Stormarn
Großensee

Schlammschlacht am Großensee

Felix Schickler, Ex-Pächter des Restaurants Südstrand, rechnet mit der Gemeinde ab – doch bleibt dabei sehr vage

Großensee. Die Räume des Restaurants Südstrand am Großensee sind geräumt, am Wochenende hatte der Pächter Felix Schickler Teile des Inventars öffentlich verkauft. Der seit Jahren währende Streit zwischen der Südstrand GmbH, deren Geschäftsführer Schickler ist, und der Gemeinde hat mit der einvernehmlichen Auflösung des Pachtvertrags aber noch kein Ende gefunden. Die GmbH greift nun mit Unterstützung von Anwälten die Pläne der Gemeinde zum Kauf des Großensees an sowie die Beendigung des Vertragsverhältnis.

Die Stadt Hamburg, die bislang Eigentümer des Gewässers ist, hatte zu einem Bieterverfahren aufgerufen und einen Mindestpreis von 1,15 Millionen Euro angesetzt. Die Gemeinde Großensee hatte als einzige von vier angeschriebenen Bietern Interesse gezeigt. Rechtsanwältin Jessica Preuße, die die Südstrand GmbH vertritt, schreibt dazu nun an Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers: „Es besteht der konkrete Verdacht, dass die Gemeinde in rechtlich unzulässiger, zumindest nicht über jeden Zweifel erhabener Weise in das Bieterverfahren zum Verkauf des Großensees durch baurechtliche Maßnahmen eingegriffen hat.“ Die Gemeinde, die auch das Vorkaufsrecht erworben hat, hatte einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst, der über die freizuhaltenden Flächen bestimmen soll. Dabei geht es um eine Insel und einen 50 Meter breiten Uferstreifen. Schickler meint, dass damit andere Bieter benachteiligt würden. „Das dürfte krasser Rechtsbruch sein“, sagt der Pächter.

Seine Anwältin fordert deshalb die Gemeinde in dem Schreiben, das dem Abendblatt vorliegt, auf, ihrem Mandanten Akteneinsicht zu gewähren. Schickler zeigte sich bei einem Pressegespräch, zu dem er eingeladen hatte, kampflustig: „Wir müssen prüfen, ob uns Informationen vorenthalten worden sind. Es bleibt abzuwarten, ob die Gemeinde die Genehmigung gewährt.“ Großensees Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers blieb dagegen auf Nachfrage gelassen: „Wir sind gesetzlich verpflichtet, ihm innerhalb eines Monats mitzuteilen, wo er die Pläne einsehen kann. Ansonsten kann Herr Schickler, wie jeder andere Bürger auch, einfach ins Amt Trittau fahren, wo die Akten ausliegen.“ Schicklers Vorwürfe an die Gemeinde seien „Hirngespinste“.

In der Tat blieb Schicklers tatsächliches Anliegen auch nach dem Pressegespräch unklar. Mithilfe einer Beamer-Präsentation mit dem Titel „Warum ich mein Schweigen breche“ wolle er „Transparenz schaffen“, erklärte er. Auf konkrete Nachfrage unter anderem dazu, was genau er sich von der Akteneinsicht verspreche und ob er einer der privaten Bieter gewesen sei, die die Stadt Hamburg zu dem Verfahren eingeladen hatte, wollte Schickler sich jedoch nicht äußern.

Er bemängelte des Weiteren auch, dass die Gemeinde den Vertrag unter Vorwänden gekündigt habe. Die Pacht war Schickler eigentlich noch bis 2020 übertragen. Die Gemeinde hatte sich jedoch über die vom Pächter gewählten Öffnungszeiten und Betriebsferien beklagt. Schickler sagt nun, er sei vielmehr der Ansicht, dass die Gemeinde den Vertrag auflösen wollte, weil dieser rechtswidrig sei. „Der Pachtvertrag zwischen Hamburg und der Gemeinde ist abgelaufen. Ein Unterpachtvertrag mit mir wäre eigentlich gar nicht möglich gewesen“, sagt Schickler. Zudem sei Hamburg daran gelegen, dass der Pächter das Restaurant verlasse. „Dann ist der See mehr wert“, sagt Schickler.

Diese Sichtweise ist zumindest zweifelhaft, da die Südstrand GmbH ausschließlich Pächter des Restaurants ist und zudem das Freibad für die Gemeinde betreibt, der Pachtvertrag zwischen der Stadt Hamburg und der Gemeinde sich jedoch auf den See bezieht. Schicklers Vorwurf sei „absoluter Schwachsinn“, sagt Lindemann-Eggers deutlich. „Das Restaurant steht auf gemeindeeigenem Boden und hat mit dem Vertrag mit Hamburg nichts zu tun.“

Am Aus des Restaurants Südstrand wird die nun wieder angefachte Debatte nichts mehr ändern. Am heutigen Freitag ist der Pachtvertrag offiziell beendet. Laut Lindemann-Eggers soll in der kommenden Woche eine Entscheidung fallen darüber, welcher Gastronom als nächstes die Immobilie beziehen wird. Nach Angaben des Bürgermeisters stehen zwei in der engeren Auswahl. Beide Kandidaten kommen demnach aus dem Kreis Stormarn.

Was den Verkauf des Sees betrifft, zeichnet sich jedoch noch keine Entscheidung ab. Wie Daniel Stricker, Sprecher der Hamburger Finanzbehörde, auf Nachfrage mitteilte, habe die Stadt noch immer nicht entschieden, ob das Gewässer überhaupt verkauft werden solle. „Wann das der Fall sein wird, kann ich nicht sagen.“ Bürgermeister Lindemann-Eggers bleibt optimistisch: „Ich habe keine Bedenken, dass wir zueinanderfinden.“