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Bad Oldesloe

Fliegt VfL Oldesloe aus dem Kurparkstadion?

Der Verein will die Kostenverdoppelung nach dem Pächterwechsel nicht akzeptieren. Nun droht einigen Fußballteams das Aus

Bad Oldesloe. Rund 80 Mädchen und Frauen sowie 40 Jungen, die im VfL Oldesloe Fußball spielen, nutzen Woche für Woche das Kurparkstadion für Trainingseinheiten und Punktspiele. Damit könnte schon in wenigen Tagen Schluss sein. Dem VfL droht der Rausschmiss, weil der Verein bislang nur einen Bruchteil des monatlichen Abschlags an den Pächter, den SV Türkspor Bad Oldesloe, gezahlt hat. „Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass der VfL die Anlage ab dem 1. Dezember nicht mehr nutzen kann“, sagt Gökhan Akdemir, der als Fußball-Obmann des SV Türkspor für das Stadionmanagement zuständig ist.

Hintergrund: Weil sich der Frauenfußballclub Oldesloe, der bisherige Pächter, auflöste, wurde die Anlage Mitte dieses Jahres neu vergeben. Es bewarben sich der VfL, der SC Union und der SV Türkspor, der letztlich den Zuschlag bekam. Der VfL Oldesloe, der das Stadion zu rund 70 Prozent nutzt, hatte ein Zentrum des weiblichen Fußballs etablieren wollen. „Die Gesamtkonzeption des SV Türkspor war schlüssiger“, begründet Bürgermeister Tassilo von Bary die Entscheidung gegen den größten Verein der Kreisstadt.

Mit dem SV Türkspor als neuen Pächter kam auch eine Explosion der Kosten, die auf alle Nutzer des Kurparkstadions umgelegt werden. Neben dem VfL und dem SV Türkspor nutzen auch Fußballteams des SC Union Oldesloe und des SV Meddewade sowie Leichtathleten des Spiridon-Clubs die Anlage. Hatte der FFC Oldesloe im ersten Halbjahr noch 3224 Euro veranschlagt, legte der SV Türkspor im zweiten Halbjahr für Personal-, Verwaltungs- und Materialkosten sowie Rücklagen 6376 Euro um – also fast das doppelte. Kosten für Strom und Wasser werden von der Stadt getragen.

Der VfL erhebt nun schwere Anschuldigungen gegen seinen Stadtkonkurrenten. Der Vereinsvorsitzende Detlef Rädisch sagt: „Unter dem neuen Pächter wird die Anlage nach rein wirtschaftlichen Motiven vermarktet.“ Von der Verwaltung und dem Bürgermeister sei er enttäuscht. „Die Verwaltung und der Bürgermeister haben bei der Neuvergabe betont, dass sich an der Nutzung für andere Oldesloer Vereine nichts ändern werde. Das hat sich leider nicht bewahrheitet“, so Rädisch.

Tassilo von Bary erwidert: „Wenn der VfL selbst Pächter wäre, hätte er diese Kosten auch. Der SV Türkspor darf als Verein gar keine Gewinne machen.“ Akdemir schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Kostenerhöhung ist für uns selbst schmerzhaft. Der Vorwurf, es ginge uns um wirtschaftlichen Erfolg, ist absolut daneben. Wir kassieren null Cent Pacht.“ Ein Treffen von Vertretern beider Vereine am 6. November endete ohne Einigung

Warum aber sind die Kosten um fast 100 Prozent gestiegen? Aus dem Gesamtwirtschaftsplan des Stadionmanagements des SV Türkspor, der dem Hamburger Abendblatt vorliegt, geht hervor: Hauptgrund sind die durchlaufenden Personalkosten. Für den Unternehmer, der sich um Reinigung und Platzwart-Tätigkeiten kümmert sowie den Winterdienst und den Schließ- und Kontrolldienst ausführt, fallen monatlich 850 Euro an. Vor dem Pächterwechsel sollen das noch rund 400 Euro gewesen sein. Akdemir: „Wir mussten neu verhandeln, weil mit dem Pachtverhältnis auch das Dienstleistungsverhältnis endete. Der Unternehmer hat uns nachgewiesen, dass er 25 Stunden im Monat arbeitet und sich bei seiner Forderung am Mindestlohn von 8,50 Euro orientiert.“ Akdemir weiter: „Zwar sind wir gegenüber einem Unternehmer rechtlich nicht verpflichtet, den Mindestlohn zu zahlen, doch wir hatten keinen Verhandlungsspielraum. Denn andere verlangen noch mehr.“

Der VfL Oldesloe ist nun bereits auf der Suche nach einer Alternative zum Kurparkstadion. Rädisch befürchtet, „dass wir einen Teil der 36 Mannschaften aus Kapazitätsgründen dann abmelden müssen. Das wäre ein trauriges Signal für die Stadt und den zweitgrößten Fußballverein Schleswig-Holsteins.“ Von der drohenden Kündigung seien acht Jugendmannschaften sowie das Frauenteam betroffen. Alle Herrenmannschaften sowie die A-, B- und C-Junioren des Vereins spielen und trainieren im Travestadion. Obfrau Carolin Relling sagt: „Ein paar Mannschaften könnten wir wohl noch im Travestadion unterbringen aber auf keinen Fall alle.“

Bislang hat der VfL Oldesloe knapp ein Drittel der ausstehenden Summe beglichen. Den vollen monatlichen Betrag von 758 Euro wolle und könne der Verein nicht bezahlen, so Rädisch. Nach Informationen des Hamburger Abendblattes beträgt der Zahlungsrückstand gut 1700 Euro. Eine andere Lösung, als auch den Rest an den SV Türkspor zu überweisen, gebe es aber nicht, stellt Akdemir klar. Er schlägt jedoch einen Kompromiss vor: „Mit Ratenzahlung wären wir einverstanden. Wir wollen, dass der VfL auf der Anlage bleibt.“ Andernfalls müsste der SV Türkspor andere Nutzer suchen – um nicht fast allein auf den Kosten sitzen zu bleiben.