Stormarn
Bargteheide

Streit um ein Stückchen Bahnhof

Immobilienkäufer Stephan Gloge verklagt die Stadt Bargteheide wegen 160-Quadratmeter-Fläche für Fahrradständer

Bargteheide. Zwei Jahre nach dem Verkauf des Bargteheider Bahnhofs gibt es handfesten Krach um das Immobiliengeschäft: Der Käufer und die Stadtverwaltung liegen im Clinch. Es geht um 160 Quadratmeter, die südlich an das 1865 errichtete Gebäude grenzen – zurzeit ein Abstellplatz für Fahrräder. Bahnhofskäufer Stephan Gloge möchte die Fläche besitzen, die Stadt möchte sie nutzen. Und das scheint zumindest aus Sicht des Kaufmanns Gloge ein unlösbarer Widerspruch zu sein. Er, der vor zwei Jahren noch gesagt hat: „Bargteheide als Schleswig-Holsteins einzige schuldenfreie Stadt scheint sehr gut verwaltet zu sein“, er hat die Verwaltung dieser Stadt nun verklagt.

Bürgermeister Henning Görtz erklärt das Problem: „Die Fläche neben dem Bahnhof ist im Bebauungsplan seit Jahrzehnten als öffentliche Verkehrsfläche ausgewiesen.“ Das heiße, dass sie von jedermann betreten werden darf, unabhängig davon, wer Eigentümer sei. Es bedeute gleichermaßen, dass darauf zum Beispiel Fahrräder abgestellt werden dürfen. „Das Recht, dass die Stadt auf dieser Fläche Fahrradständer aufstellt, ist aber bedauerlicherweise nicht grundbuchlich gesichert“, sagt Görtz. Zwischen Stadtverwaltung und Deutscher Bahn habe stets stillschweigend Einigkeit in dieser Frage bestanden.

Stephan Gloge aber, und das ist der Punkt, will Geld dafür sehen. Eine Summe ist nicht bekannt, offenbar muss sie aber so hoch sein, dass zwischen ihm und der Stadt keine Einigung zustande gekommen ist.

Als Alternative hat die Stadtverwaltung eine Karte namens Vorkaufsrecht ausgespielt. Henning Görtz: „Das darf eine Kommune ausüben, wenn öffentliches Interesse besteht.“ Das sei in diesem Fall allemal gegeben. „So etwas muss man innerhalb von vier Wochen entscheiden, die Stadt hat ihr Vorkaufsrecht beim Verkauf ausgeübt.“ Mit anderen Worten: Stephan Gloge sollte zwar das Bahnhofsgebäude bekommen, die Stadt aber den 160-Quadratmeter-Streifen an dessen südlicher Seite.

Daraufhin hat Käufer Gloge die Stadt verklagt. Die Akte liegt nun bei einer Zivilkammer des Landgerichts Lübeck. Der Kaufmann, der als Wohnsitz San Francisco nennt und als Alter „jenseits der 50“ angibt, spricht von einer „Enteignungskampagne“. Er sieht in dem Stück Land einen „vitalen Teil“ des Gebäudes: Darunter liege zum Beispiel ein Kellerraum. „Außerdem könnte es sein, dass ich das Grundstück eines Tages, wenn der Bahnhof nicht mehr als Bahnhof genutzt wird, für Parkplätze brauche. Oder um eine Feuertreppe anzubauen.“

Von den Richtern in Lübeck erhofft sich Gloge außerdem Auskunft darüber, was 160 Quadratmeter in unmittelbarer Bahnhofsnähe eigentlich wert sind. Zwischen der Auffassung der Stadt und seiner lägen Welten. „Die Stadt will einen Euro pro Quadratmeter zahlen“, behauptet er. Das wären unterm Strich 160 Euro. Er meint unter Berufung auf den Gutachterausschuss für Bodenrichtwerte des Kreises, 250 bis 300 Euro pro Quadratmeter wären angemessen, und kommt so auf 40.000 bis 48.000 Euro. Bürgermeister Görtz nennt keine Beträge, beruft sich aber ebenfalls auf den Gutachterausschuss.

Doch warum interessiert sich Gloge, der die gesamte Immobilie für einen niedrigen sechsstelligen Betrag gekauft haben soll, überhaupt für den Preis, geht es dabei doch um ein Geschäft zwischen der Stadt und der Deutschen Bahn? Das wisse er nicht, sagt Bürgermeister Görtz.

Stephan Gloge hingegen meint, er habe schon für alles bezahlt, und erwartet offenbar eine Erstattung eines Teils des Kaufpreises, sollten die 160 Quadratmeter der Stadt gehören dürfen. Bis die Angelegenheit geklärt ist, steht unverändert die Deutsche Bahn als Eigentümerin im Grundbuch.

Soweit der eigentliche Konflikt, der mittlerweile weitere nach sich gezogen hat. Stephan Gloge sagt, es gebe zwischen Stadtverwaltung und ihm unterschiedliche Auffassungen über die Zahlung von Grundsteuer „und ähnlichen Forderungen“. Nachdem ein Mitarbeiter der Stadt mit einem Vollstreckungsbescheid in der Hand auf einem seiner Grundstücke aufgetaucht sei, habe er eine E-Mail geschrieben: dass es solche Methoden „seit Stasi und Nationalsozialismus nicht mehr gegeben“ habe. Gloge: „Jetzt habe ich eine Strafanzeige wegen Beleidigung am Hals.“