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Handy-Nutzung am Steuer: Ein Spiel mit dem Tod

Autofahrer unterschätzen oft nicht nur das Risiko durch Alkohol- und Drogeneinfluss. Auch SMS-Schreiben führt zu Unfällen. Die Polizei klärt Schüler der Beruflichen Schule Ahrensburg darüber auf.

Ahrensburg. Eine kreischende Frau, überall Blut, zwei Tote und ein regungsloses Baby: ein Horrorunfall, wie ihn die Schüler der Beruflichen Schule Ahrensburg niemals erleben möchten. „Eine einzige SMS kann Menschen töten“, sagte Rena Bretsch mit eindringlicher Stimme. Die 42-Jährige ist Beamtin der Polizeidirektion Ratzeburg und zeigt der Klasse Metallbau/Konstruktionstechnik ein nachgestelltes Schock-Video zur Verkehrserziehung.

Gemeinsam mit zwei Kollegen schult die Polizistin vier Tage lang 22 Klassen in puncto Verkehrssicherheit. „Wir sind jedes Jahr mit der ‚Aktion Junge Fahrer’ an den Beruflichen Schulen in Ahrensburg und Bad Oldesloe“, sagt Bretsch. „Dabei ging es bisher vor allem um Probleme durch Alkohol und Drogen am Steuer.“

Diesmal sind erstmals Smartphones am Steuer ein großes Thema. Wie riskant die Nutzung des Handys wirklich ist, wird von vielen Autofahrern unterschätzt. Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) erhöht SMS-Lesen oder -Schreiben während des Autofahrens die Unfallgefahr um das 23-fache. Das hat eine US-Studie ergeben. Wer den Blick bei Tempo 50 nur fünf Sekunden von der Straße abwendet, legt einen „Blindflug“ von fast 70 Metern hin. Bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h fährt der Fahrer sogar 180 Meter weit ohne zu sehen, was auf der Straße passiert. „Wie viele Unfälle tatsächlich durch die Benutzung von Handys ausgelöst werden, kann man nicht beziffern“, sagt Bretsch. Bekannt geworden seien jedoch mehrere Fälle, bei denen im Fahrzeug von tödlich Verunglückten das Telefon mit einer angefangenen SMS gefunden wurde.

Ein Unfall wie in dem Film kann sich jeden Tag genau so in der Realität abspielen

Auch in dem Videofilm hatte die Fahrerin eine SMS geschrieben. „Das war schon ein schockierender Einblick, den man sonst so nicht bekommt“, sagt der Berufsschüler Marc Zickermann. „Wie diese Frau sich fühlt nach dem Unfall, wie grauenvoll sie schreit. Wie soll jemand mit so einer Last weiterleben?“ Der Unfall im Film sei zwar nur gespielt. Allerdings könne sich diese Situation jeden Tag genau so abspielen, so Zickermann.

Das bestätigt auch sein Mitschüler Jan Meier aus Trittau. Der 19-Jährige ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und hat schon mehrere Unfälle gesehen. „Das prägt natürlich. Ich sage immer: Kein Handy am Steuer! Vor allem, weil man nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet“, so Meier. Doch nicht alle Autofahrer sind so vernünftig: Wer es gewohnt ist, sich permanent über Soziale Medien, Facebook oder WhatsApp auszutauschen, möchte offenbar auch im Auto nicht darauf verzichten. Laut DVR gab jede dritte junge Frau und jeder vierte junge Mann bei einer Umfrage des Reifenherstellers Goodyear an, während der Fahrt SMS zu schreiben.

Dabei ist die Rechtslage eindeutig. Bretsch: „Wer am Steuer sitzt, darf sein Mobiltelefon nicht benutzen, wenn es dafür aufgenommen oder in der Hand gehalten werden muss.“ Sonst drohen 60 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.

Dass auch Alkohol- und Drogenkonsum die Fahrtüchtigkeit erheblich einschränken können, wurde den Berufsschülern anhand von Rausch-Brillen demonstriert. Marc Zickermann stellte sich als Testperson zur Verfügung. „Die sieht aus wie eine Ski-Brille, und eigentlich sehe ich ganz normal damit“, sagt Zickermann. Der einzige Unterschied: „Ich greife plötzlich ständig zehn Zentimeter daneben. Ein ganz merkwürdiges Gefühl.“

Die Brille simuliere die Wirkung von 0,8 Promille Alkohol auf das Sehvermögen, sagt Bretsch. Zudem verzögert Alkohol die Reaktionsfähigkeit: „Wenn man betrunken fährt, hat man mehr Bremsweg. Bis das Auto zum Stehen kommt, könnten möglicherweise schon drei Kinder darunter liegen.“