viele Menschen hier leben, dass die Infrastruktur sich trägt. Was wir brauchen, ist dichteres Wohnen. Wir haben in Ahrensburg eine vergleichsweise geringe Wohndichte, meines Wissens ist sie geringer als in allen anderen Mittelstädten Schleswig-Holsteins. Wir können uns aber eine dünne Bebauung nicht leisten. Leider denken manche Politiker in Ahrensburg sofort an Wohngebiete wie Steilshoop, wenn sie nur das Wort Geschosswohnungsbau hören. Deshalb ist es auch ärgerlich, dass die Neue Lübecker, die im Reeshoop-Viertel ihren Bestand Zug um Zug erneuert, durch einen Antrag der CDU nicht genügend erweitern durfte.

Wir finden es bedauerlich, dass potenzielle Wohngebiete wie Erlenhof-Nord aus dem Flächennutzungsplan gestrichen wurden. Eine strittige Fläche ist für uns auch die Alte Reitbahn, die unserer Meinung nach geeigneter für eine Wohnbebauung ist als die dort geplante gewerbliche Nutzung.

Ein beispielhaftes Projekt sehen wir am Ohlendamm beim U-Bahnhof West, wo eine Wohnungsbaugenossenschaft ihren alten Bestand abreißt und beim Neubau einige Einheiten mehr an bezahlbarem Wohnraum schafft. Wichtig ist bei der Planung des Wohnens in Ahrensburg, dass der soziale Mix stimmt und dass mehr Menschen, die hier arbeiten auch hier leben können.“

DIE GRÜNEN

Jörg Hansen, Stadtverordneter: „Der Flächennutzungsplan ist ein Riesenprojekt, das auf breite Füße gestellt werden muss. Wir brauchen dabei einstimmige, nicht knappe Mehrheiten, weil es um die Zukunft von Ahrensburg geht. Deshalb gibt es auch viel Verständigung über Parteigrenzen hinweg.

Ein Wohnbauprojekt, mit dem wir gar nicht leben können, ist Erlenhof-Nord – weiter weg geht gar nicht in Ahrensburg. Der Flächennutzungsplan sollte möglichst im Einklang mit dem Landschaftsplan stehen. Klar ist, dass Innen- vor Außenverdichtung kommt und dass es an preiswertem Wohnraum fehlt – aktuell erscheint es utopisch, den Bedarf zu decken. Zumal die Nachfrage der Flüchtlinge hinzukommt.

Potenzielle Flächen für Wohnbauten sind für uns der Ahrensburger Redder in Richtung Großhansdorf, das Dreieck am Sportplatz Hagen, die Bebauung der anderen Straßenseite am Starweg und vor allem das Gelände des Kleingartenvereins gegenüber vom Badlantic: Das ist ein klassischer Platz für Wohnraum, zumal er der Stadt gehört. Wenn wir erreichen, dass mehr Menschen, die hier arbeiten, auch hier wohnen, können wir die Pendlerströme reduzieren. Das wäre auch für die ökologische Bilanz von Vorteil.“

WAB

Peter Egan, Stadtverordneter: „Wir brauchen behutsames Wachstum, besonders den Zuzug junger Menschen und Familien, auch um die demografische Entwicklung abzumildern und unsere soziale Infrastruktur erhalten zu können.. Ahrensburg sollte deshalb einen starken Akzent auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums legen. Wir wollen eine Stadt der kurzen Wege und sehen viel Potenzial in der Innenverdichtung. Deshalb unterstützen wir eine Liste mit 15 Projekten, wo in der Summe etwa 1400 Wohneinheiten entstehen könnten. Dazu zählen in der Innenstadt das VW- und Opel-Gelände, ansonsten Orte wie Ginsterweg, Starweg, Spechtweg, Kastanienallee. Insbesondere favorisieren wir die Bebauung des städtischen Schrebergartengeländes am Mühlenredder für sozialen Wohnungsbau, weil hier innenstadtnah Wohnraum für bis zu 500 Bürger geschaffen werden kann. Begrüßenswert finden wir die Aktivitäten des Vereins Heimat, der bezahlbaren Wohnraum für Senioren bauen will. Probleme haben wir mit einer teilweisen Bebauung des Stormarnplatzes oder mit dem Ahrensburger Redder, dem die direkte Anbindung zur städtischen Infrastruktur fehlt.

Das Potenzial der Nachverdichtung auf bebauten Grundstücken sehen wir als viel größer an, als es Planer und Verwaltung wahrhaben wollen. Wir stellen uns vor, dass dadurch in 15 Jahren 1000 Wohneinheiten entstehen könnten. In so einem Fall bräuchte Ahrensburg eine Außenbebauung wie Erlenhof-Nord überhaupt nicht. Aber dieses zu erschließende Wohngebiet am Stadtrand hat ja die Politik bereits aus dem Flächennutzungsplan gestrichen.“

FDP

Olaf Falke, bürgerliches Mitglied im Bauausschuss: „Die FDP will günstigen Wohnraum anbieten und die Innenstadtverdichtung forcieren. Wir schließen aber auch die Randbebauung nicht aus und wollen deshalb auch, dass die Infrastruktur so verbessert wird, dass das Zentrum von der Peripherie aus gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad zu erreichen ist.

Der alte Flächennutzungsplan von 1974 ist unserer Meinung nach besser als sein Ruf, denn er war sehr vorausschauend, indem er bereits Flächen wie Erlenhof-Nord oder den Rosenweg als Entwicklungsflächen für den Wohnungsbau ausgewiesen hat. Beide wurden gegen unsere Stimmen aus dem neuen Flächennutzungsplan gestrichen. Ohne Not, wie wir meinen, denn es wäre ja ohnehin nur eine Option, die man nicht nutzen müsste, aber bei Bedarf könnte. Potenziale sehen wir auch an der Stadtgrenze in Richtung Volksdorf, am Bornkampsweg und am Scharberg.